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Zwischenfall an der Tankstelle

Weil ihr ein Autofahrer die Vorfahrt nimmt, muss eine Radfahrerin eine Vollbremsung machen und stürzt. Es gibt viele Fragezeichen.

Beim Ausfahren aus dieser Tankstelle kam es zu einem Zwischenfall zwischen einem Autofahrer und einer Radfahrerin. Nun sah man sich vor Gericht wieder.
Beim Ausfahren aus dieser Tankstelle kam es zu einem Zwischenfall zwischen einem Autofahrer und einer Radfahrerin. Nun sah man sich vor Gericht wieder. © Norbert Millauer

Meißen/Radebeul. Es ist wenig Verkehr an jenem Septemberabend in Radebeul, und dennoch kommt es an einer Tankstelle zu einem Beinaheunfall, der nun sogar vor Gericht landet. Ein Autofahrer soll beim Ausfahren aus der Tankstelle nach links abgebogen sein und dabei einer Radfahrerin die Vorfahrt genommen haben.

Um einen Zusammenprall zu verhindern, habe die Frau eine Vollbremsung gemacht, sei in die Straßenbahnschienen geraten und gestürzt. Dabei zog sie sich leichte Verletzungen wie eine Knieprellung zu. Auch das Fahrrad wurde beschädigt, sie selbst spricht von einem Schaden von rund 100 Euro. 

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Nach dem Zwischenfall soll der Autofahrer, ein 41-jähriger Radebeuler, einfach weitergefahren sein, ohne sich um die Frau zu kümmern. Fahrlässige Körperverletzung und unerlaubtes Verlassen des Unfallortes wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Sturz aufs operierte Knie

Die Geschädigte freilich schildert das Geschehen anders. Ja, sie habe den Radweg nicht benutzt, sondern sei auf der Straße gefahren, gibt sie zu. „Es war ja kaum Verkehr“, rechtfertigt sie sich. Das Auto habe schon eine Weile an der Tankstellenausfahrt gestanden. 

Obwohl sie den Arm rausgehalten habe zum Linksabbiegen, sei das Auto ziemlich schnell herausgefahren. „Das Auto hat mich geschnitten, sodass ich eine Vollbremsung machen musste“, sagt sie. Sie fällt auf das linke Knie, das kurz zuvor operiert wurde. Später muss sie sich einer weiteren Operation unterziehen. Es ist allerdings unklar, ob dies etwas mit dem Sturz zu tun hat.

Der Angeklagte räumt ein, an jenem Tag an der Tankstelle gewesen zu sein. Sein Abbiegevorgang sei aber schon beendet gewesen, als ihm die Radfahrerin mitten auf der Straße entgegengekommen sei. Sie habe den Radweg nicht benutzt.

Dennoch: Die Vorfahrt habe er ihr nicht genommen, es habe keinen Vorfall gegeben. Im Rückspiegel habe er gesehen, dass die Frau gestürzt sei. Mit ihm habe das aber nichts zu tun gehabt. Er sei weitergefahren, auch deshalb, weil er gesehen habe, dass sich eine andere Frau um die Gestürzte kümmerte. 

„Es kamen sofort Leute, die geholfen haben“, sagt der Mann. Weder an ihn noch an seine Versicherung wurden von der Frau Forderungen gestellt. Das kann allerdings auch damit zusammenhängen, dass die damals 21-Jährige von Arbeit kam, es sich um einen Wegeunfall handelte. Dann springt die Berufsgenossenschaft ein.

Geschädigte beschreibt anderes Auto

Auch anderes ist unklar. Zum Beispiel: War es in dem anderen Auto überhaupt der Angeklagte? Glaubt man den Schilderungen der Zeugin, so handelte es sich um ein türkisfarbenes, hohes Auto, wohl ein SUV mit Dachreling. Wenn das stimmt, kann es nicht der Radebeuler gewesen sein. 

Auf ihn ist die Polizei durch Auswertung der Aufnahmen von Überwachungskameras der Tankstelle gekommen. In der fraglichen Zeit tankten dort zwei türkisfarbene Autos, die in einigen Minuten Abstand die Tankstelle verlassen haben. Zu sehen ist nur der Tankvorgang, nicht das Wegfahren. Allerdings hatte der Angeklagte selbst eingeräumt, dass er den Sturz beobachtet hat. So steht mindestens eine unterlassene Hilfeleistung im Raum.

Auch weil die Sache schon fast zwei Jahre her ist, beantragt der Staatsanwalt, die Sache gegen eine Geldauflage von 500 Euro einzustellen. Der Angeklagte und sein Verteidiger willigen sofort ein. Wäre der Mann wegen Unfallflucht verurteilt worden, hätte er nicht nur mit Punkten in Flensburg, sondern möglicherweise auch mit einer Führerscheinmaßnahme rechnen müssen. 

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