merken
PLUS

Zwölfeckhaus soll Schmuckstück werden

Der Erfinder des Hauses besuchte den Bürgermeister. Beide wollen die Optik verbessern. Doch noch sind ihnen die Hände gebunden.

Von Marleen Hollenbach

Er hat Wort gehalten. Schon vor einigen Wochen hatte der bekannte Dresdner Architekt Manfred Zumpe angekündigt, Ottendorfs Bürgermeister zu besuchen. Jetzt hat er es auch wirklich getan. Und Manfred Zumpe kam nicht mit leeren Händen. Er hatte ein Bild des Zwölfeckhauses dabei. Das erste Gebäude dieser Art steht an der Radeburger Straße in Ottendorf-Okrilla. Manfred Zumpe ist der Erfinder. Über 30 Jahre ist das Haus schon alt. Und das sieht man dem maroden Gebäude auch an. Dass hier bald etwas getan werden muss, sagen nicht nur die Bewohner des Hauses. Auch die Gemeindeverwaltung sieht das so. Doch bei den klammen Kassen ist eine Renovierung des Gebäudes nicht von heute auf morgen möglich. Deshalb wird derzeit in Ottendorf-Okrilla auch darüber gesprochen, ob man das markante Haus in der Nähe des Ottendorfer Rathauses behalten oder verkaufen möchte. Grund genug für den Dresdner Architekten Manfred Zumpe, sich in die Diskussion mit einzumischen. „Ich kenne viele Mieter im Haus, weiß, dass die dort unbedingt wohnen bleiben wollen und sich auch wünschen, dass das Gebäude in den Händen der Gemeindeverwaltung bleibt“, sagt er.

Anzeige
Ist Ihr Auto fit für den Urlaub?
Ist Ihr Auto fit für den Urlaub?

Kostenlos gibt es aktuell bei pitstop einen Sommer-Check für Ihr Auto. Ein solcher Check ist unbedingt empfehlenswert vor Antritt der Fahrt in den Urlaub.

Mieter wollen nicht warten

Mit seinem großen Foto hat der Architekt zumindest Ottendorfs Bürgermeister Michael Langwald (parteilos) von der Optik des Ottendorfer Zwölfeckhauses überzeugt. Schaut man das Gebäude heute an, dann kommt wenig Begeisterung auf. Der Putz rieselt von der Hauswand. Trostlos wirkt die Fassade, verlassen sieht der Eingangsbereich aus. Nur die roten Balkons sorgen für ein wenig Farbe am tristen Gebäude. Doch vor 30 Jahren war das noch anders. „Ich bin erstaunt, wie schön das Haus eigentlich war. Damals hat es gleich ein ganz anderes Bild ergeben“, sagt der Bürgermeister, der dem Vortrag des Architekten aufmerksam folgte. Das hat einen Grund. Vor Jahren wurde am Haus schon einmal renoviert. Damals ging es vor allem darum, die Wärmedämmung zu verbessern. Auf die Optik wurde wenig Wert gelegt. Leider auch nicht auf die Haltbarkeit. Das sagt zumindest Manfred Zumpe. Er ist sich sicher, dass hier an der falschen Stelle gespart wurde. „Die Gemeinde hat bei der Sanierung damals viele Fehler gemacht“, sagt er. Doch der Architekt macht auch Hoffnung. „Mit ein bisschen Aufwand kann man dem Gebäude wieder zum alten Glanz verhelfen“, erklärt Manfred Zumpe. Wie das geht, weiß der Architekt und würde der Gemeinde auf Wunsch auch gern beratend zur Seite stehen. An sich hat auch Ottendorfs Bürgermeister nichts gegen diese Hilfe einzuwenden. „Ich würde gern auf das Angebot von Herrn Zumpe zurückkommen“, sagt Michael Langwald.

Doch der Gemeindeverwaltung sind derzeit noch die Hände gebunden. Eine Grundsatzentscheidung steht noch aus. Und die möchte der Ottendorfer Bürgermeister auch abwarten. Erst wenn sich die Gemeinderatsmitglieder für den Erhalt des Gebäudes aussprechen, kann die Verwaltung weiter planen. „Sollte sich dabei zeigen, dass wir das Haus behalten, dann werden wir genau auflisten, was wann getan werden soll“, sagt Michael Langwald und geht sogar noch einen Schritt weiter. Der Bürgermeister von Ottendorf-Okrilla könnte sich auch vorstellen, aus dem Gebäude eine Art Künstlerhaus zu machen, es also nicht nur zu renovieren, sondern gleich zu einem richtigen Blickfang auszubauen. „Wir müssen uns auf jeden Fall überlegen, wie wir die Optik des Hauses verbessern können“, sagt Langwald.

Schöne Pläne sind das, die sicherlich auch die zahlreichen Mieter im Haus gern hören. Für die Bewohner ist aber nicht nur die Optik des Zwölfeckhauses entscheidend. Sie wollen vor allem, dass die Renovierung so schnell wie möglich über die Bühne geht. Viele klagen über unzumutbare Zustände. So wünscht sich die 89-jährige Ruth Dietrich, dass die Balkons und vor allem auch die leer stehenden Wohnungen instand gesetzt werden.

Die Anwohner sehnen sich auch nach klaren Verhältnissen. Sie wollen schon heute wissen, ob die Gemeinde das Haus behält oder nicht. Denn die Angst ist da: Wenn die Gemeinde das Zwölfeckhaus verkauft, dann könnten ja auch die Mieten steigen. Und das können sich – Sanierung hin oder her – viele Mieter nicht leisten. Eine Entscheidung muss her. Die fällt vielleicht schon in diesem Sommer.