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Zwei Millionen Euro für Schutzausrüstung

Auch für eine zweite Corona-Welle ist der Landkreis Mittelsachsen jetzt gerüstet. Gehortet werden kann das Material aber nicht.

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat der Landkreis Mittelsachsen 300.000 Mund-Nasen-Masken und 50.000 FFP2-Masken gekauft. Ewig haltbar sind die aber nicht.
Seit Beginn der Corona-Pandemie hat der Landkreis Mittelsachsen 300.000 Mund-Nasen-Masken und 50.000 FFP2-Masken gekauft. Ewig haltbar sind die aber nicht. © dpa/Ole Spata

Mittelsachsen. Als es brenzlig wurde, war auch im Landkreis Mittelsachsen nicht genügend Schutzausrüstung vorhanden. Fast zwei Millionen Euro mussten aus der Kreiskasse genommen werden, um Mitarbeiter des Rettungsdienstes, der Feuerwehren und des Katastrophenschutzes mit entsprechenden Anzügen und Masken zu versorgen. Auch für die Beschäftigten in Schul- und Bildungswesen, Behörden sowie der Kreisverwaltung musste Mund-Nasen-Schutz organisiert werden.

In einer Eilentscheidung ist dies von Landrat Matthias Damm (CDU) getan worden. Am Mittwoch ist der letzte Teil der Lieferung im Landkreis angekommen. Bestellt worden sind seit Beginn der Corona-Pandemie insgesamt 300.000 Stück Mund-Nasen-Schutz, 50.000 chemische Schutzanzüge, 50.000 FFP2- und 20.000 FFP3-Masken sowie 2.000 Schutzanzüge. 

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Die Ausrüstung ist und war unter anderem für den Rettungsdienst und den Katastrophenschutz bestimmt. Der einfache Mund-Nasen-Schutz ist für die Ausstattung von Schulen und die Einrichtungen des Landkreises nötig.

Unabhängig von großen Lieferanten

Die bestellte Menge wurde am Bedarf orientiert. Eingeflossen ist dabei unter anderem die Zahl der durchschnittlichen Einsätze des Rettungsdienstes.

Bei der Bestellung und Lieferung habe es ähnliche Probleme gegeben, wie überregional in anderen Landkreisen und beim Bund auch. Hohe Preise und lange Wartezeiten. „Wir haben aber eine Lieferstrecke gefunden, bei der wir unabhängig von großen Lieferanten sind“, meint Damm. Der Landkreis habe den Dienst von verschiedenen Lieferanten in Anspruch genommen. Weiter ins Details ging der Landrat diesbezüglich nicht.

Ob sich Mittelsachsen in Sachen Schutzausrüstung zukünftig allein versorgen kann, konnte Damm nicht abschätzen. „Es ist immer mein Interesse, lokal und regional zu sein“, meinte er. Aber das sei immer auch eine Frage der Verfügbarkeit, vor allem bei großen Mengen sowie eine Frage des Preises. Es gelte, einen Mittelweg zu finden.

Der Kreistag des Landkreises Mittelsachsen im Mai 2020 fand am Mittwoch in der Hartharena statt.
Der Kreistag des Landkreises Mittelsachsen im Mai 2020 fand am Mittwoch in der Hartharena statt. © Dietmar Thomas/Archiv

Mit dem Material, welches zunächst zum Teil eingelagert worden ist, sieht Damm den Landkreis zunächst entsprechend gut versorgt. Auch für eine mögliche zweite Welle. Für die nächsten Jahre vorzusorgen, sei jedoch schwierig, macht der Landrat deutlich. Das Problem sei das Verfallsdatum des Materials. „Es kann ein halbes bis ein Jahr genutzt werden“, erklärt er. Danach sei die Sicherheit nicht mehr gewährleistet.

Die zwei Millionen Euro, die für die Schutzausrüstung notwendig gewesen sind, hat der Landrat aus der Rücklage des Kreishaushaltes genommen. Vorerst bleibt Mittelsachsen auf den Kosten sitzen. Doch das soll offenbar nicht so bleiben.

Laut Damm werde es zu einem späteren Zeitpunkt eine Bilanz zu den Ausgaben im Zuge der Corona-Krise geben. Im Gespräch mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sei bereits von einer Pauschale gesprochen worden, mit denen die coronabedingten Mehraufwendungen ausgeglichen werden sollen.

Kein Hotspot in Mittelsachsen

Zum Kreistag machte Landrat Matthias Damm noch einmal deutlich, dass der Landkreis in Sachen Corona bisher Glück gehabt hatte. „Wir als Landkreis haben von Anfang an konsequent reagiert. Aber wir hatten auch Glück, dass wir nicht solche Hotspots wie zum Beispiel Zwickau hatten. Deswegen sind die Zahlen so, wie sie sind.“

256 Mittelsachsen haben sich seit 13. März mit dem Virus infiziert, für 920 wurde Quarantäne angeordnet. Hinzukommen sieben Todesfälle. „Diese Verstorbenen wurden vor ihrem Tod positiv auf Corona getestet. Es haben jedoch mehrere Ursachen zu deren Tod geführt. Einige hatten bereits starke Vorschädigungen“, so Damm.

Landrat Matthias Damm (CDU): "Wir als Landkreis haben von Anfang an konsequent reagiert."
Landrat Matthias Damm (CDU): "Wir als Landkreis haben von Anfang an konsequent reagiert." © Dietmar Thomas

Bereits zu Beginn der Krise war am Landratsamt eine Hotline zum Thema Corona eingerichtet worden. In dieser gingen anfangs täglich 400 und mehr Anrufe ein. „Es wurde die ganze Bandbreite an möglichen Fragen zu Thema gestellt.“ Im Schnitt gingen derzeit bei der Hotline noch 100 Anrufe ein, bei Änderungen der Rechtsvorschriften schnelle die Zahl oft nach oben.

Aktuell wurden 45 Hygienekonzepte im Landratsamt zur Genehmigung eingereicht, unter anderem von Freizeitparks im Landkreis.

Keine Mund-Nasen-Bedeckung in Klassenräumen

Fast 70 Mitarbeiter stehen im Gesundheitsamt zur Verfügung, um die Aufgaben bezüglich der Corona-Krise zu bewältigen. Darin eingebunden sind 21 Mitarbeiter aus dem Bereich Hygiene. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes könnten zwischen 120 und 150 Neuinfektionen pro Woche abklären. Sollten mehr Infektionen vorkommen, so hat das Landratsamt Absprachen getroffen, um weitere Mitarbeiter zu gewinnen, zum Beispiel mit den Bereichen Personal sowie Lebensmittel- und Veterinäramt zur Nachverfolgung von Kontaktpersonen. 

Mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen seien Gespräche über die Gewinnung von ärztlichem Personal, mit der Bundeswehr zur Gewinnung von Hilfskräften geführt worden, erläuterte Damm.

In den Schulen des Landkreises bestehe zudem keine generelle Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in den Klassenräumen während des Unterrichtes, sagte Damm auf eine Anfrage von Kreisrätin Romy Penz (AfD). Ausgenommen sind hier gemeinsame Arbeiten an Experimentierstationen. Schüler sollten eine solche Maske nur tragen, wenn sie zum Beispiel im Schulhaus unterwegs sind. 

Symbolbild: Eine Nasen-Mundschutz-Pflicht gibt es in den Klassenräumen nicht.
Symbolbild: Eine Nasen-Mundschutz-Pflicht gibt es in den Klassenräumen nicht. © Claudia Hübschmann

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Lediglich am Beruflichen Schulzentrum Döbeln-Mittweida wurde seitens der Schulleitung den Lehrern freigestellt, ihre Schüler zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Unterricht zu verpflichten. „Dies wird insbesondere von den Lehrern genutzt, die sich einer Risikogruppe angehörig fühlen“, erklärte Damm.

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