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Zurück zum Porzellan

Die Linke will das Kerngeschäft der Meissen-Manufaktur stärken. Im Unternehmen brodelt es.

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© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

Meißen. Die Erfolgsaussichten für einen internationalen Luxus-Konzern Meissen müssten endlich realistisch beurteilt werden. Mit dieser Aussage hat der finanzpolitische Sprecher der Linken-Landtagsfraktion Sebastian Scheel auf die für einen Teil der Manufaktur-Mitarbeiter geplante Kurzarbeit reagiert.

Der Landtagsabgeordnete zählt seit Jahren zu den schärfsten Kritikern des von Ex-Geschäftsführer Christian Kurtzke und Aufsichtsratschef Kurt Biedenkopf vorangetriebenen Unternehmensumbaus. Statt auf Möbel und Kleider zu setzen, sollte sich das Unternehmen „beschleunigt“ auf seine Kernkompetenz Porzellan besinnen, so Scheel gestern. Es sei nicht absehbar, wie viele Zuschüsse der internationale Expansionskurs noch kosten werde. Seit 2008 hat der Freistaat die risikoreiche Strategie mit Krediten in Höhe von insgesamt rund 30 Millionen Euro unterstützt.

Arbeitsplatz-Garantie gefordert

Für die Mitarbeiterschaft des Staatsbetriebes fordert Scheel eine Arbeitsplatz-Garantie. Das engagierte und hoch qualifizierte Personal sollte auf diese Weise motiviert werden, die Krise gemeinsam durchzustehen. Die Belegschaft habe bislang die Hauptlast des Umbaus getragen.

Manufaktur-Geschäftsführer Blaschke wies Scheels Vorschlag gestern umgehend zurück. Kein normales Unternehmen könne eine solche Garantie geben.

SZ-Informationen zufolge läuft der Porzellan-Verkauf der Manufaktur nach einem schwierigen Geschäftsjahr 2014 auch 2015 schleppend. Mitarbeiter machen dafür die seit Jahren schrumpfenden Werbeausgaben im Bereich des Kernsortiments verantwortlich. Für Möbel und Accessoires wurden teure Messe-Auftritte und Kampagnen inszeniert. Das Porzellan habe nur eine Rolle als Zubehör gespielt. Parallel dazu sei wiederholt versucht worden, Kunden vom Kauf bewährter Formen und Muster wie Wellenspiel oder Schwanenservice abzubringen und zum einfacheren Service Cosmopolitan umzulenken. Es entstehe mitunter zudem der Anschein, als ob auch die Bestellung von Figuren blockiert würde.

Berichte über Grabenkämpfe

Widersprüchlich wird in der Öffentlichkeit die Rolle eingeschätzt, die der seit Herbst vergangenen Jahres in dem Unternehmen tätige, neue Geschäftsführer Tillmann Blaschke bei der jüngsten Entwicklung spielt. Viele der an der Betriebsversammlung beteiligten Mitarbeiter sehen „das Vorgehen des neuen Geschäftsführers mehr als kritisch, da dieses aktuell wieder nur zulasten der Angestellten geht“, schreibt Kreisrat Sören Skalicks von der Fraktion SPD/Grüne/Piraten. Anders sieht das der Meißner Schriftsteller Marc Zoellner. Die Schilderungen seiner Gewährsleute seien genau gegenteilig ausgefallen, heißt es in seinem Kommentar auf Skalicks Mitteilung. Zoellner spricht von großem Lob sämtlicher Seiten für Tillmann Blaschke und die Geschäftsführung angesichts deren solidarischen Gehaltsverzichts.

Mehrere Quellen berichten aus der Manufaktur unterdessen von Grabenkämpfen zwischen führenden Mitarbeitern, welche dem zu Porsche Design gewechselten Ex-Geschäftsführer Christian Kurtzke nachtrauerten und Anhängern des neuen Chefs. Der Betriebsrat stellte sich gestern auf die Seite von Tillmann Blaschke. Die Mitglieder seien übereingekommen, konkrete Fragen der SZ nicht zu beantworten, so der Betriebsratsvorsitzende Maik Viehrig. Stattdessen weist der Betriebsrat „auf die Veröffentlichung zu den Optimierungsmaßnahmen auf der Internetseite der Porzellan-Manufaktur Meißen hin.“