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Zweite Corona-Welle: Wäre Sachsen vorbereitet?

In Sachsen steigen die Infektionszahlen vergleichsweise langsam. Doch wie ist der Freistaat für eine mögliche zweite Welle gerüstet?

Ein Covid-19-Patient wird auf der Intensivstation beatmet. Bei einem großflächigen Ausbruch müssen schnell Plätze geschaffen werden. Die sächsischen Unikliniken könnten dies im Notfall, heißt es.
Ein Covid-19-Patient wird auf der Intensivstation beatmet. Bei einem großflächigen Ausbruch müssen schnell Plätze geschaffen werden. Die sächsischen Unikliniken könnten dies im Notfall, heißt es. © dpa

Dresden. Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland ist in den vergangenen Wochen wieder deutlich gestiegen, zuletzt auf knapp 1.500 Fälle pro Tag. Auch in Sachsen werden wieder mehr Infizierte registriert, wobei die Zahlen auf vergleichsweise niedrigem Niveau liegen. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte allerdings bereits vor drei Wochen davon gesprochen, dass eine zweite Corona-Welle die Bundesrepublik längst erreicht habe.

Doch was macht eine "zweite Welle" eigentlich aus? Darüber sind sich sogar die Virologen uneinig. Während der Bonner Virologe Hendrik Streeck eher davon ausgeht, dass es immer wieder lokale Corona-Ausbrüche geben wird, glaubt der Berliner Virologe Christian Drosten, dass es spätestens im Herbst zu einer flächendeckenderen Ausbreitung des Virus kommt - wenn Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden. 

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Entscheidend sei aber, darin sind sich die meisten Experten einig, das Virus in Schach zu halten, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Im März und April hatte der Pandemie-Ausbruch auch in Sachsen zu teils chaotischen Verhältnissen geführt. 

Es fehlte an Schutzkleidung für medizinisches Personal, Masken und Desinfektionsmittel waren selbst an Kliniken vergriffen, die Gesundheitsämter hatten Schwierigkeiten, Infektionsketten nachzuvollziehen, weil es an Personal fehlte. Sächsische.de wollte wissen: Was hat der Freistaat daraus gelernt? Wie gut ist Sachsen im Notfall vorbereitet?

Wie viele Tests können durchgeführt werden?

Um zu verhindern, dass Infizierte unbemerkt andere anstecken, ist es wichtig, dass ausreichend Tests zur Verfügung stehen und die Ergebnisse so schnell wie möglich vorliegen. Das Uni-Klinikum Dresden, das seit Mitte März eine Corona-Ambulanz betreibt, sieht sich in Sachen Kapazitäten gut aufgestellt. Das liege auch daran, dass man mittlerweile technisch aufgerüstet habe.

"Durch Geräte-Ergänzungen sind technisch bis zu 1.200 Tests pro Tag durchführbar", sagt Pressesprecher Holger Ostermeyer. Ob letztlich auch so viel getestet werden könnte, hänge aber davon ab, ob die Test-Hersteller solche Mengen liefern könnten.

Auch an der Uni-Klinik Leipzig könnten bis zu 800 PCR-Tests pro Tag durchgeführt werden, informiert der Direktor des Instituts für Virologie, Uwe Liebert. Momentan testet das Institut nach eigenen Angaben täglich 500 Menschen. 

Insgesamt läge die sächsische Tageskapazität bei rund 9.700 Tests, teilt das Sozialministerium auf Anfrage mit. Zur Einschätzung: Auf dem Höhepunkt des Ausbruchs im Frühjahr verzeichnete Sachsen 264 Neuinfektionen an einem Tag, in Bayern waren es 1.986. 

Wie viele Behandlungsplätze können geschaffen werden?

Eines der Hauptprobleme im Umgang mit dem Corona-Virus: Bei den meisten schwer Erkrankten greift der Erreger die Lunge an. Diese Patienten müssen teils wochenlang beatmet und dauerhaft überwacht werden. "Darunter leidet auch die Qualität anderer Behandlungen", sagt Sven Bercker, Koordinator der "Corona-Taskforce" und Intensivmediziner an der Uniklinik Leipzig. 

Bercker sieht die sächsischen Krankenhäuser aber relativ gut für eine potentielle neue Corona-Welle aufgestellt. "Bei Verhältnissen wie in Bergamo oder Barcelona würde ich mir schon Gedanken machen. Aber so wie wir vorbereitet sind, wären wir selbst bei Infektionszahlen wie in Großbritannien nicht überlastet." 

Innerhalb einer Woche könnten die Leipziger etwa 73 Intensivplätze mit Beatmungsmöglichkeiten schaffen. Weniger schwere Fälle kämen zuerst auf eine Isolationsstation im Krankenhaus St. Georg. 

In Leipzig seien auch in der schlimmsten Pandemie-Phase nie mehr als drei Patienten gleichzeitig gelegen, die beatmet werden mussten. In Dresden sind die Bettenzahlen ähnlich:  Innerhalb von zehn Tagen könne man 40 bis 50 Beatmungsplätze und 60 Betten für nicht beatmungspflichtige Covid-19-Erkrankte bereitstellen, sagt Pressesprecher Ostermeyer. Insgesamt gibt es derzeit knapp 1.900 Intensivbetten in Sachsen, informiert das Sozialministerium. 

Wie sind die Behörden ausgestattet?

"Die Gesundheitsämter der Kreisfreien Städte sind auf eine mögliche Erhöhung der Fallzahlen vorbereitet", erklärt der stellvertretende Geschäftsführer des Sächsischen Städtetags, Ralf Leimkühler. Pro 20.000 Einwohner gebe es ein Team von fünf Personen, das sich im Notfall vollkommen der Nachverfolgung von Infektionsketten widmet. 

Grundsätzlich hätten die sächsischen Kommunen auch ausreichend Zugang zu persönlichen Schutzausstattungen. Was die Digitalisierung der Kommunalverwaltungen angeht, spricht Leimkühler von einer "Daueraufgabe". Im Falle einer zweiten Welle könne man aber schnell umschalten: "Der Zugang zu öffentlichen Verwaltungsdienstleistungen wird weiter auf mehreren Wegen möglich sein, von der persönlichen oder telefonischen Kontaktaufnahme über den E-Mailaustausch bis zu Onlinevorgängen oder -portalen." Und er betont: "Die Arbeitsfähigkeit Gemeindeverwaltungen war auch im Frühjahr trotz Einschränkungen des Besucherverkehrs weiter gegeben."

Gibt es genügend Schutzausrüstung?

Zu Beginn der Pandemie hatte auch Sachsen Probleme, schnell genügend Schutzmaterialien einzukaufen. Grund waren auch Lieferverzögerungen, unter anderem weil ein Großteil der Medizinprodukte seit vielen Jahren aus China importiert wird. Im Falle einer zweiten Welle habe man nun aber genügend Ausrüstung eingelagert, um den Bedarf für mehrere Monate zu decken, teilt das sächsische Innenministerium auf Anfrage mit. Insgesamt habe der Freistaat unter anderem 5,8 Millionen Schutzmasken, 3.000 Liter Desinfektionsmittel und 1,5 Millionen Stück Schutzkleidung im Bestand.

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Das Innenministerium plane aber auch in Zukunft nicht, Schutzausrüstung nur noch bei Herstellern aus Deutschland oder der EU zu beziehen. Es werde weiter Vergabeverfahren geben, so ein Ministeriumssprecher. Hierbei sei es Voraussetzung, dass die Produkte geprüft und zertifiziert sein. Wer den Zuschlag bekomme, werde aber unter wirtschaftlichen Aspekten entschieden. Anders gesagt: Der günstigste Anbieter gewinnt. 

So berichten wir über die Corona-Krise:

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