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Zwangspause für einen Gurtmuffel

Das Bundesamt für Güterverkehr kontrollierte jetzt Lkw in der Oberlausitz– zum Ärger manchen Brummi-Fahrers.

Von Matthias Klaus

Die Kontrolle hatte sich Adam P. mit Sicherheit entspannter vorgestellt. Papiere zeigen, ein bisschen warten, dann weiter. Doch nun muss er runter vom Bock, die Plane seines Brummis öffnen. „Seite auch, Chef?“, fragt der Lkw-Fahrer aus Polen. Uwe Rudolph nickt. „Oha“, sagt er kurze Zeit später. Und: „Sieht ja nicht besonders gut aus.“ 24 Tonnen Rippenplatten, schwere Stahlteile, verteilt auf mehrere Paletten, hat Adam P. auf seinem Laster. „Aber keine Anti-Rutschmatten, pro Palette nur ein Spanngurt. Na, ich geh mal rechnen“, sagt Rudolph und verschwindet in einem Transporter.

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Wenn ein Gurt da ist, sollte man ihn auch anlegen: BAG-Kontrolleur Uwe Rudolph an einem polnischen Lkw.Foto: Matthias Klaus
Wenn ein Gurt da ist, sollte man ihn auch anlegen: BAG-Kontrolleur Uwe Rudolph an einem polnischen Lkw.Foto: Matthias Klaus

Der Hainewalder ist als Kontrolleur des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) im Einsatz. Seit knapp 20 Jahren macht er den Job. Die Behörde ist für das Güter-Verkehrswesen in Deutschland zuständig. Ihr Sitz ist in Köln, eine der Außenstellen befindet sich in Dresden. Die organisiert unter anderem die Kontrollen auf Fernstraßen in Sachse. „Wir sind hier in der Region bis nach Südbrandenburg unterwegs“, schildert Marian Lehnigk. Er ist der Leiter des hiesigen Kontrolltrupps. Acht Kollegen gehören dazu. Sie kommen aus der Gegend, etwa aus Zittau, Görlitz.

Heute winken die Kontrolleure Lkw von der Autobahn auf den Parkplatz Löbauer Wasser bei Weißenberg. Ab 2,8 Tonnen Gewicht ist das BAG zuständig, bei Gefahrguttransportern auch für leichtere Fahrzeuge. „Wir beschäftigen uns als einzige Behörde tagtäglich ausschließlich mit der Kontrolle von Lkw“, sagt Lehnigk. Ob Technik wie Beleuchtung und Bremsen, Fahrzeugbriefe, manipulierte Aufzeichnungsgeräte, die richtige Kennzeichnung von Gefahrgut- und Abfalllastern und eben die Ladung – die BAG-Experten achten auf viele Details.

Und manchmal hilft das Bauchgefühl. So wie bei Uwe Rudolph. „Vier Tonnen der Ladung müssen noch gesichert werden“, sagt er und zeigt einen Computerausdruck. Ein spezielles Programm, in dem unter anderem das Gewicht der Ladung und die Art der Sicherung eingegeben wird, hat seinen ersten Eindruck bestätigt. „Die Reise ist für ihn erst einmal zu Ende. Ich untersage die Weiterfahrt. Dann ist es Sache des Fahrers, wie er die Ladung sicherer macht“, so der Kontrolleur. Auf Polnisch macht er Adam P. die Sachlage klar. Müssen BAG-Kontrolleure zum Sprachkurs? „Nein“, sagt Kontrollleiter Lehnigk schmunzelnd. „Aber wir standen früher sehr viel an Grenzübergängen. Im Laufe der Jahre lernt man da schon ein bisschen Polnisch.“ Wobei, betont er, Amtssprache ist Deutsch. Fahrer Adam P. kramt derweil im Lkw und befördert nagelneue Spanngurte ans Licht. Mit einem leisen Seufzer macht er sich daran, damit die Ladung zusätzlich zu verzurren. „Geht doch“, sagt Uwe Rudolph. „Wahrscheinlich können wir ihm so die Anti-Rutschmatten ersparen.“

Ladungssicherung kostet die Transportunternehmer Zeit und Geld, weiß Marian Lehnigk. Nicht alles kann mit Gurten festgeschnallt werden. Bei empfindlicheren Dingen, wie Kartons etwa, kann es beispielsweise auch ein Netz sein. „Das muss sich der Unternehmer dann erst einmal zulegen“, so Lehnigk. Uwe Rudolph hat während seiner BAG-Laufbahn schon gefährliche Transporte gesehen. Etwa den Fahrer aus Weißrussland, der seinen Planen-Lkw voller Schrott geladen hatte. „Wenn da die Plane reißt und sich das Zeug verteilt, möchte ich nicht auf der Autobahn sein“, sagt Rudolph. Er schaut sich derweil die Frachtpapiere des polnischen Transporters an. Die Stahlplatten kommen aus Polen, Ziel ist die Schweiz. Aber es gibt eine Art deutschen Zwischenhändler. „Warenveredelung. Aus polnischem Material wird deutsches“, kommentiert Rudolph. Für seinen Kollegen Lehnigk und ihn keine Überraschung. „Das erleben wir sehr häufig“, sagt der Leiter der Kontrolle. Nebenan wird derweil ein Gefahrguttransporter unter die Lupe genommen. Der Fahrer zeigt, dass der Lkw technisch o. k. ist, dann geht es an die Kontrolle der Kennzeichnung, der Frachtpapiere. „Die Dauer einer Kontrolle kann sehr unterschiedlich sein. Von ein paar Minuten bis zu Tagen“, sagt Lehnigk. Wenn zum Beispiel überladene Holztransporter entladen werden müssen, dauere das schon eine Weile. Der 57-jährige Adam P. hat inzwischen seine Paletten korrekt festgezurrt. Uwe Rudolph präsentiert ihm die Rechnung: ein Bußgeld über 88,50 Euro. Der Mann aus Polen zückt ohne zu Murren seine Brieftasche und zahlt in bar. 15 Tage soll er nun die Bescheinigung in seinem Auto griffbereit haben  – falls er in eine weitere Kontrolle gerät. Adam P. startet den Motor und rollt vom Parkplatz.

Lehnigk und Kollegen machen jetzt Mittagspause. Nachmittag stehen mobile Kontrollen an. Mindestens acht Stunden sind die Männer pro Tag auf den Straßen der Gegend unterwegs. „Das ist unser Job – Sommer wie Winter“, sagt der Leiter.

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