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Großenhain

Zwischen Webrahmen und Schmiedefeuer

Das Zabeltitzer Bauernmuseum lockte zur Saisoneröffnung mehr als 1 000 Besucher an.

Die Geschwister Sarah Marie (11) und Hanna Mira (8) (v.r.) sind Experten am Webrahmen. Unter der Leitung von Ralph-Torsten Lincke nahm das Museum Unterwegs mit seiner Aktion „Wie Kinder früher spielten“ an der Eröffnung teil.
Die Geschwister Sarah Marie (11) und Hanna Mira (8) (v.r.) sind Experten am Webrahmen. Unter der Leitung von Ralph-Torsten Lincke nahm das Museum Unterwegs mit seiner Aktion „Wie Kinder früher spielten“ an der Eröffnung teil. ©  Anne Hübschmann

Großenhain.  Was wissen Kinder noch darüber, wie ihre Urgroßeltern auf dem Land lebten? Im Zabeltitzer Bauernmuseum können sie eine Menge darüber erfahren. Und vor allem: Sie bekommen es von anderen Kindern vermittelt. Seit vorigem Jahr beschäftigt sich eine Gruppe von Grundschülern aus dem Röderdorf mit dem Thema „Wie das damals war“. 

Sie haben selbst Apfelsaft gepresst, am Webrahmen gesessen und gebuttert. Sie haben kleine Trickfilme mit Legofiguren gedreht, die sich im Bauerngarten zu schaffen machen. Und sie haben in Bastelstunden viele Szenen des Landlebens nachgestellt. Ihre Präsentation stand am Mittwoch bei der Saisoneröffnung im Mittelpunkt des Interesses.

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Martin Becher aus Ostrau zeigte sein Können beim Kunstschmieden.
Martin Becher aus Ostrau zeigte sein Können beim Kunstschmieden. ©  Anne Hübschmann

„Die Idee ist eigentlich bei einem vorangegangenen Kurs entstanden“, erklärt Projektleiter Ralph Torsten Lincke von der Dresdner Zukunftswerkstatt. Er habe im Rahmen eines Naturprojekts mit den Kindern auch das Bauernmuseum besucht. Da sei ihm ein Junge aufgefallen, der den anderen professionell einen Futterstampfer erklärte, und die hätten sehr interessiert zugehört. Das neue Projekt vereint Historie mit Multimedia, Dinge zum Anfassen mit Elektronik. „Der eine hat mehr Bock auf Museum“, sagt Lincke, „der andere auf Filme, und das ergänzt sich.“ Am Mittwoch wurden nicht nur die kleine Lego-Tricksequenzen vorgeführt, sondern auch eine Kartoffelsortier- und Wasch-Strecke.

Die Eröffnungsveranstaltung des Bauernmuseums ist einer der kulturellen Höhepunkte im Zabeltitzer Dorfleben, der jedes Jahr um die 1.000 Besucher anzieht. Die musikalische Umrahmung übernimmt der Spielmannszug, der im Dreiseithof sein erstes Freiluftkonzert des Jahres veranstaltet. 

Vorm Gebäude wird ein kleiner Markt abgehalten, auf dem regionale Händler ländliche Produkte feilbieten. Natürlich ist auch das ortsansässige Handwerk vertreten – die benachbarte Bäckerei Haase etwa oder der Imker Fritz Woitaß. Im Hof selbst, im Garten und in den Gebäuden werden Handarbeiten, wie Federnschleißen, Spinnen und Papierschöpfen, vorgeführt.


Im Haupthaus des Bauernmuseums saßen fünf Damen zusammen beim gemeinsamen Federnschleißen.
Im Haupthaus des Bauernmuseums saßen fünf Damen zusammen beim gemeinsamen Federnschleißen. ©  Anne Hübschmann

Kunstschmied Martin Becker baut seinen Amboss zum ersten Mal im Garten des Zabeltitzer Bauernmuseums auf. Der Ostrauer hat sich schon in mehreren Berufen ausprobiert, unter anderem als Biobauer. Aber seine wirkliche Leidenschaft gilt dem heißen Eisen. „Mal sehen, ob heute jemand mitmachen will und dabei Feuer fängt“, sagt er. In Oschatz habe er derzeit einen Kurs mit acht Männern laufen, die Messer in klassischen Formen aus der Keltenzeit schmieden. 

Wer sich ernsthaft mit dem Handwerk weiterbeschäftigen will, bekommt sogar eine Anleitung, wie er sich zu Hause eine Mini-Schmiede einrichten kann. Der Schmied sei früher der Spezialist im Dorf gewesen, sagt Becker. Derjenige, der Sachen machen konnte, die der Bauer auf seinem Hof nicht hinbekam und der deshalb hoch geachtet wurde.

Der Zabeltitzer Spielmannszug sorgte für die musikalische Unterhaltung.
Der Zabeltitzer Spielmannszug sorgte für die musikalische Unterhaltung. ©  Anne Hübschmann

Zum Zabeltitzer Bauernmuseum gehören ein Wohnhaus mit Wohn- und Wirtschaftsbereich, ein Hornviehstall, die Scheune und ein Auszugshaus, in dem früher die Altbauern wohnten. Um 1810 errichtet, stand der sehenswerte Fachwerkbau kurz vor dem Verfall, als er von der Gemeinde 1981 übernommen wurde und ab 1982 saniert und als Museum ausgebaut wurde. 

Die Wohnräume sind wie zu Urgroßmutters Zeiten eingerichtet. Im Wirtschaftsbereich ist eine Unmenge alter landwirtschaftlicher Geräte ausgestellt. „Wir sind gerade dabei, eine Inventur zu machen“, sagt Großenhains Museums-Chef Jens Schulze-Forster. Die Exponate sollen bestimmt, sortiert und einer bestimmten Auswahl unterzogen werden. Momentan stehe einfach zu viel herum, und bei vielen Gegenständen sei auch nicht klar, aus welcher Zeit sie stammen. 

Am Ende soll die Bauernküche so aussehen, wie sie vor 100 Jahren wirklich war, und nichts aus späteren Jahrzehnten enthalten. Schulze-Forster will auch die Museums-Öffnungszeiten erweitern. Er habe seit dem Wochenende eine Mitarbeiterin aus dem Bundesfreiwilligendienst, die in Zabeltitz eingesetzt werden soll. Dadurch könnte das Bauernmuseum an Feiertagen wie Pfingsten oder zu Traditionsveranstaltungen wie dem Hubertusfest und dem Frühlingsfeuer besucht werden, und das schon am Vormittag.