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Zwangspause für Boote auf dem Senftenberger See

Auf dem gefluteten Ex-Tagebau dürfen im April keine Boote fahren. Eine Ausnahme gibt es.

© LMBV/Peter Radke

Von Tilo Berger

Senftenberg. Eigentlich beginnt mit dem langen Osterwochenende alljährlich die Saison auf dem Senftenberger See. Doch in diesem Jahr schippern bisher weder Segel- noch Motorboote über den gefluteten Ex-Braunkohletagebau. Die einzigen Schiffe, die derzeit hier fahren dürfen, gehören der Reederei von Marianne Löwa. Doch ihre beiden Fahrgastschiffe sind im April nur an den Wochenenden unterwegs. So richtig los geht es für die „Santa Barbara“ und die „Aqua Phönix“ erst im Mai.

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Dann sollen auch wieder Boote fahren dürfen. Vorerst müssen sich Wassersportfreunde mit einer kurzen Meldung auf der Internetseite des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland begnügen: „Durch das Fehlen der verkehrsgerechten Betonnung des geotechnischen Sperrbereichs um die Insel und einer Vielzahl von Untiefen im Senftenberger See kann die Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt nicht gewährt werden.“ Anders gesagt: Es fehlen Bojen.

Für mehr Informationen verweist der Tourismusverband an das brandenburgische Landesamt für Bauen und Verkehr in Hoppegarten. Dessen Pressesprecherin Birgit Schuster bestätigt, dass das Amt den See gesperrt hat – auf Antrag eines anderen Landesamtes, das für Umwelt zuständig ist. Dieses Amt müsse auch die derzeit fehlenden Bojen auf den See bringen. Aber erst, wenn die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) den Untergrund des Senftenberger Sees wieder bootstauglich hergerichtet hat.

LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber erinnert ans Ende der 1960er Jahre, als der ausgekohlte Tagebau Niemtsch geflutet wurde. Als das Wasser stieg, blieb eine Insel zurück. Ihre ausgefranste Gestalt ist bis heute das Erbe der einstigen Abraumförderbrücke. Und weil die sogenannten Schütt-Rippen nie verdichtet wurden, steht die Insel noch immer unter Bergaufsicht. Wind und Wellen haben die Rippen über die Jahrzehnte verändert und auch unter der Wasseroberfläche Untiefen geschaffen. Diese wollte die LMBV eigentlich vor Beginn der Wassersportsaison 2018 beseitigen. Doch bevor die Sanierer loslegen konnten, meldete die Naturschutzbehörde Bedenken an. Die LMBV muss daraufhin den Einsatz ihres Schwimmbaggers noch einmal umplanen. „Zeitnah“ werde der Bagger nicht in See stechen können, erklärt Steinhuber. Damit es dennoch in diesem Jahr Wassersport auf dem Senftenberger See geben kann, sollen „so schnell wie möglich die Bojen in den aktuell vorgegebenen Grenzen“ aufs Wasser kommen. „Die abzutonnenden Grenzen berücksichtigen die derzeit noch vorhandenen Untiefen.“ Steinhuber geht davon aus, dass dies bis Ende April erfolgt – durch das dafür zuständige Landesamt für Umwelt. Das Amt ließ gestern eine entsprechende Anfrage der SZ unbeantwortet.

Unterdessen wächst außerhalb der Amtsstuben der Verdruss. Steffen Johne, der Leiter des Senftenberger Hafencamps, findet die Situation „für alle Gäste ärgerlich, die im April ihr eigenes Boot an den Senftenberger See bringen und nicht rausfahren dürfen“. Kurzurlauber hätten im Voraus Bootstouren gebucht – jetzt werden ihnen als Alternative Ausflüge in der Region angeboten. Für Bootsvermieter geht es richtig ins Geld, da ihnen die Einnahmen eines ganzen Monats entgehen. „Bei sieben Monaten Saison ist das für die Unternehmer ein herber Verlust“, sagt Johne.