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Zusammen ein Dreivierteljahrhundert jung

Schalmeienkapelle und Njepilahofverein feierten in Rohne gemeinsam ihre Jubiläen.

Verdienstvolle Mitglieder der Schalmeienkapelle wurden geehrt. Ob da ganz rechts eine künftige Nachwuchsmusikerin von Schalmeienklang träumt?
Verdienstvolle Mitglieder der Schalmeienkapelle wurden geehrt. Ob da ganz rechts eine künftige Nachwuchsmusikerin von Schalmeienklang träumt? © Foto: Jost Schmidtchen

Von Jost Schmidtchen

Rohne. Es gab auf dem Njepilahof Rohne doppelt Grund zum Gratulieren: Die Schalmeienkapelle wurde 55 Jahre, der Njepilahofverein 20 Jahre alt. Das Doppeljubiläum stand lange auf dem Zettel: Schließlich hat die Schalmeienkapelle auch den Njepilahofverein seit Anbeginn unterstützt. 

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Beide Vereine sind im Dorf beliebt und werden von vielen Helfern unterstützt. Das wurde zur gemeinsamen Festveranstaltung mehrfach hervorgehoben. Der Einladung gefolgt waren neben Bürgermeister Reinhard Bork, Ortsvorsteher Matthias Jainsch und Altbürgermeister Hans Hascha auch Gemeindevertreter, Gäste der beiden Schleifer Schulen, der „Witaj“-Kita „Milenka“, des Bergbau-Unternehmens Leag, der Freiwilligen Feuerwehr Rohne und weitere Gratulanten aus den umliegenden Dörfern.

Viele Meilensteine galt’s zu setzen

Manfred Nickel, Vorsitzender des Njepilahofvereins e. V., erinnerte in seiner Festrede an die Meilensteine, die zum Wiederaufbau des Njepilahofes gemeistert werden mussten: Die aufwendigen Verhandlungen mit 30 Erben Njepilas, die einvernehmlich beendet werden konnten, bewahrten den Njepilahof vor dem Verfall. Zehn Gründungsmitglieder waren es, die im Mai 1999 den Verein gründeten. Die Ziele für die Zukunft wurden in der Vereinssatzung beschlossen. Sie betrafen den Erhalt des Njepilahofes, die Bewahrung des sorbischen Brauchtums und das Aufzeigen des bäuerlichen und ländlichen Lebens und Schaffens von einst. Später kam der Erhalt der Schleifer sorbischen Sprache hinzu.

Bis 2006 blieb die Hauptaufgabe des Vereins die Rekonstruktion der Hofanlage. Allein war diese Aufgabe nicht zu meistern. Verbündete waren zu damaliger Zeit die Gemeinde Schleife mit Altbürgermeister Hans Hascha, Leag-Vorgänger Vattenfall sowie Konstruktions- und Planungsbüros der Region. Das Anwesen des Halbbauern Hanzo Njepila erfuhr eine totale Neugestaltung – damals noch unter dem schwebenden Damoklesschwert der zu erwartenden Abbaggerung, die nun allerdings Geschichte ist. Wäre es so gekommen, hätte der Bergbaubetreiber den Njepilahof umsetzen müssen. Doch fremdes Land ist kein Heimatland. Nun ist das glücklicherweise kein Thema mehr.

Der Njepilahof schrieb in seinen 20 Jahren einige Kapitel Heimatgeschichte. Ende September folgt das 20. Hoffest. Bei den vorangegangenen 19 wurden immer wieder und ohne Wiederholung sorbisches Brauchtum, die Schleifer sorbischen Trachten, die Schleifer sorbische Sprache des Hanzo Njepila und die „Witaj“-Kita vorgestellt. Dazu, und das ist das Anliegen des geschützten Vereinslogos „Kak to jo bylo“ („Wie es einmal war“), kamen auch die befreundeten Partner aus Polen und Tschechien immer wieder auf den Njepilahof. Gemeinsamkeit verbindet.

Dieter Graul leitet heute die Schalmeienkapelle. Mit Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Rohne gründete sich auch ein Spielmannszug wieder, den die Nazis 1939 verboten. 1950 wurde er neu ins Leben gerufen. 1964 folgte die Schalmeienkapelle. Dieter Graul erinnerte in seinem Rückblick an alle seine Vorgänger und daran, dass die Auftritte der Schalmeienkapelle stets große Zustimmung fanden. Bis heute ist es so, auch wenn von einst 40 Spielleuten heute nur noch elf plus drei Ehrenmitgliedern übrig geblieben sind. Aber die machen wirklich richtige Musik – vom Militärmarsch bis zum modernen Schlager. Die ersten Instrumente kosteten zu DDR-Zeiten etwa 250 Mark der DDR, heute ist unter 1 800 Euro keine Schalmei mehr erhältlich. In der DDR wurden Schalmeienkapellen gefördert, vor allem mit Notenmaterial.

Die Schalmeienkapelle Rohne spielte zu vielen Anlässen, auch zu den sorbischen Festivals in der ganzen Lausitz. Der 1. Mai und der 7. Oktober waren stets Pflichtveranstaltungen. 1990 folgte die Gründung des e. V. Das erste Konzert folgte dann 1991 zu Himmelfahrt, bis heute ist es Tradition.

Nun feierten alle am letzten Wochenende gemeinsam. Es gab dazu viele Gratulationen an die Schalmeienkapelle: von den Domowina-Ortsgruppen aus den Nachbardörfern, der befreundeten Vereine und der Freiwilligen Feuerwehr Rohne und auch von Bürgermeister Reinhard Bork und vom Ortsvorsteher Matthias Jainsch.

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