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Zweimal Ostern in einem Jahr

Eine Wanderung zur Ostersäule von Lauterbach bringt auch eine geschichtliche Erkenntnis.

Von Rainer Schulze

Das Stolpener Land besitzt eine einmalige Kuriosität, die seit Jahrzehnten ein beliebtes Wanderziel ist: die Ostersäule am nördlichen Dorfende von Lauterbach. Was wäre geeigneter als die Osterzeit, dorthin zu wandern? Die Geschichte der Säule ist schnell erzählt. Bis ins 16. Jahrhundert galt in der Welt der julianische Kalender, eingeführt vom römischen Imperator Julius Cäsar im Jahre 45 vor Christus. Der Kalender wich vom astronomischen Jahreslauf ab, jedes Jahr waren es reichlich elf Minuten zu viel. Bis 1582 kamen so 12,71 Tage zusammen. Das fiel Papst Gregor XIII. auf, der deshalb 1582 einen neuen Kalender einführen ließ, den gregorianischen. So folgte 1582 auf den 4. Oktober der 15. Oktober.

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Böhmen gehorchte der päpstlichen Weisung 1584, was zu dieser Inschrift veranlasste; denn das protestantische Sachsen ließ sie links liegen. So wurde hier zweimal Ostern gefeiert. In dieser Gegend, wo man rege miteinander über die Grenze verkehrte, gab es nun lange Zeit Hudeleien nicht nur mit Ostern, sondern auch mit anderen wichtigen Daten. Da die Leute schon damals Humor hatten, ließen sich manche wohl die doppelte Gelegenheit zum Feiern nicht entgehen. Erst 1700 war damit Schluss – da bequemte sich auch Sachsen zur Umstellung; China übrigens erst 1946.

Angebracht wurde die Inschrift „1584 / Jar /.Das ist war / zwene Ostern / in einem Jar“ damals an einer sehr viel älteren Martersäule, und zwar auf Veranlassung des Stolpener Amtsschössers Thomas Treuter.

Günstiger Ausgangspunkt einer Wanderung ist Großharthau. Wer mit der Bahn kommt, muss bis zum Rittergut laufen, um dort am Parkplatz zu beginnen. Der Weg führt die Straße weiter über die Eisenbahn, dahinter links und gleich wieder rechts geradeaus bis zum Waldende und dort nach rechts bis zum Südende von Bühlau. Rechts an der Ruine „Hexenburg“ (Herrensitz nach 1850, 365 Fenster, 52 Türen, 12 Tore) geht es nach Lauterbach, wo wir nach rechts die Ostersäule finden. Gegenüber führt die Niedere Straße auf die Höhe, oben am Rastplatz geht es nach rechts Richtung Buschmühle und Waldhaus. Von der Buschmühle führt der Wanderweg mit grünem Strich durchs Wesenitztal zurück nach Großharthau. Insgesamt haben wir dann knapp 15 Kilometer in den Beinen. Wer ohne Auto angereist ist, kann ab der Buschmühle auch noch 3,5 Kilometer nach Stolpen wandern.

Egal, ob vor oder nach der Wanderung: Einen Rundgang durch den Großharthauer Schlosspark sollte man nicht auslassen. Zwar ist das Schloss 1948 nach einem Brand abgerissen worden, aber die anderen Rittergutsgebäude kann man noch betrachten; ein Teil wurde zu Wohnungen ausgebaut. Die Sandsteinplastiken beiderseits der Freitreppe, Flora, Pomona und die vier Jahreszeiten, werden Zwingerbildhauer Balthasar Permoser zugeschrieben.

Einkehren kann man im Waldhaus (am Wochenende ab 11 Uhr geöffnet), wo schon mal ein Reh am Fenster vorbeilaufen kann, oder im Hotel Kyffhäuser in Großharthau (täglich ab 11 Uhr).

Anfahrt: mit dem Pkw auf der B 6 bis Großharthau, dort vor dem Hotel Kyffhäuser nach rechts zum Parkplatz am Schlosspark abbiegen. Mit der Regionalbahn R 60 oder R 61 stündlich ab Dresden nach Großharthau.

Wanderkarte: Topografische Wanderkarte 1:25 000 des GeoSN, Blatt 42 Bischofswerda, Neustadt i. Sa., Stolpen