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Zurück zur Waldbühne

Am Sonntag wandern Burkauer und Rammenauer zur einstigen beliebten Kulturstätte, die in der DDR nicht sein durfte.

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© Steffen Unger

Von Carolin Menz

Da ging kein Apfel mehr zu Boden. Dicht gedrängt saßen Damen im feinen Kleid, Herren im Anzug, Kinder in kurzen Lederhosen. Gespannt und erwartungsvoll. Der Besuch der Waldbühne eine Auszeit vom Alltag in der Nachkriegszeit. Wenn es hier Musik und Theater zu erleben gab, kamen schon mal 2000 Menschen. Schön war’s damals. Heute gibt’s die Waldbühne am Südosthang des Tannebergs nicht mehr. Udo Mangelsdorf, Chef vom Heimatverein, und Harald Willenberg, Ortschronist, aber haben sie nicht vergessen. Am Sonntag werden sie mit Rammenauern, Burkauern und Gästen dorthin zurückkehren. Noch einmal Musik erleben, begeistert applaudieren. Die traditionelle Frühlingswanderung des Heimatvereins ganz im Zeichen der Geschichte. Das erste Mal zusammen mit den Natur- und Heimatfreunden Burkau. Ihr gemeinsames Ziel Waldbühne liegt genau zwischen ihren Dörfern.

Dicht gedrängt saßen die Zuschauer, wenn die Musikanten spielten. Bis zu 2000 passten rein.
Dicht gedrängt saßen die Zuschauer, wenn die Musikanten spielten. Bis zu 2000 passten rein. © Heimatverein
Bis zu vier Stücke wurden in einer Saison gespielt – unter anderem Geschichten aus dem Schwarzwald.
Bis zu vier Stücke wurden in einer Saison gespielt – unter anderem Geschichten aus dem Schwarzwald. © Heimatverein
Nach der Vorführung ging es für die Massen wieder nach Hause.
Nach der Vorführung ging es für die Massen wieder nach Hause. © -Heimatverein

Den Kulturgenossen war das Repertoire nicht recht

Es war die Aufbruchszeit nach dem Krieg, als die Waldbühne entstand. Als sich Leben normalisierte, Freude und Unbeschwertheit wieder denkbar waren. „Es gab auch bei unseren Eltern und Großeltern den Drang nach Gemeinsamkeit. Und so entstand 1950 die Idee, aus dem alten Steinbruch am Tanneberghang eine Waldbühne zu bauen“, sagt Ortschronist Harald Willenberg. Mit Eifer und in vielen Arbeitsstunden entstand die Kulturstätte mit Bühne und Zuschauerbänken, von denen bis auf wenige keine mehr erhalten ist. 1952 begann die Spielzeit, das Einstudieren der Stücke, das Nähen von Kostümen, das Zimmern von Requisiten.

Bis zu vier Aufführungen pro Saison brachte die „Singgemeinschaft“ auf die Bühne, Stücke wie „Die Mühle im Schwarzwald“ oder das „Schwarzwaldmädel“. Begeistert angenommen von Gästen, die zu Tausenden kamen. „Der Bekanntheitsgrad und die Beliebtheit der Aufführungen gefiel jedoch nicht allen. Den Kulturgenossen war das Repertoire nicht recht, weder Pioniere noch Sowjetsoldaten kamen darin vor“, so Harald Willenberg. Die Waldbühne damit zum Aus verdammt. Der damalige Ortschronist, Wilfried Haufe, beschrieb es so: „Infolge (…) der Ermanglung neuzeitlicher, progressiver Singspiele und dem Einschreiten der Abteilung Kultur des Kreises gegen die veralteten Theaterstücke zerfiel die Spielgemeinschaft und mit ihr die Waldbühne.“ 1956 war Schluss. Die Natur eroberte sich das Terrain zurück. Und doch kamen die Rammenauer immer wieder: „2005 wurde das Areal gesäubert und ein Wanderrastplatz mit Bänken eingerichtet. 2006 führte die Frühjahrswanderung hin. Der Gemischte Chor Rammenau sang, ein Leierkastenmann spielte, ein Trompeter blies vom Waldrand“, so Udo Mangelsdorf.

Orkan Kyrill gab der Bühne den Rest

Es sollte der letzte Akt auf der Waldbühne sein, bevor sie Orkan „Kyrill“ im Januar 2007 völlig zerstörte. Die Waldbühne musste wegen Gefahr für Leib und Leben gesperrt werden. Dabei blieb es. Ein Spielbetrieb ist aufgrund der Sicherheitsauflagen unmöglich. „Es gibt keine Parkplätze, keine richtige Zufahrt, kein Wasser, keine Toiletten. Außerdem sind wir hier mitten im Landschaftsschutzgebiet“, sagt Rammenaus Bürgermeisterin Hiltrud Snelinski. Niemals würde es heutzutage eine Genehmigung für ein Theater hier geben.

Umso wichtiger ist den Mitgliedern des Heimatvereins die Wanderung am Sonntag. Sie wollen die Bühne in Erinnerung zurückzurufen und jenen davon erzählen, die sie nicht mehr kannten. „Im Vorfeld haben wir 2014 hier gerodet und sauber gemacht, den letzten Arbeitseinsatz gab es am 9. Mai“, sagt Udo Mangelsdorf. Um die hundert Mitwanderer erwartet er. Sie sehen eine Fotoausstellung, hören dem Gemischten Chor Rammenau und den Burkauer Musikanten zu und erleben Sketche. 15 Uhr beginnt das Programm. Die Waldbühne lebt wieder. Für ein paar Stunden.

Treffpunkt Sonntag , 17. Mai, 13 Uhr am Dorfplatz. Es gibt auch einen Shuttle-Service: Das erste Mal fährt er um 14,30 Uhr und anschließend nach Bedarf. Anmeldung ist möglich über Telefon 0162 2814189.