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Zweitliga-Absteiger beklagt Aderlass

Die Volleyballer des VC Dresden stehen vor einem Neustart. Sportdirektor Sven Dörendahl erklärt, wie der trotz großer Hürden funktionieren soll.

© René Meinig

Von Alexander Hiller

Es ist ein Neustart. Wieder einmal. Gezwungenermaßen. Wenn Trainer Marco Donat am Montag das Volleyball-Team von Zweitliga-Absteiger VC Dresden zum ersten Training nach der Sommerpause zusammenführt, werden viele Gesichter fehlen. Mit Zuspieler und Kapitän Daniel Schmidt (Eltmann), Martin Kroß, Christian Heymann, Richard Peemüller (Beachkader in Stuttgart) und Junioren-Nationalspieler Lukas Maase (Delitzsch) fehlen gleich fünf Akteure aus dem Gerüst der Vorsaison.

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„Der Kader für die neue Saison steht. Mit zwölf, 13 Spielern“, erklärt der ehrenamtliche VC-Sportdirektor Sven Dörendahl fast ein bisschen trotzig. „Wir haben die Mannschaft zum Großteil mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs aufgefüllt. Wir mussten nach dem Abstieg natürlich mit einem Aderlass rechnen. Das sind ja alles gute Spieler, da mussten wir mit Begehrlichkeiten anderer Vereine rechnen“, erklärt der Ex-Profi.

Der gebürtige Berliner ist keiner, der mit seiner Meinung hinter dem Berg hält. Und so thematisiert er auch die für den Klub ärgerlichen Nebengeräusche bei dem Wechsel von Lukas Maase zum Zweitligisten Delitzsch. „Sportlich so ganz nachvollziehen kann ich den Schritt nicht. Lukas wollte unbedingt noch ein Jahr in der 2. Liga spielen. Das muss er am Ende selbst entscheiden. In Delitzsch ist das gegeben. Aber von dem Trainingspensum dort halte ich gar nichts“, erklärt der 43-Jährige. Die Delitzscher trainieren zweimal pro Woche. Unzureichend für ein so hoffnungsvolles Talent wie Maase, der in seinem Lieblingssport jedoch noch mitten in der Ausbildung steht – meint Dörendahl. „In seinem Alter braucht man eine hohe Trainingsintensität. Zweimal Training pro Woche ist etwas für 35-Jährige, die ihre Karriere ausklingen lassen und noch ein bisschen in Form bleiben wollen. Aber der Junge will ja noch etwas lernen. Er muss“, verdeutlicht Dörendahl.

Denn Maase hatte bereits vor dieser Saison Angebote aus der 1. Liga – also aus dem Profibereich. „Da kann er nicht hinkommen und sagen, ich habe jetzt mal ein Jahr meine Form gehalten. Er muss sich nach vorn entwickeln“. Maase beginnt im August sein Abiturabschlussjahr am Sportgymnasium Dresden, ist wohl auch deshalb an den Standort Dresden oder Sachsen gebunden. Deshalb wird der VC seinem 2,10 Meter großen Mittelblock-Talent Maase auch weitere Trainingsmöglichkeiten anbieten, obwohl der den Verein wechselt. „Das war für uns auch nicht leicht, zu sagen: Ja, das machen wir. Wir fühlten uns etwas überrumpelt. Aber es bringt uns ja nichts, ihm diese Möglichkeit zu verwehren. Wir wollen ja, dass er oben ankommt. Er hat natürlich eine Menge von uns und bei uns gelernt, aber auch eine Menge gegeben, das darf man nicht vergessen“.

Der Verein muss seinen zweiten Neustart nach dem Erstliga-Abenteuer, das 2014 in der Insolvenz und mit Lizenzentzug endete, also ohne einen Großteil seiner bisherigen Leistungsträger angehen. Dafür mit einer Handvoll blutjunger Talente aus der sportlich erfolgreichen Nachwuchsabteilung. Die U 14 des VC Dresden wurde kürzlich deutscher Meister. Für die kommt die dritthöchste Spielklasse noch viel zu früh. „Aber diese jungen Leute brauchen auch Perspektiven nach oben“, stellt Dörendahl klar – und meint damit langfristig gesehen nicht die 3. Liga Ost.

Der sportliche Chef, der hauptberuflich als Projektleiter in einer Dresdner Fahrzeugprüf-Firma arbeitet, ist sich selbst noch nicht ganz sicher, ob das neuformierte VC-Team unter diesen Vorzeichen konkurrenzfähig sein wird. „Für den Klassenerhalt sollte es reichen. Das denke ich schon. Aber ein Mitfavorit für den Wiederaufstieg sind wir nicht, das halte ich für übertrieben. Die Entwicklung der jungen Leute ist unsere Priorität Nummer eins. Das wird nicht leicht“, sagt Dörendahl und hat dabei auch die finanziellen Abstriche im Blick. Etwa ein Drittel weniger Etat als im Vorjahr (50 000 Euro) stehen dem Absteiger zur Verfügung. „Wenn das mal reicht. Vieles ist jetzt nach dem Abstieg schwerer“, sagt er, ohne gleich nachzuhaken. „Aber da kommt etwas nach, das ist ein Team fast ausschließlich aus Dresdnern. Dafür lohnt sich die Arbeit“.