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Bangen ums Handwerkerfest

Die Eröffnung des Handwerkermuseums in Schleinitz ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Verein hat noch andere Sorgen.

Dresch- und Handwerkertag im September 2019 . Er ist der Höhepunkt der Vereinsarbeit.
Dresch- und Handwerkertag im September 2019 . Er ist der Höhepunkt der Vereinsarbeit. © Gerhard Schlechte

Nossen. Das hat Tradition seit mehr als 25 Jahren. Im April, meist am Ostersonntag, öffnete nach der Winterpause das Handwerkermuseum in Schleinitz. Jeden Sonntag können dann von diesem Zeitpunkt an immer von 13 bis 18 Uhr Besucher alte Handwerkskunst bestaunen. Viele Wochen vorher treffen sich Vereinsmitglieder jeden Mittwoch, um die Saison vorzubereiten. Doch in diesem Jahr ist alles anders.  

"Durch die Corona-Krise können wir schon seit rund vier Wochen nicht mehr zusammenkommen", sagt Hartmut Oefner vom Förderverein Museum Schloss Schleinitz.  Die Museumseröffnung, die für den 5. April geplant war,  ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Vereinsmitglieder, ein Großteil ist weit jenseits der 70, gelten als Hochrisikogruppe. "Wir können nur abwarten. Für dieses Jahr war geplant, Ausstellungen neu zu gestalten. Das fällt nun erstmal aus", so der Lommatzscher.  

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Was ausfällt, sind auch die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern, auf die der Verein zwingend angewiesen ist. Vor allem bangen die Handwerker um ihren Saisonhöhepunkt, das Handwerker- und Dreschfest. Das ist zwar wie stets erst für Anfang September geplant, dennoch ist die Ungewissheit groß.  

Doch den Verein plagen noch ganz andere Sorgen.  Die Stadt Nossen, die seit der Eingemeindung von Leuben-Schleinitz Eigentümer des Schlosses geworden ist,  will dieses  nun für zwei Millionen Euro verkaufen, die Ausschreibungsfrist läuft noch bis Ende April. Nicht nur das Schloss, sondern alle Nebengebäude sollen veräußert werden. Betroffen wäre also auch das Handwerkermuseum. Die Verunsicherung ist groß. Von den Verkaufsplänen hatten die Handwerker aus der Zeitung erfahren. Sie fürchten, dass ein neuer Besitzer den Mietvertrag auslaufen lässt oder einen sehr hohen Mietzins fordert, den der Verein nicht zahlen könnte.

Das Schloss wurde von der damaligen Gemeinde Leuben-Schleinitz in den 1990er Jahren mit Millionen Fördermitteln aufwendig saniert. Aus der Ruine wurde ein Glanzstück.   Doch die Betreiber wechselten immer wieder mit der Begründung, das Haus sei nicht wirtschaftlich zu betreiben. Nicht nur die Lage von Schleinitz und die schlechte Erreichbarkeit wurden als Gründe angeführt, sondern auch die Tatsache, dass es im Schloss viel zu wenige Übernachtungsmöglichkeiten gibt.

Hartmut Oefner und seine Mitstreiter vom Förderverein Museum Schloss Schleinitz sind zum Nichtstun verdammt.
Hartmut Oefner und seine Mitstreiter vom Förderverein Museum Schloss Schleinitz sind zum Nichtstun verdammt. ©  Archivfoto: Claudia Hübschmann

Doch es ist Rettung in Sicht. Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet, will eine Stiftung ins Leben rufen, um das Schloss als öffentlich zugängliches Kulturgut zu erhalten. So könnte ein Verkauf verhindert werden. "Der Stadtrat von Nossen hat einstimmig zugestimmt, dass eine derartige Stiftung gegründet werden kann", so Hartmut Oefner. Diese Stiftung solle das Schloss dann finanziell selbstständig betreiben und gestalten. Nur mit einer solchen gemeinnützigen Stiftung, die ein tragfähiges wirtschaftliches Nutzungskonzept vorlege und umsetze, könne eine Privatisierung aufgehalten werden, hofft nicht nur er.

Überlegungen, wie das Schloss und das Ensemble wirtschaftlich genutzt werden könnten, gibt es viele. Neben einer Herberge und einem Hotel ist auch altersgerechtes und betreutes Wohnen denkbar oder ein Pflegeheim. Auch ein Bauernladen für landwirtschaftliche Produkte, ein landwirtschaftliches Kompetenzzentrum könnten geschaffen werden. Die Schlossgastronomie könnte ausgebaut, das Hotel mit Gästen aus Busreisen nach Dresden oder Meißen gefüllt werden. Geschichtsinteressierte sollen nicht nur zur Übernachtung nach Schleinitz gebracht werden, sondern auch, um das ländliche Flair zu genießen.

Dies alles macht den Vereinsmitgliedern Mut. Durch den gepanten Schlossverkauf und die Coronakrise sind sie gleich doppelt betroffen. Doch ihren Mut und ihre Entschlossenheit haben sie nicht verloren. "Wir machen trotz allem weiter", versichert Hartmut Oefner. Derzeit werden Vorstandswahlen im Verein durchgeführt, wegen der Coronakrise per Briefwahl. Und dem Verein gelang es, vier neue, jüngere Mitglieder zu gewinnen. Einige von ihnen hätten die Bereitschaft gezeigt, im Vorstand mitzuarbeiten.  

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