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Pochra verändert sein Gesicht

Die Stadt will den Dorfteich sanieren. Auch sonst tut sich einiges im Ort.

© Lutz Weidler

Von Stefan Lehmann

Riesa. Geht es nach dem Entenpaar, dann ist die Badesaison eröffnet. Gemütlich ziehen die beiden auf dem Teich in Pochra ihre Bahnen, keine zwei Meter daneben lassen sich einige Kröten an der Oberfläche treiben. Den tierischen Badegästen mag das gerade mal 185 Quadratmeter große Gewässer recht sein, doch in Pochra ist man überzeugt: Hier sollte sich dringend etwas tun. Am Donnerstag ist der Teich Thema im Bauausschuss der Stadt. Die Ortschaftsräte hatten sich schon einige Zeit dafür eingesetzt, dass an dem Gewässer etwas passiert, erklärt Rosel Brodkorb. „Der Teich ist wirklich in keinem guten Zustand“, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Ortschaftsrats. Ein direkter Nachbar des Teichs bestätigt das: Dietmar Behnisch ist auf dem benachbarten Hof aufgewachsen. „Im Winter sind wir auf dem Teich immer Schlittschuh gelaufen“, erzählt der 61-Jährige und lacht. Die steile, 1,80 Meter hohe Mauer sei wohl 1972 errichtet worden. „Ich weiß das noch, weil ich damals Einschulung hatte.“ Seitdem habe sich viel Schlamm im Teich abgelagert, etwa 80 Zentimeter sollen es sein.

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Heute fährt niemand mehr Schlittschuh auf dem Wasser, auch als Viehtränke wird der Teich nicht mehr genutzt. Für die Feuerwehr ist er ebenfalls schon lange nicht mehr relevant – das Löschwasser kommt heute auch in Pochra aus Hydranten. „Uns als Ortschaftsrat ging es vor allem darum, einer Gefährdung vorzubeugen“, sagt Rosel Brodkorb. Vor allem das Ufer gegenüber der Straße ist ein Problem: An den Steinschwellen könnte man leicht abrutschen, so die Befürchtung.

Geplant ist nach Angaben der Riesaer Stadtverwaltung eine etwas naturnähere Umgestaltung, aus dem Teich würde dann ein Graben mit einer neuen, flacheren Uferbefestigung werden. Zur Debatte steht auch, den Teich vollständig naturnah zu gestalten – doch das würde auch einen höheren Aufwand für Sanierung und Pflege bedeuten. Für die vorgeschlagene Variante rechnet die Stadtverwaltung mit Kosten von mehr als 60 000 Euro, die sie aber wohl nicht allein tragen müsste. Die geplante Umgestaltung sei „grundsätzlich förderfähig“, so heißt es in der Beschlussvorlage der Stadt. Bis gebaut wird, werden wohl noch zwei Jahre vergehen. Im Bauausschuss soll dem Projekt aber der Weg geebnet und Geld für die Planung der Arbeiten freigegeben werden. „Das ist ja schon mal was“, sagt Rosel Brodkorb.

Vereinstreff in der alten Feuerwehr

Der Satz mag klingen, als würde sich in Pochra nichts tun. Von Stillstand kann aber eigentlich keine Rede sein. Ganz im Gegenteil, die Gegend ist gefragt, sagt die Ortschaftsrätin. „Es ist längst nicht so, dass hier nur noch ältere Leute wohnen würden.“ Das zeigt schon ein schneller Blick durch den Ort, der seit mehr als 40 Jahren zur Stadt Riesa gehört. In den vergangenen Jahren wurde viel neu gebaut und renoviert. So stehen neben alten Gehöften heute auch schmucke Einfamilienhäuser, in denen junge Familien leben. So schiebt auch am Montagnachmittag eine junge Frau ihr Baby im Kinderwagen durch den Ort, während einige hundert Meter entfernt ein Hahn kräht.

Zentrum des Dorflebens ist auch heute noch das Vereinshaus, direkt gegenüber des Teichs. „Dort war früher mal die Pochraer Feuerwehr“, erzählt Anwohner Dietmar Behnisch. Heute organisiert der Verein hier Osterfeuer, finden Familientreffs und andere Feiern statt. Der Bus hält nach wie vor im Ort, sodass auch der fehlende Supermarkt nicht so schwer ins Gewicht fällt. Rosel Brodkorb bringt auf den Punkt, was wohl für viele neu Hergezogene den Reiz an Pochra ausmacht: „Hier herrscht die ländliche Ruhe, aber es ist trotzdem nicht weit in die Stadt.“ Von wegen verschlafenes Nest. Hier tut sich noch etwas – und das nicht nur am Ufer des alten Dorfteichs.