merken
PLUS

Riesa

Normal bis nervös

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus sind in Riesa spürbar. Vieles läuft aber auch wie gewohnt.

Im Riesaer Real wird per Aufsteller um Bezahlung per Karte gebeten. Ein Mehr an physischer Distanz ist in Zeiten von Corona eines der Gebote, um die Ausbreitung des neuartigen Virus' zu verlangsamen.
Im Riesaer Real wird per Aufsteller um Bezahlung per Karte gebeten. Ein Mehr an physischer Distanz ist in Zeiten von Corona eines der Gebote, um die Ausbreitung des neuartigen Virus' zu verlangsamen. © Sebastian Schultz

Riesa. Küchentücher und Toilettenpapier: Wenn auch in handelsüblichen Mengen, so sind es doch diese schon seit Tagen gefragten Waren, die auch im Riesaer Riesapark am Montagvormittag einige Einkäufer aus dem dortigen Aldi tragen. 

Es ist Tag eins einer Woche, zu deren Beginn weitere Maßnahmen verkündet werden, mit denen die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt werden soll. Viele öffentliche Einrichtungen, darunter Stadtverwaltungen und Bibliotheken, schließen für den Besucherverkehr. Nachmittags macht die Betreiberin des Riesaer Hallenschwimmbades, die Firma Magnet, bekannt, dass das Bad bis auf Weiteres schließt. Zu dem Zeitpunkt ist das Kino bereits zu.

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Anders viele  Geschäfte, zum Beispiel im Riesapark. Der dortige Großparkplatz wirkt für einen Montagvormittag ganz gut gefüllt. Und gerade in den großen Einkaufsmärkten wie Real oder Aldi wirkt die Szenerie, wie man sie auch von anderen Tagen kennt: Menschen schieben leere Einkaufswagen in die Läden, während andere mit gefüllten herauskommen. Auch im Toom-Baumarkt kaufen Hand- und Heimwerker, was sie gerade benötigen. Bei Real jedoch hat sich zum Aufsteller am Eingang, der über den Verkauf der Handelskette informiert,  nun aber noch ein weiterer Aufsteller hinzugesellt. Darauf bittet das Unternehmen seine Kunden, statt in bar lieber mit Karte zu zahlen.

Trotz aller Berichte über Hamsterkäufe: Von leeren Regalen ist in den Einkaufsläden wenig zu sehen. Bis zum Einbiegen in die Drogerie-Abteilungen. Beim Klopapier sind die Regale vielfach leer. Auch dort, wo sonst Seifenpackungen stehen, herrscht in den Auslagen große Leere, fallen teils nur noch die Preisschilder ins Auge. Offenbar folgen viele Menschen den Hygiene-Empfehlungen: Gründliches Händewaschen gehört zu den wichtigsten Vorkehrungen in der momentanen Situation.

Hygiene ist auch das Stichwort im Riesaer Zentrum. Im Drogeriefachmarkt dm kassieren Mitarbeiterinnen mit Handschuhen. Das scheint aber insgesamt eher eine Ausnahme. In vielen anderen Geschäften wird der Zahlungsverkehr – sei es durch Bargeld oder Karte – mit einem kurzen Moment Körperkontakt abgewickelt.

Den will man offenbar im Kaufland in der Elbgalerie ein Stück weit vermeiden. Am Tresen neben dem Eingang, wo sonst mitgebrachte Beutel zur Aufbewahrung abgegeben werden können, wird auf diesen Service momentan verzichtet. Aus Hygienegründen, wie es heißt. Nur wenige Meter weiter riecht es an diesem frühen Nachmittag beißend nach Desinfektionsmittel. Die Mitarbeiterin eines Imbiss' hat die Tische damit gereinigt. 

Wer jedoch Desinfektionsmittel in der Drogerie kaufen will, stößt zum Beispiel im Rossmann in der Elbgalerie auf ein gelbes Schild, das davon kündet, dass dieses Produkt momentan nicht mehr zu haben ist.

Was es derzeit mehr als sonst zu geben scheint, sind freie Parkplätze auf dem Pendlerparkplatz an der Kolonie, oberhalb des Bahnhofs. Möglicherweise machen sich Regelungen, dass Leute von Zuhause arbeiten sollen oder dürfen, bemerkbar. Das passt zu den Berichten von Pendlern, wonach am Morgen schon in den Zügen deutlich weniger los war als sonst. Am Busbahnhof steigen derweil einige Leute aus einem Linienbus – aber nur aus den hinteren Türen. Vorn, beim Fahrer, bleibt die Tür zu. Auch eine neue Regelung, um die Corona-Ausbreitung einzudämmen. 

Trotz Coronakrise und den damit verbundenen Schließungen, Engpässen, Beruhigungen und Änderungen, die auch in Riesa sichtbar sind: Zum Erliegen ist das öffentliche Leben an diesem Montag in der Stadt nicht gekommen. Auf dem Mannheimer Platz sitzen bei sonnigem, frühlingshaftem Wetter viele Menschen im Außenbereich des Eiscafé Roma und trinken einen Cappuccino. An der Niederlagstraße lässt sich ein junger Mann im Anzug auf einer Bank einen Döner schmecken. Auch im Riesapark hatten am Vormittag etliche Besucher in den dortigen Imbissen gesessen und es sich schmecken lassen.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Sachsen nimmt weitere Corona-Patienten auf

Flugzeuge aus Frankreich und Italien gelandet. Erntehelfer dürfen unter Auflagen doch einreisen. Jetzt 2.411 infizierte Sachsen: unser Newsblog.

Auf der Hauptstraße sind am Nachmittag Jugendliche unterwegs, sie tippen auf ihren Smartphones herum, lachen, schäkern miteinander. Familien laufen Hand in Hand durch die Innenstadt. Radfahrer treten in die Pedale. Vieles wirkt ganz normal, unbeschwert. Und doch: Als eine ältere Frau ein Geschäft verlässt und krächzend in die Armbeuge hustet, wenden sich mehrere Köpfe in ihre Richtung. Eine gewisse Nervosität scheint es zu geben. Es verwundert angesichts der ernsten Lage kaum.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!