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Zwerg jagt Wehner das Direktmandat ab

Nach zehn Jahren muss der CDU-Landtagsabgeordnete seinen Platz räumen. Der verlor sogar in seiner Heimatgemeinde.

Dieses Jahr mussten in den Briefwahllokalen so viele Stimmen ausgezählt werden wie noch nie. So auch in Pirna.
Dieses Jahr mussten in den Briefwahllokalen so viele Stimmen ausgezählt werden wie noch nie. So auch in Pirna. © Daniel Förster

Das Ergebnis war eindeutig. Jan Zwerg, der Generalsekretär der Alternative für Deutschland in Sachsen, holt das Direktmandat im Wahlkreis 50, der sich von Heidenau und Pirna bis nach Bad Gottleuba an die Grenze zu Tschechien erstreckt.

 Er bekam 35,0 Prozent der Stimmen und jagte damit Oliver Wehner (CDU) das Landtagsmandat ab. Dieser erhielt 2 877 Stimmen weniger und kam auf 27,7 Prozent der Stimmen. Selbst in seiner Heimatort Liebstadt landete Wehner hinter dem AfD-Mann. Er kam zur Landtagswahl 2014 noch auf 37,3 Prozent der Erststimmen, was für das Direktmandat reichte.

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Für Jan Zwerg war es „ein sensationelles Ergebnis“, wie er sagte. Dann zog sich die AfD auf das Ausflugsschiff „Gräfin Cosel“ zurück, das am Terrassenufer in Dresden lag. Dort wurde der Wahlerfolg lautstark gefeiert.

Im Wahlkreis 50 hatten die Wählerinnen und Wähler die Auswahl aus zwei Frauen und sieben Männern, die sich für das Direktmandat bewarben. An dritter Position landete Lutz Richter (Die Linke) mit 10,6 Prozent. Der Landtagsabgeordnete war 2014 über die Landesliste der Linken ins Parlament eingezogen. Dort nominierte ihn seine Partei zwar auch diesmal, allerdings nur auf Platz 16. 

Weil die Partei aber erheblich an Zustimmung eingebüßt hat, reicht der Platz nicht aus. Richter wird also sein Abgeordnetenmandat verlieren. „Das Ergebnis ist bitter“, sagt er. Im Wahlkampf wurde ihm immer wieder das Thema Flüchtlinge als Grund genannt, warum dieses Mal Wähler zur AfD wechseln werden. „Wir werden deshalb unsere Politik jetzt nicht nach rechts verschieben“, sagt Richter. Wenn soziale Themen wie etwa Rente von der AfD mal konkret beantwortet werden müssten, hofft Die Linke, wieder Wähler zurückzugewinnen.

Ralf Wätzig holte zwar die viertmeisten Erststimmen, und mit 6,6 Prozent schnitt er besser ab als seine Partei, die SPD (6,4). Damit lagen die Sozialdemokraten aber unter dem landesweiten Ergebnis und trugen somit zum weiteren Abschwung für die SPD in ganz Sachsen bei. Fast gleich viele Stimmen holten Martin Kusic (Grüne) und Dirk Rohrbeck (Freie Wähler). Der Polizist Rohrbeck schaffte mit 6,1 Prozent ein gutes Ergebnis. Seine Partei kam aber trotzdem nicht über die Fünf-Prozent-Hürde.

© SZ-Grafik

Norbert Bläsner schaffte es auf der Landesliste der FDP zwar weit nach vorn, auf Platz sieben. Dafür wären fünf Prozent der Wählerstimmen ausreichend gewesen. Den gesamten Wahlabend lag die Partei nur knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde. Daran hat sich bis in die Nacht nichts geändert. Norbert Bläsner wird also Amtsleiter in Dürrröhrsdorf-Dittersbach bleiben und nicht in den Landtag einziehen. Dort hatte er am Wahlabend auch zu tun. Sein kurzer Kommentar zur Wahl: „Wir sind als FDP natürlich enttäuscht. Die Gründe für das Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde werden wir aufarbeiten müssen“, erklärt Bläsner. Als einen Grund sieht er den Zweikampf von CDU und AfD, der vieles überlagert habe.

Dass Doris Kamke (Büso) keine Chance haben würde, war klar. Gespannt verfolgten jedoch die Fans von Frauke Petry (Blaue Partei), wie diese sich ohne AfD-Parteibuch schlagen würde. Sie kam am Ende auf lediglich zwei Prozent der Erststimmen. Das dürfte eine große Enttäuschung für ihre Partei sein.

Die gab sich sogar den Zusatz im Namen: #teampetry. Der Name zog aber nicht wie gewünscht. So verliert Petry zwar ihr Landtagsmandat, das sie 2014 noch als AfD-Frontfrau holte. Die Wählerinnen und Wähler haben ihr ihren Wechsel nicht verziehen. Ihr Bundestagsmandat übt sie aber weiter aus.

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Neben Oliver Wehner, der auch 2009 erfolgreich war, waren bei der Landtagswahl vor fünf Jahren auch vier andere Direktkandidaten damals schon angetreten. Ralf Wätzig (SPD) kam damals auf 11,9 Prozent, Norbert Bläsner (FDP) auf 4,4 Prozent. Richter und Kamke traten damals im benachbarten Wahlkreis 51 an und schafften 16,0 beziehungsweise 0,7 Prozent.

Sämtliche Parteien haben in dieser Woche Treffen angesetzt, auf denen sie die Wahlergebnisse auswerten wollen.

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