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BRN: Wird 2020 alles anders?

2020 feiert das Stadtteilfest 30-jähriges Bestehen. Warum das eine echte Chance für einen Neustart sein könnte.

Das gemeinsame Frühstück am Sonntag gehört zu den BRN-Traditionen, die sich über die Jahre gehalten haben.
Das gemeinsame Frühstück am Sonntag gehört zu den BRN-Traditionen, die sich über die Jahre gehalten haben. © Archiv/Rene Meinig

Sie ist seit den Anfängen dabei, hat 1990 die Ursprünge der Bunten Republik erlebt, gestaltet und die vielen losen Enden der Kreativen zusammengehalten. Sie tut das bis heute. Ulla Wacker koordiniert das BRN-Büro – und damit irgendwie auch das Festival an sich. Dass viele Neustädter sagen, früher war alles besser – auch die BRN – nervt sie nicht. Sie kann es sogar verstehen. Im SZ-Interview erzählt Ulla Wacker von Versäumnissen und ihrer Hoffnung für das nächste, große BRN-Jubiläumsjahr.

Als BRN-Koordinatorin haben Sie selbst kürzlich Kritik geübt und geäußert, dass das Viertel zur BRN noch mehr Potenzial hätte. Was meinen Sie damit?

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Ich habe einige der alten Player vermisst. Zum Beispiel war die Talstraße früher immer sehr nachbarschaftlich organisiert, familiärer und auch kindgerechter. Dieses Miteinander, die von Neustädtern gemachten Aktionen, sind für mich das Potenzial. In der Süßwasserfischpassage oder der Böhmischen Straße ist deutlich geworden, mit wie viel Liebe und Kreativität die Bunte Republik bespielt wird. Davon würde ich mir für das nächste Jahr mehr wünschen – und weniger Techno.

Schon länger gibt es eine nicht kleine Anzahl an Republikflüchtlingen, also Anwohnern, die das Viertel zur BRN verlassen. Können alte BRN-Macher überhaupt zurückgewonnen werden?

Dass viele Anwohner auf die Dauerbeschallung keine Lust mehr hatten oder haben, dass sie BRN-müde sind, kann ich verstehen. Eine Anwohnerinitiative geht gegenüber einen Technostand schnell unter. Das kann frustrieren. Auch wenn es nicht überall so ist, könnten wir da mehr einwirken. Zum Beispiel durch das Inselkonzept. Es gibt Veranstaltern mehr Entscheidungsmacht. Wenn es nach mir ginge, müsste auch die Bürokratie abgebaut werden, um mehr Leute anzusprechen. Viele wollen sich nicht durch unübersichtliche Anträge quälen. Natürlich müssten wir auch früher ins Gespräch kommen, um solche Hürden abzubauen. Daran arbeiten wir.

Im nächsten Jahr feiert die BRN 30-jähriges Jubiläum. Was erwarten Sie zu diesem Anlass?

Die BRN lässt sich gut in Jahrzehnte einteilen. In den 90ern stand das bürgerschaftliche Engagement über allem, die Neustädter Anwohner hatten das Fest fest in ihrer Hand. In den Nullerjahren gab es dann eine Phase, in der sich viele fremdbestimmt fühlten, weil sich die BRN geöffnet hatte und vereinnahmt wurde. Deswegen hat sich 2010 auch die Schwafelrunde gefunden. Das Anliegen war, die BRN wieder mehr zur Anwohnerinitiative zu machen. Nächstes Jahr steht wieder ein neues Jahrzehnt an. 2020 könnte also erneut eine Chance für eine Neuausrichtung sein. Vielleicht bekommt die BRN ja eine Satzung.

Kritisiert wird nicht selten von Anwohnern, alten BRN-Besuchern oder auch den Hausbesetzern dieses Jahres,  dass die BRN zu unpolitisch sei. Wie erleben Sie das? Könnte das eine Chance für 2020 sein?

Da kann ich Kritikern nur sagen: Ihr seid dran, ihr könnt mitgestalten. Das ist nichts, was wir vorgeben oder erzwingen können. Davon abgesehen sind politische Statements überall zu finden. Sei es in diesem Jahr die symbolische Hausbesetzung oder die Aktion zivilen Ungehorsams der Initiative Extinction Rebellion. Auch Amnesty International und Mission Lifeline waren präsent. Sicher gibt es noch mehr Potenzial, sich politisch auszudrücken. Eine gemeinsame Botschaft herauszugeben, wäre wunderbar. Und das Beste ist: Es ist möglich, man muss nur miteinander sprechen.

Ulla Wacker ist BRN-Koordinatorin und kann verstehen, dass viele das alte Konzept des Stadtteilfestes vermissen.
Ulla Wacker ist BRN-Koordinatorin und kann verstehen, dass viele das alte Konzept des Stadtteilfestes vermissen. © Sven Ellger

Welche Akzente würden Sie ganz persönlich zu 30 Jahren Bunte Republik Neustadt setzen?

Es ist schwierig, jetzt etwas Konkretes anzukündigen. Natürlich gehen die Vorbereitungen für das Jubiläum los, aber nichts ist spruchreif. Ich persönlich könnte mir vorstellen, den Republikgedanken zu beleben und zum Beispiel zu anderen, internationalen Mikronationen Kontakt aufzunehmen, sie einzuladen. Vielleicht könnte man die BRN auch unter ein Motto stellen, um die Straßen zu vereinen. Letztlich ist es aber auch so, dass die Mehrheit der BRN-Besucher den Republikgedanken nicht erwartet. Das hatte seine Zeit.

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Es wäre auch denkbar, das Potenzial eines so großen Festes auszuloten und etwas zu wagen: Wie wäre es zum Beispiel mit einer plastikfreien beziehungsweisen Mehrweg-Bunten Republik Neustadt? Es hat in diesem Jahr ja berechtigte Kritik daran gegeben, dass die Äußere Neustadt, die mehrheitlich grün wählt, an einem Wochenende aber Unmengen an Müll produziert. Vielleicht wäre das ein passendes Experiment zum Jubiläum.

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