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Zweite Amtszeit für Neupold

Mit übergroßer Mehrheit ist Coswigs Oberbürgermeister wiedergewählt worden. Doch die Wahlbeteiligung erschreckt.

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© Norbert Millauer

Von Ulrike Keller

Mit seiner Freude hält sich Frank Neupold lange zurück. Doch kurz vor 19 Uhr entfährt ihm dann an der Seite von Ehefrau Gisela doch ein kleiner Juchzer. Es ist der Moment, als im Rathausfoyer an der Wand mit den Auszählungsergebnissen das Bild eines Baumes erscheint.

Diesen Wallnussbaum bekam er vor sieben Jahren geschenkt, als er überraschend die Wahl zum Oberbürgermeister gewann und ins Coswiger Rathaus einzog. Pflanzen ließ er ihn ganz in der Nähe, im Neubaugebiet. Vor wenigen Tagen fuhr er mal wieder gucken. Mächtig gewachsen war der Baum, eine prächtige Krone entstanden. „Ich dachte, dann kann die Wahl nur gut ausgehen“, erzählt Frank Neupold.

87,6 Prozent der Stimmen hat der parteilose OB auf sich vereint. Am 1. August beginnt seine zweite Amtszeit. Eine Mitarbeiterin juxt: „Wann machen Sie die Übergabe?“ Frank Neupold grinst. Leise sagt er dann: „Ich sehe es als Anerkennung für meine Arbeit.“ Die er nun kontinuierlich fortsetzen kann. Seine Hoffnung, dass der dicke To-do-Ordner im Schrank in den nächsten sieben Jahren komplett abgearbeitet werden kann, ist groß. „Das halte ich für realistisch“, sagt der 60-Jährige.

Im Hintergrund hält sich Herausforderer Dirk Landrock. Neben ihm der Coswiger Stadtrat Innocent Töpper vom Bündnis 90/Die Grünen. Für diese Partei ist Dirk Landrock als Parteiloser angetreten, unterstützt auch von SPD und Piraten. „Mein Anliegen war von Anfang an, den Coswigern eine demokratische Wahl zu ermöglichen“, sagt Dirk Landrock. „Das wäre sonst nicht der Fall gewesen.“ Als die ersten Auszählungsergebnisse einlaufen, verzieht er keine Miene. Der Amtsinhaber liegt von Anfang an gut über 80 Prozent. „Wenn wir auf dem Level 12/13 Prozent bleiben, ist das okay“, bestärkt Innocent Töpper seinen Kandidaten. Später zeigt sich: Bis zu 17,6 Prozent der Stimmen konnte Dirk Landrock in einzelnen Wahlbezirken holen. Den stärksten Rückhalt hat der Brockwitzer in Sörnewitz und Brockwitz. Am Ende erreicht er 12,4 Prozent. Auf die Frage, wie er nun politisch weiter macht, versichert er: „Ich bin wieder einfacher Coswiger, aber werde weiter am politischen Leben teilnehmen. Die Ziele aus meinem Wahlprogramm möchte ich voranbringen.“

Die Auszählung vor Ort verfolgen wenige. Die Masse sind Mitarbeiter und Stadträte. Anders als 2008 mit rund 70 Interessierten kommen gestern Abend keine 20 Leute im Rathausfoyer zusammen. „Passend zur Wahlbeteiligung“, kommentiert Innocent Töpper. Von 17 536 Wahlberechtigten sind nur 6 726 gültige Stimmen abgegeben worden. Das entspricht 38,4 Prozent. Als Ursache vermutet Frank Neupold neben einem gewissen Desinteresse vieler die Konstellation von nur zwei Kandidaten. Auch Dirk Landrock meint: „Je mehr Kandidaten, desto interessanter ist es für die Wähler.“

Zu den Ersten, die Frank Neupold gratulieren, gehört Landtagspräsident und CDU-Abgeordneter Matthias Rößler. „Ein Pfundskerl“, sagt er beim Schulterklopfen in Richtung der Oberbürgermeistergattin. Die entgegnet kess: „Wenn Sie das sagen, dann muss ich es wohl glauben.“