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Zuschläge für Ärzte, die aufs Land gehen

Tagesgesprächmit Gottfried Soukup

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Eine Ihrer Forderungen ist die Einstellung eines Arztes für Geriatrie. Warum ist er so wichtig?

Grundsätzlich sollte Rehabilitation vor Pflege stehen. Ein Geriater ist ein in der Altersmedizin ausgebildeter Arzt und kann beratend wirken. Seit Jahren sind sich die Experten einig, dass ältere Menschen individuelle Dosierungen von Medikamenten bedürfen. Psychopharmaka und Herzmittel werden oft überdosiert, bei manchen psychischen Alterserkrankungen sollten nur 30 Prozent der üblichen Dosis verabreicht werden.

Eine geriatrische Abteilung ist ja nichts Neues in Zittau.

Ja. Vor der Wende gab es eine geriatrische Abteilung im Watzdorfheim in Zittau. Dessen Leiter, Dr. Grieger, ermöglichte es mir, dass ich jahrelang an der Charite einen Sommerkurs zur Altersmedizin besuchen konnte. Darauf muss wieder das Augenmerk gelegt werden.

Der Landkreis beschäftigt sich ja gerade mit den Folgen der demografischen Entwicklung.

Ja. Frau Ließner vom IBZ ist in der Studie zur demografischen Entwicklung bemüht. Die letzte Fassung liegt uns aber noch nicht vor. In meinen Augen können wir der Entwicklung nur entgegenwirken, wenn wir der Jugend wieder eine Heimat geben. Ein japanisches Sprichwort sagt: „Die größte Kulturleistung eines Volkes sind zufriedene Alte.“ Ich möchte dies um die Aussage „und der Jugend eine berufliche und familiäre Perspektive in der Oberlausitz“ ergänzen. Jugendliche kommen aber nur zurück, wenn sie hier Arbeit haben. In der Frage der wirtschaftlichen Investitionen wurde die Oberlausitz bisher sträflich vernachlässigt.

Die Realität im Kreis sieht doch anders aus. Die Zahl der älteren Leute steigt von Jahr zu Jahr.

Durchaus. Wenn die Prozentzahl der Überalterung weiter zunimmt, müssen wir an Dinge denken, die noch nicht ausreichen. Dies betrifft dann z.B. die dünne Arztdecke auf dem Land. Der Gesetzgeber hat jetzt die Altersbegrenzung von 68 Jahre für niedergelassene Ärzte aufgehoben. Eine Lösung wäre auch der Aufbau von Ärztezentren.

Solche Zentren sind doch nur realistisch für größere Gemeinden wie Zittau oder Löbau?

Es kann demnächst über Zweigstellen funktionieren. Dass z.B. ein Arzt aus Zittau Sprechstunden in einer verwaisten Praxis anbietet. Das ist eine unternehmerische Frage, dem Arzt kostet dies auch Geld. Als ich 1969 nach dem Studium nach Zittau kam, war die allgemeinärztliche Versorgung katastrophal. Damals gab es Zuschläge für Ärzte, die aufs Land gingen. Gleiches muss jetzt wieder passieren.

Gespräch: Jan Lange

Der Kreisseniorenrat ist jeden Dienstag von 9.00 - 10.30 Uhr im Landratsamt zu erreichen (03583/720)