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Zwischen Oktober-Revolution und Putzfrauen-Internationale

In dieser Woche ist nicht zu viel los an kulturellen Angeboten. Das politische Görlitz wird der Reichspogromnacht gedenken.

Von Ralph Schermann

Diese Woche wird politisch, und kaum jemand bekommt es mit. Schon seit 24 Jahren erinnert kein Transparent mehr an die Oktoberrevolution (8. November). Königshufener wissen das nicht mehr, seit ihre Revolutionsstraße schlesisch umbenannt wurde. Vielleicht werden es selbst die Don Kosaken nicht mehr wissen, die am 10. November, 16 Uhr, in der Reichenbacher St. Johannes-Kirche Lieder schmettern. Den Weltjugendtag (10. November) kennt man nur aus dem Kalender) und um den Fall der Mauer (9. November) wird es erst 2014 wieder laut, weil der sich dann zum 25. Mal jährt. Dass am 9. November der erste Aufstand gegen die Monarchie mit Robert Blums Hinrichtung endete (1848) und Philipp Scheidemann die erste deutsche Republik ausrief (1918) – wer schaut schon in Geschichtsbücher? Bleibt das Gedenken an die Reichspogromnacht, die ein rundes Jubiläum hat: 75 Jahre. Die evangelische Innenstadtgemeinde erinnert daran mit einer Ökumenischen Andacht am 9. November, 18 Uhr, in der Frauenkirche. Anschließend wird nach einer Kerzenprozession zur ehemaligen Synagoge OB Siegfried Deinege einen Kranz niederlegen und der Förderkreis Synagoge eine Lesung mit musikalischer Begleitung anbieten.

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Diese Woche wird erfinderisch, was aber auch keinen mehr wirklich interessiert. Zwar gibt es einen Welttag der Wissenschaft (10. November) und einen internationalen Tag der Erfinder (9. November), doch wer weiß das schon. Lange vergessen ist der Tag des Chemiearbeiters, der einst ohnehin nicht weltweit, sondern nur ostwärts vor dem Mauerfall (9. November) galt. Was wird heute in Görlitz so erfunden? Wenig. Zumindest wird im Technischen Ausschuss der Stadt Görlitz am 6. November darüber informiert, warum die Erfindung der Kennzeichnung des Meridianverlaufs schon wieder verblasst. Beginn ist laut Plan um 16.15 Uhr, doch auch das ist nicht so ernst zu nehmen. Denn der Technische Ausschuss hält sich bekanntlich zumindest für die Öffentlichkeit nicht immer an die Erfindung der Uhrzeit.

Diese Woche wird erwartungsfroh. Vor allem Kinder werden nämlich das Wochenende herbeisehnen. Denn kaum geht die 45. Kalenderwoche unter, wird es lustig: Der 11. November schwappt auch über Görlitz. Schon liegt der Marmeladengeschmack der Martinshörnchen von Bäckermeister Raschke wieder auf der Zunge, werden die Umzugslampions geputzt und die Pferde für den Heiligen Martin gesattelt. Auch die Karnevalsfunken können den 11. 11. kaum noch erwarten. Zumindest die Kleinen vom Kinderheim Weinhübel erwartet aber bereits am 8. November ein Tobeknüller. Gemeinsam mit Pressevertretern dürfen sie vorab schon einmal die nagelneue Spielelandschaft im Biesnitzer Rosenhof testen, die dann am 16. November offiziell für alle öffnen wird.

In dieser Woche sind also summa summarum besondere Höhepunkte rar. Klar gibt es die ganze Palette der bekannten Termine: Museen, Theater, Vorträge, Kino und so weiter. Die SZ weist täglich auf ihrer Service-Seite darauf hin. Schüler und Lehrer werden beklagen, dass die Herbstferien zu Ende sind, Gastwirte die Touristen vermissen. Was also tun? Kleiner Tipp: Nutzen Sie einfach offene Zeitfenster, um selbige klarzuspülen. Mit solcherart Herbstreinigung werden Sie dann wenigstens einem Ehrendatum dieser Woche noch gerecht: Am 8. November ist der Internationale Tag der Putzfrau …