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Riesa

Zweiter Versuch mit Schwänen am Merzdorfer Teich

Beim ersten Mal mussten die Tiere zurück in den Tierpark. Dessen Chef hat an die Spaziergänger nur einen Wunsch.

Unwillig in die Freiheit: Die Tierpark-Mitarbeiter Michael Tobis und Cecile Missal müssen die Transportkiste erst ganz weit kippen, bis die zwei Höckerschwäne am Merzdorfer Teich heraus plumpsen.
Unwillig in die Freiheit: Die Tierpark-Mitarbeiter Michael Tobis und Cecile Missal müssen die Transportkiste erst ganz weit kippen, bis die zwei Höckerschwäne am Merzdorfer Teich heraus plumpsen. © Sebastian Schultz

Riesa. Sie wehren sich mit aller Kraft. Da strampeln Füße, klatschen Flügel, fliegen Federn. Es rumpelt in der großen Hundetransportbox. Aber es nützt nichts. 

Michael Tobis und Cecile Missal kippen am Ufer des Merzdorfer Teichs die weiße Kunststoffkiste mit der offenen Gittertür immer schräger an. Gegen ihren Willen plumpsen die beiden Höckerschwäne schließlich raus. Zappeln noch einmal mit den Füßen, stoßen sich mit den Flügeln ab und landen schließlich doch im Wasser. 

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Und plötzlich ist es so, als hätte jemand einen Schalter umgelegt: Graziös gleiten die beiden weißen Tiere über das Wasser. Völlig lautlos, sodass man nun wieder die Singvögel in den Kronen der Ahorn- und Lindenbäume am Ufer des Merzdorfer Teichs hört.

Namen haben die Tiere nicht, sagen die beiden Tierpark-Mitarbeiter. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind es aber Weibchen. Das jüngere Tier ist gerade mal ein Jahr alt – im Dezember 2018 war es als zu kleinwüchsig und ermattet im Raum Heyda/Kobeln aufgegriffen worden und in den Tierpark gekommen. Der ältere Schwan war im September 2017 verletzt auf den Gleisen in Großenhain aufgefunden worden. Dieses Tier kennt den Merzdorfer Teich schon: Im November 2017 war er dort mit einem damaligen Gefährten schon einmal ausgewildert worden.

Das Duo ging im Winter darauf, als der Teich zeitweise zufror, allerdings auf Wanderschaft, sodass es zurück in den Tierpark genommen werden musste. Dort lebten die Schwäne gemeinsam mit Enten im Teich. Nachdem Anfang des Jahres wohl ein Fuchs dort einen der drei Schwäne tötete, blieben nur noch die zwei übrig, die jetzt in Merzdorf in Freiheit entlassen wurden. Werden die Enten im Tierpark die Schwäne vermissen? „Wohl eher nicht“, sagt Michael Tobis

Nur wenige Augenblicke nach dem Verlassen der Transportkiste erkunden die zwei Höckerschwäne  schon ihr neues Zuhause.
Nur wenige Augenblicke nach dem Verlassen der Transportkiste erkunden die zwei Höckerschwäne schon ihr neues Zuhause. ©  Sebastian Schultz

Von der einstigen Gondel-Anlegestelle der Freizeitinsel aus schauen die beiden Tierpark-Mitarbeiter den Schwänen hinterher, die jetzt offenbar in einer großen Runde ihre neue Freiheit erkunden. Auf dem Boden nebenan sind nur ein paar weiße Federn da geblieben, die an die Strampelaktion beim unfreiwilligen Ausladen aus der Kiste erinnern.

„Der junge Schwan wird staunen, wie groß ein Teich sein kann“, sagt die Frau: Denn bislang kannte er nur den kleinen Teich im Tierpark, den die Besucher hinter der Kasse gleich als Erstes zu sehen bekommen. Während der locker in einen Garten passen würde, ist der Merzdorfer Teich deutlich größer als der ganze Tierpark insgesamt.

Die Frage ist, ob ihm auf Dauer die neugewonnene Freiheit ausreicht: Denn im Gegensatz zu seinem älteren Gefährten ist der junge Schwan noch flugfähig. Und anders als im Tierpark hätte er auf dem Merzdorfer Teich genug Platz, um in die Lüfte zu starten. Wenn er fliegen sollte: Kehrt er dann vielleicht in den Tierpark zurück? „Definitiv nicht“, sagt Michael Tobis. „Auch zum Landen braucht ein Schwan viel Platz. Das sieht für den Betrachter so aus, als würde er Wasserski fahren.“

25 Jahre alt können Schwäne werden. Wenn sie nicht vorher der Fuchs holt. Aber sind die majestätischen Vögel nicht so stark, dass sie mit einem Flügelschlag sogar einem Menschen einen Knochen brechen können? „Schon“, sagt Michael Tobis. „Aber ein alter, erfahrener Fuchs kann ihnen auch ganz schnell den Hals zudrücken.“ Ein Anwohner hat jedenfalls den Blick darauf, ob das Duo weiter auf dem Merzdorfer Teich seine Runden dreht.

Eine große Bitte hat Tierpark-Chef Gerhard Herrmann. „Niemand sollte die Schwäne auf dem Merzdorfer Teich füttern.“ Die Tiere würden in Freiheit genug Futter finden, vor allem Wasserpflanzen und Gras. Die Stadtverwaltung hat deshalb gleich mehrere Hinweisschilder aufstellen lassen. Wichtig ist das Nicht-Füttern auch, um einem Konflikt vorzubeugen:; Schwäne können nicht unterscheiden, ob der Mensch am Ufer ein Spaziergänger ist, der Brotreste dabei hat – oder ein Angler, der in Frieden fischen will.

Andernfalls würden sich die Schwäne schnell angewöhnen, auf jeden Menschen zuzuschwimmen – und sich dann womöglich in der Angelsehne verheddern. Dann müsste im Notfall noch mal ein Tierpark-Mitarbeiter kommen. Ansonsten wäre das erst dann wieder nötig, wenn der Merzdorfer Teich zufriert – und die Gänse wieder auf Wanderschaft gehen.

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