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Polen suchen auch in der Neißeaue nach Kupfer

Ein Bergbauunternehmen weitet seine Erkundungsbohrungen aus. Von Weißwasser aus soll es bis an die Neiße gehen.

Von Steffen Gerhardt und Tilo Berger

Die Gemeinde Neißeaue ist womöglich doch nicht so arm, wie sich das in ihrem Finanzetat gegenwärtig darstellt. Zumindest glaubt das ein polnisches Bergbauunternehmen. Die KGHM Polish Copper SA mit Sitz in Lubin will ihre in Weißwasser begonnenen Erkundungsbohrungen bis an die Neiße fortsetzen. „Wir sind überzeugt, dass auch an der Neiße wertvolles Kupfer liegt“, sagt ein Unternehmenssprecher. Deshalb werde der Bohrtrupp auch an der Neiße seine Spuren hinterlassen.

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Vier Bohrungen sind geplant, die bis zu einer Tiefe von 1.500 Metern niedergebracht werden. Darüber informierte Bürgermeister Ewald Ernst jüngst die Gemeinderäte. „Die Bohrungen in unserem Gebiet sollen bei Dunkelhäuser, Kahlemeile und am Ortsausgang Zentendorf, Richtung Deschka, erfolgen.“ Dazu muss aber die Gemeinde ihr Einverständnis geben, dass der Bohrer in ihren Boden darf. Dazu kam es aber in der April-Sitzung nicht. Die Räte fühlten sich zu kurzfristig informiert, obwohl das Oberbergamt dieses Schreiben schon am 26. März verschickt hatte.

In der ebenfalls von Erkundungen betroffenen Gemeinde Horka, hat der Gemeinderat diesem Antrag schon einvernehmlich zugestimmt. Neißeaue hingegen hat den Beschluss ausgesetzt und Fristverlängerung beantragt. Ursprünglich sollte die Stellungnahme bis zum 29. April wieder im Oberbergamt in Freiberg sein.

Neißeaue ist aufgefordert, seine begründeten Einwände einzureichen. Aber damit war der Gemeinderat jüngst überfordert. Denn erst am selben Tag bekam er davon Kenntnis. Vorgesehen sind die Erkundungsbohrungen über einen Zeitraum von drei Jahren. Ob dem ein „Berggeschrei“ wie in anderen Regionen folgen wird, mag auch das polnische Unternehmen nicht vorherzusagen. Zumal die Erkundungsarbeiten vorerst auf den Raum Weißwasser beschränkt sind. Dennoch ist das Erkundungsgebiet 365 Quadratmeter groß und erstreckt sich von nördlich Weißwasser bis nach Oberneundorf. Schwerpunkt ist dabei die Neißeregion.

Der Potsdamer Geologe und Bergbauexperte Jürgen Christian Kopp spricht von einem Kupferflöz, das „in der Lausitz deutlich stärker und ergiebiger ist als im Mannfelder Land“. Dort wurde der Kupferbergbau bereits 1990 aufgrund Unrentabilität eingestellt. Nun ruhen die Hoffnungen in der Lausitzer Erde. Die Experten gehen davon aus, dass das Flöz bis zu acht Meter stark ist. Zudem, so der Geologe Kopp in seinem Fachvortrag jüngst in Görlitz, ist das Kupfer angereichert mit großen Mengen an Electrum. Das ist eine natürliche Legierung aus Gold und Silber. Sie macht das Kupfer hochwertiger. Deshalb auch das starke Interesse des polnischen Bergbauunternehmens, das damit sein erstes Bergwerk außerhalb Polens in Europa errichtet. Neuland ist das aber für die Polen nicht. „Wir besitzen eines der größten Kupfervorkommen der Welt und garantieren die weitere Produktion in Polen für die nächsten 40 Jahre. Alle unsere Anlagen sind auf drei Kontinenten. Wir haben Entwicklungsprojekte in Polen, Kanada, Chile und Grönland“, gibt das Unternehmen KGHM an.

Fakt ist, dass nicht der erste Bohrwagen in Neißeaue anrückt. Denn bereits der DDR-Bergbau setzte 1980 den Bohrer an. Daran kann sich der Deschkaer Günter Neu noch gut erinnern: „Mit der Probebohrung am südlichen Ortseingang von Zentendorf wurde zunächst nach Trinkwasser gesucht, aber auch nach Kupfer und weiteren Metallen. Im Wald fanden weitere Probebohrungen statt“, so der heutige Vorsitzende des Ortschaftsrates Deschka/Zentendorf. Das könnte sich nun fortsetzen, wenn die Gemeinde das Vorhaben ohne Einwände akzeptiert, so wie in Horka.