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Zwei Wochen lang elektrisch durch Pulsnitz

Die Stadtverwaltung darf ein E-Auto testen. Zur Übergabe gestern war das Interesse schon einmal groß.

Von Frank Sühnel

Eine Begegnung der seltenen Art in Pulsnitz: Das für zwei Wochen von der Enso der Pulsnitzer Stadtverwaltung zur Verfügung gestellte Elektroauto traf am Rathaus auf das gelbe Elektrofahrrad der Post. Beginnt in Pulsnitz damit das Zeitalter der Elektromobilität? Das bleibt abzuwarten. In den nächsten beiden Wochen jedenfalls werden die Pfefferkuchenstädter ein nahezu geräuschlos fahrendes Auto mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung zu sehen bekommen. Der mit dem Enso-Logo versehene Mitsubishi i-MiEV kommt sozusagen rund um den Kirchturm zum Einsatz.

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Bürgermeister Peter Graff, der natürlich gleich nach der Fahrzeugübergabe durch die Enso-Mitarbeiter Ralph Buder und Detlef Marko eine Proberunde mit dem E-Mobil drehte, war angetan. „Was für ein Anzug und man hört fast nichts, man kann sich ganz normal darin unterhalten“, war er erstaunt. Die Aktion läuft im Rahmen der Aktionen „Modellregion Elektromobilität Sachsen“ sowie „Schaufenster Elektromobilität verbindet“ und hat zum Ziel, diese Art der Mobilität und deren mögliche Nutzungskonzepte bekannter zu machen. „Es ist bisher so, dass die Zulassungszahlen für Elektroautos ein sehr niedriges Niveau haben, es ist wohl unter anderem aufgrund der hohen Anschaffungspreise noch nicht so attraktiv“, sagt Ralph Buder. Mit einer Reichweite von rund 110 Kilometern pro Batterieaufladung sei es aber ein ideales Stadtfahrzeug und eben auch für Verwaltungen interessant, da Unterhaltskosten, etwa durch die Steuerbefreiung, und Betrieb günstiger sind als bei herkömmlichen Autos.

Die Enso selbst hat derzeit zwölf Elektrofahrzeuge im Einsatz, weitere Anschaffungen sind in Planung. Um den Kommunen solche Fahrzeuge schmackhaft zu machen – immerhin verkauft die Enso Strom – haben schon 15 Gemeinden in Ostsachsen und auch vier Landkreisverwaltungen diese Testwagen erhalten. Auch in Pulsnitz soll nun in dem Test herausgefunden werden, wie sich die Elektrowagen sinnvoll einsetzen lassen. „Ich kann mir so ein Auto gut vorstellen für die Mobilität der Stadtverwaltung, aber auch als Shuttlefahrzeug für die Kliniken, um Patienten zu Veranstaltungen oder anderem bringen zu können“, sagte der Bürgermeister. Sogar eine weitere Anwendung wäre zu denken: „Die Anbindung der Ortsteile, aber auch der Orte der Verwaltungsgemeinschaft an den öffentlichen Nahverkehr ist sehr dürftig, vor allem am Wochenende. Eine Art Ruf-Shuttle mit dem E-Auto kann ich mir vorstellen“, sagt der Bürgermeister. Nicht eingesetzt werden soll es für die Belange des Ordnungsamts. „Die Vermutung, dass ein Enso-Auto kommt, um Knöllchen zu verteilen, hat woanders schon zur Verwirrung geführt“, schmunzelte Graff. Aufgetankt wird der i-MiEV an der Steckdose. Eine Ladestation gibt es in Pulsnitz nicht, die nächste Ladesäule steht in Radeberg. Rund sechs bis acht Stunden dauert es, den Akku zu füllen. An der speziellen Säule geht es in einer halben Stunde. Die Kosten für 100 Kilometer betragen rund vier Euro, was dem Preis von zwei bis drei Litern Benzin entspricht. Wobei die Aufwendungen im Winter steigen, wenn die Heizung des Innenraumes dazukommt, oder im Sommer die Klimaanlage. Bleibt der ökologische Vorteil der geringeren -Emission. Der Beitrag zum Klimaschutz wird aber fast hinfällig, wenn das Elektroauto mit Strom aus Braunkohle oder anderen fossilen Brennstoffen betankt wird. Nur mit Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen gibt es ein deutlicheres Klimaplus. Ökostrom liegt im Pulsnitzer Rathaus nicht an, auch bei der Enso führt er ein Nischendasein. „Es gibt aber da schon ein Umdenken, Ökostrom für die Stadt wäre möglich“, sinnierte Peter Graff. Und Enso-Regionalbereichsleiter Detlef Marko sprang sofort in die Bresche, indem er sagte, dass das schon im Angebot sei. Nun rollt der Mitsubishi zwei Wochen durch Pulsnitz, das Ergebnis des Tests wird mit Spannung erwartet.