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Zuschuss für Zahnersatz steigt

Wer mit der Behandlung noch etwas wartet, kann viel Geld sparen. Verbraucherschützer haben nachgerechnet.

Wenn der Zahn wehtut, kann das auch den Geldbeutel schmerzen.
Wenn der Zahn wehtut, kann das auch den Geldbeutel schmerzen. © Markus Scholz/dpa

Eine neue Krone, eine Brücke, eine Prothese: Wenn der Schaden am Zahn so groß ist, dass eine Füllung nicht mehr reicht, ist Ersatz nötig – und der kann richtig ins Geld gehen. Zwar beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen an den Kosten, allerdings nur bis zu einer bestimmten Höhe. Je nach Art und Umfang des Zahnersatzes kann sich der Eigenanteil der Patienten dann auf mehrere hundert oder tausend Euro summieren.

Die gute Nachricht: Ab 1. Oktober steigt der Festzuschuss der Krankenkasse für Zahnersatz von 50 auf 60 Prozent. Wer regelmäßig zur Kontrolle beim Zahnarzt war und sein Bonusheft mindestens fünf Jahre geführt hat, bekommt künftig 65 Prozent erstattet – und nach zehn Jahren sogar 75 Prozent. So hat es der Bundestag bereits im vergangenen Jahr im Rahmen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes beschlossen.

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Zuschuss nur für Regelversorgung

Den sogenannten Festzuschuss gibt es allerdings grundsätzlich nur für die Regelversorgung. Sie gilt als angemessene Behandlung und muss laut Sozialgesetzbuch ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Wer mehr will, beispielsweise Keramik im nicht sichtbaren Bereich oder Goldinlay, muss dafür die Mehrkosten aus eigener Tasche zahlen. Auch für ein Zahnimplantat und die Implantat-OP müssen Versicherte selbst aufkommen. Einen Zuschuss gibt es lediglich für den Zahnersatz, der auf dem Implantat sitzt.

Die Verbraucherzentrale NRW hat ausgerechnet, wie viel Geld Patienten demnächst sparen. Eine Brücke für einen fehlenden Zahn im Seitenzahnbereich schlägt demnach bei der Regelversorgung aus Nicht-Edelmetall mit rund 750 Euro zu Buche. Ab Oktober steigt der Zuschuss von 375 auf 450 Euro, mit Bonusheft auf bis zu 562 Euro (Beträge gerundet). Das ergibt im konkreten Fall eine zusätzliche Ersparnis von 75 Euro. Bei einer Krone sind es immerhin noch 32 Euro. „Es kann sich also durchaus lohnen, mit einer Behandlung bis Oktober zu warten“, sagt Tanja Wolf, Referentin bei der Verbraucherzentrale.

Noch weitgehend unbekannt

Bei den Patienten sei die Erhöhung des Zuschusses bisher kaum bekannt, sagt Dr. Holger Weißig. Er ist Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen und betreibt mit Sohn und Schwiegertochter eine Zahnarztpraxis in Gaußig bei Bautzen. „Wenn wir für jemanden einen Zahnersatz planen, weisen wir natürlich auf die Änderung hin“, sagt er. Eine Verschiebung der Behandlung mache aber nur Sinn, wenn es sich nicht um einen akuten Fall handelt und die Ersparnis spürbar ist. Für Geringverdiener sei das Thema ohnehin uninteressant: „Sie erhalten auf Antrag die Regelversorgung ganz ohne Zuzahlung.“

Dass Behandlungen aus finanziellen Gründen aufgeschoben werden, sei für die Zahnärzte im Übrigen nichts Neues. Manchmal könnten es sich Patienten einfach nicht leisten, auf einen Schlag mehrere Tausend Euro zu zahlen. Außerdem steigen alljährlich die Kosten für die Regelversorgung und damit auch Festzuschüsse der Kassen – in der Regel um zwei bis drei Prozent. Auch deshalb empfehle er gelegentlich, eine teure Behandlung zu verlegen. „Sofern das medizinisch vertretbar ist“, betont der Zahnarzt. Entscheidend für die Gewährung des höheren Zuschusses sei stets der Termin, an dem die Kasse den Heil- und Kostenplan bestätigt.

Gute Beratung zahlt sich aus

Die Verbraucherschützer empfehlen, sich vor der Behandlung ausführlich zu erkundigen. Zahnärzte seien verpflichtet, über alle Alternativen aufzuklären – auch über die kostengünstige Regelversorgung. Wolf: „Die Regelversorgung wird stets wissenschaftlich überprüft und ist keinesfalls minderwertig.“ So ist Metall stabiler und haltbarer als Keramik und deshalb als Kassenleistung eingestuft.

Ungeachtet dessen entscheiden sich viele Patienten – vor allem aus kosmetischen Gründen – für eine teurere Versorgung. An den Mehrkosten beteiligt sich die Kasse allerdings nicht, und entsprechend hoch ist Eigenanteil. Um bei dem bereits genannten Beispiel zu bleiben: Eine Brücke aus Keramik koste statt 750 rund 1.500 Euro, ein Implantat sogar 3.500, so die Verbraucherschützer. Der höhere Festzuschuss ab Oktober mindert den Eigenanteil zwar auch hier, aber eben nur in Bezug auf den Preis für die Regelversorgung.

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Eine Reihe von gesetzlichen Krankenkassen bieten ihren Versicherten auch „Zahnersatz zum Nulltarif“ an. Der ist aber stets an Bedingungen geknüpft, etwa an den Abschluss einer Zusatzversicherung oder den Besuch ausgewählter Zahnärzte.

www.kostenfalle-zahn.de

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