merken
PLUS

Dresden

Doppelter Schutz für den Striezelmarkt

Der Dresdner Oberbürgermeister sorgt im Hickhack um die Sicherheit für zusätzliche Aufsteller . Warum er dafür den Stadtrat nicht braucht.

So sehen die Pflanzkübel mit Stahlkern aus, die die Firma Vowisol entwickelt hat und der Stadt zur Verfügung stellt. Allerdings werden sie nicht an der Wilsdruffer Straße aufgestellt, sondern an der Kreuzkirche.
So sehen die Pflanzkübel mit Stahlkern aus, die die Firma Vowisol entwickelt hat und der Stadt zur Verfügung stellt. Allerdings werden sie nicht an der Wilsdruffer Straße aufgestellt, sondern an der Kreuzkirche. © Visualisierung: Vowisol

Der Striezelmarktschutz ist ein heftig diskutiertes Thema in Dresden. Seit mehr als einem Jahr versucht Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) die Zustimmung des Stadtrats zu bekommen, Geld für die Absicherung des Striezelmarktes und andere Großveranstaltungen ausgeben zu dürfen. Bislang ohne Erfolg. Wohl auch, weil die Verwaltung Fragen der Stadträte dazu nicht oder unzureichend beantwortet. Es ist ein Streit entbrannt, ob zusätzlicher Schutz notwendig ist und ob dieser nicht besser gemietet statt gekauft werden solle.

Um den Striezelmarkt, der in diesem Jahr am 27. November eröffnet, doch noch mehr als bisher abzusichern, gibt es nun eine Hintertür. Die Firma Vowisol aus Radeberg/Großerkmannsdorf liefert Schutzelemente, wie Geschäftsführer Arian Vorwerk sagt. Er hat Barrieren entwickelt, die sicher sein und ansprechender aussehen sollen als die Betonklötze und Wasser-Container. Es handelt sich um zehn Tonnen schwere Pflanzkübel. Diese sind 2,6 Meter breit, 95 Zentimeter hoch und 1,27 Meter tief. Der Kern besteht aus Stahl. Die Aluminiumschale, die von außen zu sehen ist, wiegt weitere 500 Kilo. Am Boden sind die Kübel mit Antirutschmatten verbunden.

Anzeige
Yoga-Kurse jetzt online
Yoga-Kurse jetzt online

Möchtest du Yoga bequem von zu Hause praktizieren? Bei Naam-Yoga geht das derzeit auch online - per Livestream mit fachkundiger Anleitung.

Dass diese Kübel einem Lasteraufprall standhalten, wurde von Experten bei einer speziellen Konferenz in Münster getestet und zertifiziert. Damit gelten die Kübel als Terrorschutz nach aktuellstem Stand. Vorwerk hatte seine Pflanzkübel bereits ins Gespräch gebracht, nachdem bekannt wurde, dass OB Hilbert eine Ausschreibung für ein neues Schutzsystem plant. Darüber hat der Stadtrat aber noch nicht entschieden, sondern es mehrfach vertagt. Da Vorwerk mit der Stadtverwaltung in Gesprächen wegen seiner Schutzelemente sei, habe es sich ergeben, eine Vereinbarung zu schließen. „Wir stellen fünf Schutzelemente für den Striezelmarkt als Leihgabe auf.“ Auch der genaue Ort steht bereits fest. Die Kübel werden am Eröffnungstag, dem 27. November, vor der Kreuzkirche platziert. In der Kirche werden zum Eröffnungsgottesdienst bis zu 3.000 Besucher erwartet. Außerdem gibt es im Striezelmarktprogramm einen eigenen Kreuzkirchentag.

Vorwerk hat durch die Leihgabe die Möglichkeit, seine Schutzelemente zu präsentieren. Bürger und auch Stadträte können sie sozusagen im Einsatz begutachten. „Es kann nicht die Zukunft sein, die Stadt mit Betonklötzen oder riesigen Wassersäcken zuzustellen“, sagt Vorwerk. So liefert er zusätzlichen Schutz und kann versuchen, Verwaltung, Dresdner und Stadträte von seinen Modellen zu überzeugen.

Oberbürgermeister Hilbert hat das so entschieden, bestätigt Rathaussprecher Kai Schulz. Und es ist nicht der einzige neue Striezelmarktschutz. „Wir haben mit mehreren Firmen aus der Region eine Vereinbarung, Elemente zu testen.“ Welche andere Firmen es sind, sagt er noch nicht.

Die Stadt bekommt so doch noch weiteren Schutz, ohne Geld dafür ausgeben zu müssen. Somit braucht OB Hilbert keine Zustimmung des Rates. Denn übersteigt eine Anschaffung wie so ein Schutzsystem die Summe von 250.000 Euro, muss der Stadtrat zustimmen. Darunter kann der Oberbürgermeister alleine entscheiden. Im vergangenen Jahr wollte Hilbert ein System für 660.000 Euro anschaffen. Als der Rat das ablehnte, kaufte er zwei mobile Schranken für 124.000 Euro. Dieses Mal geht es um 550.000 Euro, für die ein Schutzsystem ausgeschrieben werden soll. Auch hier hat der OB einen Weg gefunden, kurzfristig für mehr Schutz zu sorgen, ohne zu viel Geld auszugeben.

Die Firma Vowisol ist vor allem für ihre Wintergärten bekannt. Sie stellt auch Pavillons und Pflanzkübel her. Wegen der Diskussion in Dresden, nach dem Anschlag im Dezember 2016 auf einen Berliner Weihnachtsmarkt, kam Vorwerk auf die Idee, besonders schwere Kübel zu entwickeln. Diese seien wartungsfrei, da nichts roste. Die Kübel könnten das ganze Jahr über stehenbleiben. In diesem Jahr werden sie aber am 27. Dezember definitiv abtransportiert.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach. 

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier. 

Weiterführende Artikel

Was Sie zum Striezelmarkt wissen müssen

Was Sie zum Striezelmarkt wissen müssen

Deutschlands ältester Weihnachtsmarkt eröffnet diesen Mittwoch. Die wichtigsten Infos im Überblick, von Anreise bis W-LAN-Passwort.

Steine aus Pirna könnten Striezelmarkt schützen

Steine aus Pirna könnten Striezelmarkt schützen

Pirnas Sandsteinwerker wollen den Dresdner Striezelmarkt mit Rohblöcken beschützen. Nimmt die Landeshauptstadt das Angebot an?

Der Striezelmarkt knipst das Licht an

Der Striezelmarkt knipst das Licht an

Kommenden Mittwoch geht es los. Am Freitagnachmittag wurde schon mal geprobt. Das sind die ersten Eindrücke vom 585. Dresdner Striezelmarkt.

Striezelmarktschutz: Die Stadt mauert

Striezelmarktschutz: Die Stadt mauert

Der Streit um die Sicherheit auf dem Weihnachtsmarkt in Dresden geht in die nächste Runde.

Riesen Hickhack um Striezelmarktschutz

Riesen Hickhack um Striezelmarktschutz

Dresdens Stadträte schieben die Sicherheit des Weihnachtsmarktes auf die lange Bank. Wie es nun weitergeht.