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Zwei mit riesigem Talent

Emily Mende und Paula Oschika von der Musikschule Kamenz holten bei „Jugend musiziert“ die Höchstpunktzahl.

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Von Ina Förster

Der Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“ in Hoyerswerda ist Geschichte. Was nun folgt, ist ein kurzes Aufatmen. Die Proben der vergangenen Monate waren hart für die beiden jungen Musikerinnen. Die elfjährige Paula Oschika aus Räckelwitz trat zum ersten Mal beim Wettbewerb an. Seit über drei Jahren hat sie an der Kamenzer Musikschule Klavierunterricht. Besser gesagt in der Crostwitzer Außenstelle. Dort kommt sie einmal pro Woche mit Lehrerin Gina Hentsch zusammen, die aus ihr bereits einen kleinen Diamanten formte. „Eigentlich müsste ich mehr Unterrichtsstunden nehmen, sagen alle, aber bislang hat es so geklappt“, meint die Schülerin etwas schüchtern. Dass sie mit nur einer Unterrichtseinheit pro Woche gleich auf Anhieb 23 Punkte bei „Jugend musiziert“ erspielte, zeugt aber von einem echten Naturtalent.

Auch die Eltern der Elfjährigen sind freilich stolz. Beim Wettbewerb saßen sie mit anderen Muttis und Vatis bangend im Publikum. Dass ihre Tochter die Weiterleitung zum Landeswettbewerb bekam, war dann doch überraschend. Paula Oschika präsentierte der Jury ein Stück von Bach, ein Rondo von Hummel sowie drei moderne Lieder von Aleksandre Tansman. „Es wird schon erwartet, dass man ohne Noten spielt“, sagt die Räckelwitzerin. „Das war eine harte Probezeit. Ich habe mich das ganze Schuljahr vorbereitet und könnte die Stücke im Schlaf spielen“, sagt sie.

Aus eben diesem Grund hat sich die aufgeführte Musik allerdings ein kleines bisschen abgenutzt. Paula weiß noch immer nicht genau, ob sie eigentlich Lust hat, sich in ein paar Wochen noch einmal dem Stress des Landeswettbewerbs auszusetzen. Vor allem die Mama hat dafür Verständnis. Aber es soll Paulas eigene Entscheidung bleiben. Die Fünftklässlerin hat schließlich noch andere Hobbys. Das Malen zum Beispiel. Oder Alt- und Blockflöte spielen. Außerdem unternimmt sie gern etwas mit ihren beiden jüngeren Geschwistern. Die kleine Sorbin, die natürlich auch muttersprachlich aufwächst, hat einfach Spaß am Leben. Das schließt ihr Klavier daheim nicht aus. Doch es ist nicht alles. In zwei Jahren könnte es da schon anders aussehen.

Wie bei Emily Mende aus Bischheim. Sie ist ein alter Hase. Und die Sängerin weiß ganz genau, was sie will: Auf die große Bühne! Sie holte 2012 sogar einen zweiten Platz beim Bundesfinale des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ in Stuttgart. Gemeinsam mit der jungen Pianistin Petra Burzlaff konnte die damals 16-Jährige dort im Duo Kunstlied für Singstimme und Klavier überzeugen – wie schon zuvor beim Regional- und Landeswettbewerb. In Stuttgart waren beide Mädchen am Ende die besten Sachsen in ihrem Fach.

Hervorragende Lehrer und Mentoren

Seit sie zarte 12 war, tritt Emily Mende aller zwei Jahre bei „Jugend musiziert“ an. Mit sechs kam sie bereits zur Kamenzer Musikschule. Emily kennt sich also auf den Brettern aus. Vor allem, weil sich nach dem Erfolg Auftritte bei allerlei Konzerten und Festivals anschließen. Mittlerweile ist sie 18 Jahre alt und steht kurz vor dem Abitur am Lessing-Gymnasium in Kamenz. „Ich möchte auf jeden Fall etwas in die musische Richtung studieren. Allerdings mehr im schauspielerischen Bereich“, erzählt sie. Was ja die Musik nicht unweigerlich ausschließt. Im Gegenteil.

Ihre langjährigen Lehrer und Mentoren, Christiane (Gesang) und Andreas Kühn (Klavier) , sind wohl auch ein Grund für ihre Ausdauer, Ehrgeiz und die tollen Erfolge. „Man könnte sich keine besseren Vorbilder wünschen“, sagt Emily, die unterdessen mehr in Dresden unterwegs ist als daheim. Denn in der Landeshauptstadt wohnt das musikalische Ehepaar, das ansonsten auch in der Lessingstadt unterrichtet. Gerade in den intensiven Probenphasen vor den Wettbewerben pendelt die Gymnasiastin also sehr oft zwischen Bischheim und Dresden. „Es ist irgendwie schon meine zweite Heimat, deshalb möchte ich nach dem Abitur auch gleich für ein halbes Jahr dort arbeiten“, sagt sie. Sie will Erfahrungen in einem ganz anderen Bereich sammeln, während sie sich nebenbei fürs Schauspielstudium an den großen Hochschulen Deutschlands bewirbt. „Ich gehe ins Altenpflegeheim und möchte damit ganz bewusst austesten, wo meine Grenzen liegen, wie belastbar ich eigentlich bin“, sagt die 18-Jährige selbstbewusst. Und da gibt es ja auch noch das Shakespeare-Projekt im Panoptikum in Dresden. Und die Musik soll auch nicht darunter leiden. Es gibt einiges zu tun für Emily.

Erst einmal steht Anfang März aber der Landeswettbewerb in Zwickau im Terminkalender. Bach, Mozart und ein wunderschönes Volkslied von Hugo Wolf hat sie dort mit im Gepäck. „Ich kann nur jedem raten, sich an solchen Wettbewerben zu beteiligen, wenn er es drauf hat“, sagt Emily. „Egal ob früher oder später. Es bringt einen auf jeden Fall voran!“ Und sie sagt das auch ein bisschen in Richtung Paula …