merken
PLUS Zittau

Weniger Geld für deutsche Minderheiten

Das Auswärtige Amt hat die Mittel für die etwa eine Million Menschen gekürzt, die auch in Polen und Tschechien leben. Doch warum?

Angehörige der deutschen Minderheit in Oberschlesien tragen die oberschlesische Flagge durch Kattowitz. Rund 148.000 Angehörige zählt die Minderheit in Polen.
Angehörige der deutschen Minderheit in Oberschlesien tragen die oberschlesische Flagge durch Kattowitz. Rund 148.000 Angehörige zählt die Minderheit in Polen. © Wikipedia/Kris Duda

Rund eine Million Menschen gehören in den Ländern Europas und Zentralasiens zur deutschen Minderheit. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums lebt die wohl kleinste Gruppe mit rund 100 Angehörigen in Turkmenistan, die größte mit 400.000 Deutschen in Russland. In Polen waren es 2018 noch etwa 148.000 Deutsche, vor allem in Oberschlesien. In Tschechien schätzt man ihre Zahl auf 18.700.

Vor allem aus dem Bundesinnenministerium fließt jährlich Geld für die deutschsprachigen Minderheiten – 2021 sind es 24,177 Millionen Euro, wie das Ministerium informiert. Letztes Jahr waren es mit 24,477 Millionen Euro rund 300.000 Euro mehr, 2019 aber rund vier Millionen Euro weniger. An die Deutschen in Polen gehe 2021 ein Betrag von 5,15 Millionen Euro, für die deutsche Minderheit in Tschechien seien es 564.000 Euro.

Anzeige
Jetzt Studienplatz sichern!
Jetzt Studienplatz sichern!

Die beste Zeit für Studieninteressierte sich einen Studienplatz an der Hochschule Zittau/Görlitz zu sichern ist jetzt!

Auch das Auswärtige Amt unterstützt die deutschsprachigen Minderheiten im Bereich der Sprachförderung, bei Kultur- und Medienprojekten sowie der Stipendienförderung. 2019 und 2020 flossen jeweils rund 3.959.000 Euro, wie es aus dem Ministerium heißt. Davon ging der größte Einzelbetrag mit 1,1 Millionen Euro an die Deutschen in Polen. Doch die Gesamtsumme wurde wohl wegen Corona und den damit verbundenen Kosten nun gekürzt. Im Auswärtigen Amt spricht man von „globalen Minderausgaben“. Dieses Jahr stehen 3,582 Millionen Euro für Menschen in etwa 18 Staaten zur Verfügung.

Über drei Millionen Euro zur Verfügung

Aber auch dies nicht uneingeschränkt. Darauf macht die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten (AGDM) aufmerksam. 300.000 Euro behalte das Amt zunächst zurück als Haushaltsvorsorge, also um notfalls noch Geld zur Verfügung zu haben. Somit stehen derzeit „3,28 Millionen Euro für die Projekte der deutschen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa und in Zentralasien zur Verfügung“, informiert Renata Trischler, AGDM-Koordinatorin. Nur wenn die Haushaltsvorsorge aufgehoben werde, fließen jene 300.000 Euro.

Die Kürzung habe gravierende Auswirkungen auf Projekte, da Mittlerorganisationen im Ausland wie das Goethe-Institut auch auf dieses Geld zugreifen und ihre Betriebskosten, die zum Beispiel durch Mitarbeiter entstehen, wohl nicht reduzieren. Je nach Land gehen den Minderheiten zwar oft „nur“ einige Hunderte oder wenige Tausende Euro verloren. „Aber für manche Organisationen vor Ort sind die überlebenswichtig“, so Trischler. Ohne diese Summen würden viele Projekte nicht zustande kommen, die für den Erhalt der deutschen Sprache und Kultur gerade in Ländern mit einer kleinen deutschen Minderheit von wesentlicher Bedeutung seien. Betroffen sei zum Beispiel das Baltikum, Länder des Westbalkans sowie Georgien und die Republik Moldau. Dort sei die deutsche Minderheit vom Geld aus dem Auswärtigen Amt abhängig. Darüber hinaus treffe solch eine Kürzung auch Länder mit einer zahlenmäßig stärkeren deutschen Minderheit, wie Polen, die Russische Föderation, Ungarn, Rumänien.

Das Geld werde fehlen. Gerade jetzt. Denn die Arbeit der Minderheiten sei durch Corona sowieso schwierig. Begegnungen, Feste, Kurse und vieles andere seien nicht möglich. „Vom Baltikum über Mittel- und Osteuropa bis nach Usbekistan, Kasachstan und Kirgisistan in Zentralasien wurden neue Formate entworfen und die Veranstaltungen haben 2020 erfolgreich online stattgefunden“, so Trischler. Die Essenz der Arbeit liege aber in der Begegnung und im persönlichen Kontakt. Nach einem Jahr ohne diese Möglichkeit schwinde die Motivation bei den Mitstreitern.

Mehr zum Thema Zittau