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Zwei Frauen erobern Männerdomäne

Die Wahlgörlitzerinnen beweisen, dass Damen als DJ gute Musik auflegen können.

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Von Jenny Thümmler

Auf den ersten Blick könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Die eine mit dunkler Sonnenbrille, nach hinten gekämmten Haaren, die an den Seiten kurz rasiert sind, schwarzem Lippenstift. Die andere mit Hochsteckfrisur, offenem Blick, roten Lippen. Doch auf den zweiten Blick verbindet die beiden Frau vieles: ihre Musik, ihre Leidenschaft, ihr Hobby. Misonido und Melanie eN sind DJanes. Das heißt, als weibliche Discjockeys sorgen sie für Musik auf Partys. Sie sind bis heute Ausnahmen in einer Branche, die stark von Männern dominiert wird. Selbst den Begriff DJane kennen nur wenige. Die beiden machen sich daraus jedoch gar nichts. Jetzt erst recht, könnte man fast sagen. Ausgerechnet zum Weltfrauentag am Sonnabend legen sie zum ersten Mal gemeinsam auf: bei einer Party im Jugendklub Basta. „Man muss den Frauentag ja nicht bieder gestalten“, sagt Misonido, „und zu uns passt der Tag einfach.“

Ihre wahren Namen wollen die jungen Frauen nicht verraten, ihr Alter erst recht nicht. Ihnen geht es nur um ihre Musik. Damit wollen sie begeistern und bekannt sein. Misonido – deren DJ-Name aus dem Spanischen stammt und „Mein Klang“ bedeutet – steht für Electropunk, -pop und -rock. Künstler wie der verstorbene Falco und die kanadische Electroclash-Sängerin Peaches inspirieren sie. Melanie eN, ebenfalls zur schwarzen Szene gehörig, sieht sich selbst eher von Gitarrenmusik geprägt und erwähnt den Post-Punk und die 1980er Jahre. Beide mischen fertige Musiktitel nicht ineinander, wie es von Hip-Hop- oder Techno-DJs bekannt ist, sondern lassen jedem Lied seinen Raum. Oder wie es Misonido formuliert: „Wir kreieren nicht, sondern verbreiten Kunst von Künstlern.“ Eine düster-fröhliche Tanzmusik soll es am Ende werden, wie sie es nennen.

Beide Frauen sind Wahlgörlitzerinnen. Misonido stammt aus Bayern, hat hier einst Kultur und Management studiert und ist vor einem halben Jahr aus Berlin wieder an die Neiße zurückgekehrt. „Der Draht nach Görlitz ist nie abgebrochen. Ich bleibe jetzt erst mal und sehe, wohin es mich treibt.“ Melanie eN kommt aus der Nähe von Stendal und studiert an der Hochschule Soziale Arbeit. Sie wartet ab, was kommt, wenn sie im Herbst ihren Abschluss hat. Beide fühlen sich hier wohl. „Das ist eine lebenswerte Stadt, in der man kulturell schnell etwas auf die Beine stellen kann“, sagt Melanie. Andererseits müsse man eben auch selbst aktiv werden. Misonido beschreibt Görlitz als tatsächlich eine der schönsten Städte Deutschlands. „Die Häuser hier! Ich könnte ewig durch die Stadt laufen und würde immer wieder neue Details entdecken.“ Zudem sei für eine Stadt dieser Größe auffallend viel Kunst zu sehen.

Bislang standen Misonido und Melanie eN noch nie gemeinsam hinter den Plattentellern – die heutzutage meist Laptops oder CD-Spieler sind. Melanie sorgt oft in der Hörbar am Untermarkt für Musik, Misonido gestaltete neulich eine Falco-Party in Görlitz. Die beiden kennen sich erst seit ein paar Monaten, haben aber dieselbe Wellenlänge. Sie freuen sich auf Sonnabend, sind aufgeregt. Und wünschen sich viele Gäste, die dieselbe Musik lieben wie sie selbst, sagt Misonido. „Hinkommen. Hinhören. Tanzen, bis man hin ist.“

Das Konzert „Cemetery Gates“ findet am Sonnabend, um 22 Uhr, im Basta (Hotherstr. 25) statt. Eintritt: 3 Euro.