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Polen liefert brutalen Autofahrer aus

Der 33-jährige Angeklagte rast in Richtung Zittau und soll mutwillig einen Polizisten überfahren haben.

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© dpa

Görlitz. Ein Autofahrer, der am 13. September in Zittau einen Polizisten angefahren und schwer verletzt hatte, ist am Mittwoch von den polnischen Behörden nach Deutschland ausgeliefert worden. Das teilten die Staatsanwaltschaft Görlitz und die Polizeidirektion Görlitz heute in einem gemeinsamen Schreiben mit. Der 33-jährige Mann war bereits am 30. Oktober aufgrund eines Europäischen Haftbefehls des Amtsgerichts Görlitz auf Antrag der Bezirksstaatsanwaltschaft Jelenia Góra (Hirschberg) in Auslieferungshaft genommen worden. Jetzt wurde er dem Haftrichter vorgeführt.

Der Autofahrer hatte am späten Abend des 13. Septembers 2015 an der Weinau in Zittau eine Kontrollstelle der Polizei durchbrochen. Zuvor war der Mann mit seinem Auto bereits mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Zittau gerast und hatte sich einer Kontrolle in Leuba entzogen. Beim Durchbruch kurz vor Zittau wurde ein 52-jähriger Bundespolizist rücksichtslos angefahren und schwer verletzt. Der Pkw-Fahrer flüchtete zunächst unerkannt nach Polen. An der Aufklärung des Falls hatten polnische und deutsche Polizei und Justiz gemeinsam gearbeitet und den Täter schließlich ausfindig gemacht.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Görlitz hat der Haftrichter jetzt einen neuen Haftbefehl gegen den polnischen Staatsbürger erlassen. Gegen ihn wird nunmehr wegen versuchten Totschlags ermittelt. „Aus den Feststellungen zur konkreten Situation, in der der Tatverdächtige den Polizeibeamten anfuhr, bestehen dringende Gründe für die Annahme, er habe den Eintritt unfallbedingt tödlicher Verletzungen zumindest billigend in Kauf genommen“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die Mordkommission der Kriminalpolizeiinspektion Görlitz hat die Ermittlungen übernommen. Dabei wird auch geprüft, worin das Motiv der Flucht und des Durchbrechens der Polizeikontrollen lag. Sollte sich ergeben, dass die Tat begangen wurde, um eine andere strafbare Handlung zu verdecken, kommt auch ein Verfahren wegen versuchten Mordes in Betracht. Totschlag ist mit Freiheitsstrafe von fünf bis 15 Jahren bedroht. Der Versuch kann milder bestraft werden.

Der im September angefahrene Polizeibeamte ist zwischenzeitlich nach Polizeiinformationen wieder genesen. (szo)