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Zweimal durch die Grüne Welle

Wie lange braucht man eigentlich quer durch Zittau? SZ-Reporter Mario Heinke hat‘s getestet. Und verrät, wo es klemmt.

© R. Sampedro

Von Mario Heinke

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

In einer E-Mail an die SZ-Redaktion schreibt Michael Böhme aus Hainewalde, dass Zittauer Ampeln Autofahrer bremsen. Er schildert, dass die Zeitabstände der Grünschaltung auf dem Stadtring zwischen Löwenapotheke und Kreuzung Hochwaldstraße so lang seien, dass man 35 bis 40 Stundenkilometer fahren müsse, um eine „Grüne Welle“ zu erwischen. Führe man hingegen mit Tempo 50, komme man unweigerlich bei Rot an der Ampel Hochwaldstraße zum Stehen. Außerdem kritisiert der Hainewalder die neue Ampelschaltung an der Kreuzung Freudenhöhe, weil die Grünphase für Autos, die von der Neusalzaer Straße kommen, viel zu lange dauere.

Mario Heinke sucht die Grüne Welle.
Mario Heinke sucht die Grüne Welle. © Matthias Weber
Quelle: SZ-Recherche
Quelle: SZ-Recherche © SZ-Grafik

Gibt es überhaupt eine „Grüne Welle“ in Zittau? Ich frage beim Landesamt für Straßenbau- und Verkehr (Lasuv) nach, ob die Ampeln der Bundesstraßen in Zittau untereinander abgestimmt sind. „Die Lichtsignalanlagen auf der B 96 und B 99 laufen untereinander koordiniert“, antwortet Nicole Wernicke von der Pressestelle und bestätigt, dass auf dem Stadtring eine „Grüne Welle“ bestehe.

Das muss ich ausprobieren! Wie viel Zeit braucht eigentlich ein Durchreisender, um die Stadt Zittau quer zu durchfahren, wenn er vom Grenzübergang Friedensstraße aus Polen kommt und in Richtung B 96 fährt? Es ist Dienstag kurz nach 14 Uhr. Ich schwinge mich in meinen alten Volvo und fahre zum Grenzübergang Friedensstraße, um die selbstgewählte „Transitstrecke“ mal praktisch zu testen. Das Smartphone befestige unterhalb des Rückspiegels, um die Fahrt auf einem Video festzuhalten. Blinker raus, ab geht´s.

Auf der Friedensstraße ist wenig Verkehr. Nach einer Minute und acht Sekunden der erste Stopp an der Ampelkreuzung Friedens-/Brückenstraße. Wie inzwischen bekannt, sorgt hier eine in die Fahrbahn eingelassene Induktionsschleife in der Brückenstraße dafür, dass die Ampel abrupt auf Rot schaltet, wenn sich Fahrzeuge der Kreuzung von der Brückenstraße aus nähern. Schon nach drei Sekunden warten, gibt es Grün, der Pulk ist durch. Ohne anhalten zu müssen, passiere ich den Ottokarplatz und komme auf dem Ring bis zur Ampel an der Goethestraße. Nach kurzem Halt gehts weiter. Immer wieder kontrolliere ich die Geschwindigkeit auf dem Tacho, um die erlaubten 50 Stundenkilometer nicht zu überschreiten. Der nächste Halt an der Ampelkreuzung Dresdner-/Rathenaustraße dauert genau 14 Sekunden.

Nach dem Anfahren schwimme ich im Verkehr mit, ohne Stopp passiere ich drei Ampelkreuzungen bis das Ortsausgangsschild der Stadt Zittau, wenige Meter hinter dem Watzdorfheim, erreicht ist. Acht Minuten und 11 Sekunden dauerte die Fahrt auf der knapp sechs Kilometer langen Strecke von Stadtgrenze zu Stadtgrenze. Dreimal musste ich an einer Ampel anhalten. Trotzdem ging alles schneller als erwartet, bei Fahrtantritt rechnete ich mit 15 Minuten Fahrzeit. Zittau ist eben noch kleiner, als ich erwartet hatte.

Nach dem Wenden starte ich zur Rückfahrt, die am Ortseingangsschild auf der B 96 in Pethau beginnt. An die erlaubten 60 Stundenkilometer hält sich auf der Neusalzaer Straße keiner. Von hinten „drückt“ ein SUV, ich gebe nicht nach und fahre genau die erlaubten 60 und später 50 Stundenkilometer, wie der berühmte „Opa mit Hut“. Ohne Stopp komme ich bis zur Freudenhöhe. Die Ampel zeigt Rot. 37 Sekunden warten bis es weitergeht. Grün bei Pit-Stop. Kurz vor der Auffahrt auf den Stadtring an Weberkirche muss ich langsam fahren, komme aber ohne anzuhalten auf den Stadtring. Nächster Stopp: Löwenapotheke. Nur wenige Sekunden, dann geht es auch da weiter.

Ich schaue auf den Tacho, genau 50 und siehe da, SZ-Leser Michael Böhme hat recht. Die Ampel zeigt tatsächlich Rot, als ich an der Einmündung zur Hochwaldstraße ankomme. An dieser Stelle funktioniert die „Grüne Welle“ wohl nicht so richtig. Nach acht Sekunden geht es aber bereits weiter. Das nächste Rotsignal erwartet mich an der Mandaukaserne auf dem Martin-Wehnert-Platz. Dann fahre ich allerdings ohne Stopp über zwei Ampelkreuzungen bis zum Grenzübergang Friedensstraße. Die Rückfahrt dauerte genau acht Minuten und neun Sekunden, inklusive der vier Stopps an einer Ampel.

Fazit: Von einem „Ausbremsen der Autofahrer“ würde ich nicht sprechen wollen, selbst wenn die „Grüne Welle“ rund um die Innenstadt vielleicht nicht lückenlos funktioniert. Ich werde es darum wohl auch in Zukunft mit dem bekannten Lebensmotto der Oberlausitzer halten, das da lautet: „Ok ne jech´n“.