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Zwangsgutscheine statt Rückzahlung

Ein am Mittwoch beschlossener Kompromiss soll Veranstaltern wie Verbrauchern helfen. Doch das sehen nicht alle so.

© dpa (Symbolbild)

Von Theresa Münch

Theaterabos, Fitnessstudio-Verträge und die Fußball-Dauerkarte – das alles bleibt wegen der Corona-Pandemie ungenutzt. Viele hätten das Geld gern zurück. Doch erst mal soll es nur Gutscheine geben.

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Was hat das Kabinett am Mittwoch genau beschlossen?

Zunächst eine Lösung für abgesagte Kultur- und Sportveranstaltungen. Gutscheine soll es demnach nicht nur geben, wenn man ein Ticket für ein Konzert oder ein Fußballspiel hatte, sondern auch für Sprach- und Sportkurse, bei Fitnessstudio-Verträgen und Opernabos. Gleiches gilt bei Saisonkarten für Schwimmbad, Freizeitpark oder Museen und bei Dauerkarten, etwa für die Fußball-Bundesliga oder Handballspiele. Einzige Voraussetzung: Man muss die Tickets vor dem 8. März gekauft haben.

Zwar plant die Bundesregierung auch für Pauschalreisen und gebuchte Flüge eine solche Gutschein-Lösung. Doch dafür gilt EU-Recht. Einer Gutscheinlösung müsste also erst die EU-Kommission zustimmen.

Wie kann ich den Gutschein einlösen?

Das geht natürlich erst, wenn das öffentliche Leben wieder läuft. Man muss dann aber nicht das erstbeste Angebot annehmen oder unbedingt die Nachholveranstaltung des eigentlichen Termins besuchen. Die Gutscheine sollen bis Ende 2021 gelten und können so etwa auch für Fußballspiele gegen andere Teams oder Konzerte anderer Künstler beim gleichen Veranstalter eingelöst werden. Die Bundesregierung will die Veranstalter auch ermutigen, großzügig Rabatte zu geben, wenn jemand seinen Gutschein einsetzt.

Und wenn ich den Gutschein nicht einlösen möchte?

Dann kann man einfach abwarten. Anfang 2022 sollen die Veranstalter den vollen Wert nicht genutzter Gutscheine auszahlen müssen.

Was ist mit Bürgern, die jetzt dringend Geld brauchen?

Dafür gibt es eine Härtefallregelung: Wenn ein Kunde glaubhaft versichern kann, dass er sonst etwa seine Miete oder dringende Einkäufe nicht mehr zahlen kann, soll er das Geld schon jetzt zurückbekommen.

Warum sind die Gutscheine wichtig?

Die Bundesregierung argumentiert, sie seien gut für Verbraucher und Veranstalter zugleich. Wegen der Corona-Pandemie sind gerade fast alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt, bei Konzertveranstaltern, Fußballvereinen und Freizeitparks kommt also kein Geld rein. 

Wenn sie jetzt auch noch alle zuvor gekauften Tickets erstatten müssten, droht vielen die Pleite. Die Branche mit vielen Tausend Arbeitsplätzen gerate in Existenznot. Die Vielfalt der Kultur- und Freizeitangebote wäre ernsthaft bedroht. Zugleich stünden viele Verbraucher bei einer Pleitewelle mit leeren Händen da. Durch die Lösung der Bundesregierung hätten sie immerhin einen Gutschein.

Was sagen Verbraucherschützer?

So einfach sei die Lage nicht, meinen sie. Das Risiko werde trotzdem auf Verbraucher abgewälzt, denn die Gutscheine seien nicht abgesichert. „Sollte ein Anbieter Pleite gehen, bleiben Verbraucher vermutlich auf den Kosten sitzen“, erklärt der Verbraucherzentrale Bundesverband. 

Zudem gebe es ein Preissteigerungsrisiko: Tickets für Nachholkonzerte könnten teurer werden, weil die Miete für den Veranstaltungsort höher ausfällt. Dass die Verbraucher den Unterschied selbst tragen müssten, sei nicht hinnehmbar. Gutscheine, betont der Verband, dürften nur freiwillig sein.

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Wie geht es jetzt weiter?

Formal hat das Kabinett nur eine Formulierung für einen Gesetzentwurf vorgeschlagen. Die Fraktionen sollen das Gesetz selbst in den Bundestag einbringen, weil es dann schneller beschlossen werden kann. Die nächste Sitzung ist Ende April. (dpa)

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