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Zwottels abenteuerliche Reise rund um die Welt

Das Schloss im Müglitztal lädt zum 20. Hexenfasching ein. Kinder wie Erwachsene erwartet internationaler Klamauk.

© Thomas Morgenroth

Von Thomas Morgenroth

Weesenstein. „Da müsste noch was rein“, stellt Matthias Ullrich fest, als er die leeren Sandsäcke befühlt. Heu zum Beispiel. „Das klaue ich von meinen Kaninchen“, sagt der 45-jährige Tankstellenwart aus Niedervogelgesang und feixt. Dann hängt er trotzdem die schlaffen Jutebeutel an die Reling der Gondel, um deren Wirkung zu testen. „Sieht aus wie echt“, stellt er grinsend fest. Wie auch der Ballon, der seit gestern über einem Durchgang des Vorschlosses des Weesensteins an der Dachrinne hängt. Himmelblau ist er, mit bunten Flicken. Zusammengenäht aus Bettlaken und einem Vorhang, den Ullrich sonst für seine Aufführungen als lebensgroßer Kasper nutzt.

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Morgen wird er das erste Mal mit diesem Ballon im Müglitztal stranden. Als Tante Ambrosina. Und mit ihm Thomas Schwalbe als sein Neffe Zwottel und Peer Tomaschewski als Oma Schrappnelda. Auf Schloss Weesenstein endet die abenteuerliche Weltreise der drei wunderlichen Gestalten, und das nur deshalb, weil Ambrosina, um das Gewicht zu reduzieren, außer den Sandsäcken auch die Zwiebeln abgeworfen hat. Diese werden aber für den Auftrieb gebraucht, es ist ein Gasballon – und Oma Schrappnelda der lebende Vergaser.

Auf Umwegen nach Südamerika

Wie das funktioniert, führt das närrische Trio beim 20. Weesensteiner Hexenfasching vor. Lustig wird es mit Sicherheit, wenn Zwottel, Tante und Oma von ihren erstaunlichen Erlebnissen berichten. Eigentlich wollten sie ja nur Kakao kaufen, da fiel es Schrappnelda ein, doch mal selber welchen zu pflücken – in Südamerika.

Weil Zwottel aber den Kompass falsch deutet, geht es nicht auf direktem Wege dorthin. Die Ballonfahrt führt über alle Kontinente. Unterwegs lernen Zwottel, Schrappnelda und Ambrosina ferne Länder und Kulturen kennen. Ihr Wissen teilen sie auf unterhaltsame Weise mit ihren Gästen auf dem Weesenstein. An verschiedenen Orten: Im Rittersaal ist Afrika, da erklärt Zwottel die Funktionsweise der berühmten Buschtrommel, und Schrappnelda zeigt, dass Kokosnüsse nicht mit einem Schlag gegen den Kopf anderer Menschen zu öffnen sind, sondern mittels einer leichten Drehung entgegen dem Uhrzeigersinn.

Aus Kakaobohnen wird Schokolade

Weitere Stationen sind Russland im Rittersaal, Arabien mit Schlangenbeschwörung im Kreuzraum sowie Indien und China im Konzertsaal. Zum Finale im Großen Saal rösten die Weltreisenden ihre Kakaobohnen, die, dank einer genialen Maschine, binnen Sekunden zu Schokolade werden, Zwottels Hauptnahrungsmittel.

„Da muss ich diesmal nicht die Besucher anbetteln“, sagt Thomas Schwalbe. Der 46-jährige Sozialtherapeut, der bei der Diakonie in Dresden mit Behinderten arbeitet, hatte mit Dippolds Erben einst den Hexenfasching begründet. Seit drei Jahren hat er mit Ullrich und Tomaschewski zwei erfahrene Darsteller an seiner Seite. Während Ullrich häufig im Spreewald einen Kapitän mimt, ist der 48-jährige Bahretaler Tomaschewski, der bei der Wismut in Königstein arbeitet, künstlerischer Leiter des Amateurtheaters „Die Trostpflastersteine“.

Und gestern waren sie versierte Handwerker, die unter Ullrichs Federführung sogar einen Ballon bauten, den schönsten, den Weesenstein je gesehen hat.

Hexenfasching auf Schloss Weesenstein, öffentlich am 6., 7. und 9. Februar, jeweils 15 Uhr; geeignet für Kinder ab 5 Jahren; Eintrittskarten gibt es im Museumsladen, 035027 62629, um Kostümierung wird gebeten.