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Zwei Gesichter einer Stadt

Mit einem Friedensgebet und einer Menschenkette steht die eine Seite für Toleranz. Es gibt aber auch die andere Seite.

Von Anja Weber

Die gesunde Drittelstunde

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Die Sebnitzer Einwohner sind im Zwiespalt. Zwischen ihnen hat sich eine Kluft aufgetan. Das zeigte sich bei den gestrigen Aktionen rund um das Thema Asylpolitik. Zentrale Frage war, wer wird sich welcher Veranstaltung anschließen? Der NPD-Kundgebung auf dem Marktplatz oder dem Friedensgebet und der Menschenkette, mit denen die Stadt ein Zeichen für Toleranz und Mitmenschlichkeit setzen will.

Eine so klare Trennung oder auch Abgrenzung von Meinungen der Einwohner hatte die Stadt bislang so noch nicht erlebt. Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) bezeichnete sich selbst als noch nach den Ursachen suchend. „Ist es ein kommunales Problem, eines von Land oder Bund oder mangelnde Demokratie in der Stadt“, fragte er. Diejenigen, die für Weltoffenheit und gegen Fremdenfeindlichkeit einstehen, waren eindeutig in der Mehrheit, das zeigte auch die Menschenkette am Schluss.

Die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde und die katholische Kirchgemeinde hatten für 19.30 Uhr zu einem gemeinsamen Friedensgebet eingeladen. Die Gläubigen beteten für Frieden in der Welt und für Frieden in der Stadt. „Die Welt ist bunt. Auch Sebnitz ist bunt. Wir können miteinander reden, streiten, aber immer mit Respekt“, sagte der evangelische Pfarrer Joachim Rasch gleich eingangs in seiner Predigt.

Sebnitz stehe zu denen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. Man stehe ein für eine offene und tolerante Stadt, so der Tenor des ökumenischen Friedensgebets. Und es wurde dafür gebetet, dass alle Menschen frei hier leben können, egal, woher sie kommen. Pfarrer Rasch warb um Menschlichkeit, Freundlichkeit und Gelassenheit auch gegenüber Fremden. Und er mahnte mit Blick auf das unvermeidbare Zusammentreffen mit der Kundgebung auf dem Marktplatz. „Bleiben Sie friedlich. Keine Gewalt.“ Vor der Kirche hatten sich bereits Sebnitzer versammelt, um dann nach dem Friedensgebet gemeinsam eine Menschenkette zu bilden.

Sie zündeten Kerzen an und nahmen sie in die Hand, als Zeichen für eine friedliche Gesinnung, als Zeichen für eine Gemeinschaft. Außerdem wurden Schilder mit der Aufschrift „Die Sächsische Schweiz ist bunt“ und für „Ein offenes und tolerantes Sebnitz“ sowie „Flüchtlinge willkommen“ getragen. Die Menschenkette hatte sich recht schnell formiert. Sie reichte letztlich von der Kirche, die Kirchstraße hinab bis zum Modegeschäft auf der unteren Marktseite. Vorbei auch an dem Haus, in dem die jüdische Familie Baruch ihr Geschäft hatte, bevor sie von den Nazis ermordet wurde.

Und da standen sich dann auch die Sebnitzer Bürger mit ihren unterschiedlichen Meinungen und Ansichten über Demokratie und Asylpolitik gegenüber. Denn während sich die Menschenkette formierte, wurde auch noch die Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz abgehalten. Und in Hörweite protestierten auf dem Marktplatz einige unter der Flagge der NPD gegen die Asylpolitik. Darunter Mitglieder, Sympathisanten aus Sebnitz und anderen Orten, auch aus Pirna und Heidenau. Etwa 160 Teilnehmer waren es. Die Kundgebung war von NPD-Stadtrat Hartmut Gliemann angemeldet worden. Der bemühte sich, allen Teilnehmern zu versichern, dass es keine NPD-Kundgebung sei. Vor dem Spaziergang gab es jedoch nur zwei Redner: Hartmut Gliemann und NPD-Stadtrat Dr. Johannes Müller. Ihr zentrales Thema waren die bereits von Pegida bekannten Sprüche wie Überfremdung, fehlende Demokratie.

Eine spannende Szenerie. Denn hier standen sich tatsächlich die zwei Gesichter der Stadt gegenüber. Die Polizei sicherte mit etwa 80 Beamten die Veranstaltungen ab. Nach ersten Erkenntnissen ist es zu keinen Zwischenfällen gekommen.

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