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Polen lieben Tierpark und Theater

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.com

In beiden Görlitzer Einrichtungen steigt die Zahl der Gäste aus dem Nachbarland.

Von Ines Eifler und Matthias Klaus

Görlitz. Der Tierpark Görlitz hat gerade einen Werbefilm fertiggestellt. Die Einrichtung möchte damit noch mehr Gäste aus dem Nachbarland anlocken. „Wir wollen nicht den Halbkreis, sondern den Vollkreis“, sagt Tierparkdirektor Sven Hammer. Sprich: Die Neiße soll nicht die natürliche Grenze für Tierparkgäste sein. Die Zahl der polnischen Besucher ist in den vergangenen Jahren im Zoo Görlitz konstant gestiegen. 2015 zählte der Tierpark noch etwa sieben Prozent polnische Gäste, inzwischen liegt der Anteil bei 15 Prozent.

„Wir leben Europa“, kommentiert Sven Hammer. Plakate in Polen, Aufsteller, die für den Görlitzer Zoo werden – all das gehört zur Strategie. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit Freizeitunternehmen jenseits der Neiße. Die Chancen, dass der Tierpark auch jenseits von Zgorzelec Gäste lockt, stehen gut: Die nächste vergleichbare Einrichtung gibt es in Breslau. Im Görlitzer Theater ist der Anteil der Besucher aus der Nachbarstadt nicht ganz so hoch wie im Tierpark, aber auch hier werden es immer mehr. „Wir führen keine Statistik an der Theaterkasse“, sagt Intendant Klaus Arauner, „aber gefühlt wächst der Anteil polnischer Besucher.“ Im Schnitt schätzt er diesen auf reichlich zehn Prozent. Die
Tanzvorstellungen, die Konzerte und Familienangebote wie die „Jungen Konzerte“

würden deutlich stärker nachgefragt. Dort liege der Anteil polnischer Besucher bei bis zu 25 Prozent. Dazu trägt bei, dass das Theater in Zgorzelec an Stellen wie im Rathaus, an Litfaßsäulen und in Schaukästen den Spielplan in polnischer Sprache veröffentlicht. Dass das Theater etwa acht Prozent polnische Mitarbeiter hat, spiele eine wichtige Rolle für die Mundpropaganda. Und letztlich wirkten die Aktivitäten des Theaters, sich auf polnischsprachige Besucher einzustellen. Seit Jahren werden die Operntexte übersetzt und laufen in polnischen Übertiteln sowie links und rechts der Bühne mit. „Dazu haben wir schon viele positive Rückmeldungen bekommen“, sagt Arauner. Veranstaltungen wie die Brückepreisverleihung würden simultan übersetzt, fremdsprachige Gäste können sie per Kopfhörer mitverfolgen.

„Aber natürlich wünschen wir uns ein immer volles Haus, mit polnischen und deutschen Gästen“, sagt der Intendant. Und er hofft, dass das Interesse der Zgorzelecer weiter wächst, wenn die neue, in Polen gebürtige Generalmusikdirektorin Ewa Strusinska ihre Arbeit aufgenommen hat. Sie werde in Zukunft mehr in Polen bekannte Werke zu Gehör bringen und polnische Solisten engagieren, sagt Arauner. „Aber auch allein schon, dass unsere Generalmusikdirektorin aus Polen stammt, wird uns dabei helfen, mehr Besucher aus dem Nachbarland zu gewinnen.“