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Die Zwei-Meter-Geschichte

Ein Freitaler sammelt Zollstöcke. Vollständigkeit ist für ihn nicht das Maß aller Dinge.

Von Peter Salzmann

Sein Wohnungsflur gleicht einem Mini-Museum. Nahezu 300 Zollstöcke fallen ins Auge. Das Sammelsurium gehört dem Freitaler Hans Zapf . „Alles begann 1992, als ich auf einer Baustelle von einem Vertreter der Trockenmörtelfirma Sakret eine Schmiege als Werbegeschenk in die Hand gedrückt bekam“, sagt er. Der 48-jährige gelernte Rinderzüchter – jetzt Lagerist in Wilsdruff – erfreut sich an den Zollstöcken, die für ihn Symbol fleißiger Handwerker oder florierenden Gewerbes sind. Da fehlen auch die Brauereien in seiner Sammlung nicht, „Wernersgrüner“ zum Beispiel.

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Im Autohaus Dresden gilt: Wenn Mitarbeiter gute Leistungen zeigen, dürfen sie ihr ganzes Potential entfalten. Da ist so mancher schnelle Aufstieg möglich.

Doch auf den Messgeräten ist nicht nur Werbung zu lesen: Sätze wie „Was nicht passt, wird passend gemacht“, „Wer hat das vermessen?“ oder „Malerei auf laufendem Band“ sind ebenso vertreten wie „Meine Hände niemals ruhn – ständig gibt es was zu tun“, „Ich messe nie daneben“ oder gar „Held der Arbeit“ in Anlehnung eines DDR-Ehrentitels „für besonders verdienstvolle Werktätige“.

Hans Zapf ist sich sicher: „Der Zollstock ist eines der ältesten Handwerkerutensilien, die auf dem Bau und in Werkstätten bis heute nicht wegzudenken sind.“ Der zusammenklappbare Messstab mit Zentimeter und Zolleinteilung gehört zu den praktischsten Erfindungen aller Zeiten, ist leicht und handlich. Er wird in der Schweiz als „Meter“ und im sächsischen Raum als „Schmiege“ bezeichnet. Zapf betreibt die Zollstocksammelei nicht nach System. Er geht auf keine Börse, kauft und tauscht nichts hinzu. „Ich habe Freude an jedem einzelnen Stück“, bekennt er und erzählt, „schon immer Interesse an alten Handwerkszeugen“ gehabt zu haben und „Respekt vor Meistern des Handwerks“.

So hat er eine Stichaxt aus einer alten Lkw-Blattfeder manuell hergestellt, „bei einem Schmied eine alte Biege gesehen und Edelstahlrohlinge mit Dornen verarbeitet.“ Hans Zapf hat viel Interesse an Handwerk und Technik aus DDR-Zeiten. Seine zweite Liebe sind 30 maßstabgerechte Kraftfahrzeugmodelle, deren Prototypen allesamt nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Wiege in den einstigen Ostblockländern hatten und „auf unseren Straßen rollten“, erinnert sich Zapf. Zu jedem Modell hat er eine Kurzbeschreibung, die mit technischen Parametern bekanntmacht.

Nostalgie mit Barkas

„Welcher Jugendliche von heute weiß schon, was ein W50 ist?“, fragt sich Zapf. „Der Framo 501/2 ist der erfolgreichste Allrad-LKW aus Csepel, der liebevoll als ungarischer Volkswagen bezeichnet wird.“ Erinnerungen weckt auch der „Avia A 31“, ein mittelschweres Nutzfahrzeug, das „der Franzose aus der Tschechoslowakei“ genannt worden ist. Dann zeigt Hans Zapf das Modell des mobilen Krans aus Babelsberg: Der „IFA ADK 70“ sei der erfolgreichste Autodrehkran der DDR gewesen. „Zwischen 1976 und 1991 haben 6 740 Fahrzeuge diesen Typs die Werkhallen in der Filmstadt verlassen“, weiß der Modellsammler. Erwähnenswert auch der „Robur LD 3001“ aus Zittau, der „mit einer Vielfalt von Aufbauvarianten punkten konnte.“ Als „Rückgrat der Nachkriegsmotorisierung“ bezeichnet Zapf auf der Basis seiner Dokumentation den „Phänomen Granit 27“, der auf der Frontscheibe mit einem Symbol an den ersten DDR-Fünfjahrplan 1951 bis 1956 erinnert.

„Noch heute sind vereinzelt die Kommunalfahrzeuge Multicar M 25c oder der Barkas B 1000 SMH-3 – ein Rettungsfahrzeug – auf unseren Straßen zu bewundern“, sagt Hans Zapf. Warum die Liebe zu Zollstöcken und Kfz-Modellen? „Es sind Zeitzeugen, die Aufschluss über unsere Geschichte geben“, sagt der Sammler.