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Konsequenzen für den "Deutschen Fahrer"

Wieder hat ein Kunde ein A4-Blatt in einem Linienbus fotografiert, auf dem steht, dass der Fahrer Deutscher ist. In seiner Firma steht das Telefon nicht mehr still.

Am Montagnachmittag wurde das umstrittene Schild von einem DVB-Kunden an einem zweiten Linienbus entdeckt.
Am Montagnachmittag wurde das umstrittene Schild von einem DVB-Kunden an einem zweiten Linienbus entdeckt. © N. Hartwich

Matthias Peschke hat keine Zeit. Der Geschäftsführer von Satra Eberhard in Kesselsdorf kann Fragen an diesem Dienstag nicht schriftlich beantworten. Es muss schnell gehen, deshalb redet er gleich am Telefon.

 In einem Bus seines Unternehmens, das auch für die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) fährt, ist am Montagmorgen ein Zettel mit der Aufschrift "Diesen Bus steuert ein Deutscher Fahrer" entdeckt worden. Seitdem steht das Telefon nicht mehr still in Peschkes Büro in Kesselsdorf. Ob er inzwischen mit dem Fahrer gesprochen hat, will er nicht sagen. "Wir sind noch im Bereich der Feststellung, wir sammeln Informationen", erklärt der Geschäftsführer. Generell sei aber nicht erlaubt, "irgendwelche Infos" in den Fahrzeugen aufzuhängen, die nicht Teil der Personenvorschriften sind.

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Unterdessen hat sich ein zweiter DVB-Kunde gemeldet, der solch ein Schild entdeckt hat. Niklas Hartwich ist um 11.30 Uhr in Dresden-Plauen in einen Bus der Linie 85 eingestiegen. Es hing hinter der Frontscheibe, gleich neben der ersten Tür. "Ich war verwirrt und entsetzt", sagt Hartwich. Von dem Fall am Morgen wusste er da noch nichts. Als er später wieder ausgestiegen ist, hat er das Schild und den Fahrer fotografiert. Der wirkte dabei "relativ gelassen", erinnert sich der Student. "Deutscher Fahrer und symbolträchtige Schrift, das weist in Richtung Nationalsozialismus", sagt Hartwich. "Für mich war das Schwachsinn, ich fand das unmöglich." Am Nachmittag rief er dann bei den Dresdner Verkehrsbetrieben und erzählte von seiner Entdeckung. Erst da erfuhr er, dass bereits am Morgen ein solches Schild entdeckt worden ist.

Die Verkehrsbetriebe wissen, dass es sich in beiden Fällen um ein- und denselben Fahrer handelt. "Er ist im ersten Dienstteil auf der 90 gefahren und danach auf der Linie 85", sagte DVB-Sprecherin Anja Ehrhardt. DVB-Mitarbeiter haben den Fahrer am Nachmittag abgepasst und ihn aufgefordert, das umstrittene Schild zu entfernen. Das habe er dann auch gemacht. Für die Verkehrsbetriebe steht fest: Dieser Fahrer darf nie wieder auf einer ihrer Linien unterwegs sein. "Das haben wir verlangt", sagt Ehrhardt. Wo der Mann stattdessen eingesetzt werde, "liegt nicht in unserem Ermessen". Ihm werde die Betriebsfahrberechtigung für die Verkehrsbetriebe entzogen.

Matthias Peschke plant jetzt einen Aushang für alle Mitarbeiter seines Unternehmens. Dort soll noch einmal erklärt werden, was erlaubt und was verboten ist. Dort wird auch stehen, dass die Firma und ihre Fahrzeuge "keine Plattform und kein Raum sind, in dem Mitarbeiter politische Meinungen vertreten dürfen". Wichtig ist ihm, dass sich die Satra Eberhard GmbH "von dieser Äußerung und Meinungsmache distanziert". Dass sein Fahrer mit dem umstrittenen Schild auf einer zweiten Buslinie aufgetaucht ist, hat er erst von sächsische.de erfahren.

Die Verkehrsbetriebe müssen sich seit Montagnachmittag in den sozialen Medien mit Meinungsäußerungen zu dem Busfahrer auseinandersetzen. Am Dienstagnachmittag widmeten sie dem Thema schließlich einen eigenen Eintrag: "Das Statement des Busfahrers ist aus unserer Sicht völlig inakzeptabel. Die provokante Art und Weise der Botschaft entspricht nicht dem Bild, das wir der Öffentlichkeit vermitteln wollen", heißt es dort. Und sie äußern sich auch zu der Ansicht, dass die DVB lieber serbische Kollegen einsetzen würden, als neue Mitarbeiter in Deutschland zu suchen. "Zur Entlastung unseres Fahrpersonals wollen wir Fahrer aus dem Ausland einstellen", heißt es dort. 

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Dabei gelte der Grundsatz der Gleichbehandlung – sowohl hinsichtlich der Qualität der Arbeit als auch der Entlohnung." Die Verantwortlichen fürchten, dass die Berichte über den "Deutschen Fahrer" auch die potenziellen Mitarbeiter aus Serbien erreichen. Deshalb fügten sie hinzu: "Wir möchten die neuen Kollegen bei uns willkommen heißen und nicht durch derartige Äußerungen verprellen."

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