merken
PLUS Zittau

Turow: "Hier verfeuern wir unsere Zukunft"

Greenpeace hat mit einer Leuchtschrift am neuen Kraftwerks-Block ein Zeichen gegen Kohle-Verstromung gesetzt. Auch Polen ist aktiv - in seinem Sinne.

Der neue Kraftwerksblock, angestrahlt von Greenpeace und der Aussage ""Hier verfeuern wir unsere Zukunft".
Der neue Kraftwerksblock, angestrahlt von Greenpeace und der Aussage ""Hier verfeuern wir unsere Zukunft". © Greenpeace

Aktivisten von Greenpeace haben am Kühlturm des neuen Blocks die weithin sichtbare Leuchtschrift "Hier verfeuern wir unsere Zukunft" von Mittwoch zum Donnerstag angebracht. Gleichfalls erschien das Konterfei des Ministers Jacek Sasin, der in der polnischen Regierung den Kohlesektor verantwortet und den Verbleib Polens bei der Kohle bis 2049 zugesichert hat.

Das Kraftwerk Turow hat 2019 etwa 5,5 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen, der neue Stromerzeuger wird jährlich zusätzlich etwa 2,7 Millionen Tonnen in die Erdatmosphäre blasen, hat Greenpeace berechnet. Die jährliche Kohlespur des neuen Blocks ist laut der Umweltorganisation vergleichbar mit der von neun Millionen Menschen, die mit dem Flugzeug zwischen Warschau und Athen (hin und zurück) unterwegs sind oder mit der jährlichen Kilometerleistung von 2,5 Millionen Pkw.

Anzeige
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte

Ab sofort gibt es den sportlich-eleganten Teutonia II Chronographen exklusiv bei DDV Lokal zu erwerben. Die Edition ist auf nur 100 Stück limitiert.

"Entgegen dem Willen der Mehrheit der Gesellschaft und entgegen dem gesunden Menschenverstand setzt der Konzern auf Kohle und zerstört unsere sichere Zukunft", so Joanna Flisowska, Teamleiterin für Klima und Energie bei Greenpeace. Aufgrund dessen hatten Umweltaktivisten erst im März einen Abraumbagger in Turow bestiegen, um gegen Polens Klimapolitik zu protestieren. "Statt Verantwortung für die energetische Transformation zu übernehmen, will sich PGE der unrentablen Kohlekraftwerke entledigen und sie dem Staatsschatz übergeben." Im Ergebnis dessen müssten alle für die äußerst unverantwortliche Entscheidung zahlen: Die etwa 4,3 Milliarden Zloty (rund 950 Millionen Euro), die der Konzern für den Block in Turow ausgegeben hat, sei Geld, das aus dem Fenster hinaus geworfen wurde.

Die Inbetriebnahme des neuen Blocks fällt in eine Zeit mit historischen Rekorden bei CO2-Preisen in der Europäischen Union. Allein voriges Jahr erhöhten sich diese pro Tonne von 20 auf etwa 53 Euro. Und mit Blick auf das neue Klimaziel der EU werden sie laut Greenpeace vermutlich weiter steigen. Trotzdem würden Regierung und PGE daran festhalten, im Turower Revier noch 20 Jahre fördern zu wollen. Der Region Zgorzelec werde dadurch die Chance genommen, in den EU-Fonds der gerechten Transformation einbezogen zu werden, so der Kommentar von Anna Meres, Koordinatorin für Braunkohlekampagnen bei Greenpeace Polen.

So hat Polens Klima- und Umweltminister Michal Kurtyka die bis 2026 laufende Abbau-Genehmigung Ende April um weitere 18 Jahre verlängert. Und das, obwohl eine Klage Tschechiens im Februar vor dem Europäischen Gerichtshof anhängig ist. Polens Nachbar fordert bis zu einem Urteil den Abbau-Stopp in Turow, fürchtet den Verlust von Trinkwasserquellen, Umweltverschmutzung und Lärm in den Grenzorten. Auch Deutschland ist davon betroffen, weswegen Zittau eine Beschwerde bei der EU einreichte. In Polen spaltet das Thema die Gesellschaft.

Bürgermeister Wojciech Dobrołowicz verteilt Postkarten an die Bewohner seiner Stadt.
Bürgermeister Wojciech Dobrołowicz verteilt Postkarten an die Bewohner seiner Stadt. © bogatynia.info.pl

Bewohner Bogatynias haben hingegen Postkarten an EU-Präsidentin Ursula von der Leyen geschickt. Dahinter steckt die Gewerkschaft NSZZ "Solidarity", die um Verständnis wirbt und um Arbeitsplätze sowie die Zukunft der Region kämpft. "Wir möchten, dass unsere Stimme in dieser Angelegenheit gehört wird", sagt der Vorsitzende Wojciech Ilnicki. "Es ist sehr einfach, Entscheidungen aus der Ferne zu treffen, ohne in einer Region zu leben, die davon betroffen ist."

Die PGE-Gruppe hat inzwischen Projekte gesammelt und dem Büro des Marschalls der Provinz Niederschlesien vorgelegt, um den Plan einer gerechte Wandlung der Region zu unterstützen. Darunter befinden sich Windparks, Photovoltaikparks, Energiespeicher und ein neues Blockheizkraftwerk, um den langfristigen Wärmebedarf der Bewohner von Bogatynia zu decken. Die Kosten belaufen sich auf über zwei Milliarden Zloty (442 Millionen Euro). Ziel des Programms: Der schrittweise Rückzug aus der konventionellen Energie, unter Berücksichtigung der Arbeitsplatzsicherheit sowie der wirtschaftlichen und sozialen Stabilisierung.

"Die sofortige Schließung der Mine wäre ein echtes Drama für die Menschen", sagt Bürgermeister Wojciech Dobrołowicz mit Blick auf die Forderung Tschechiens. "Wir kämpfen für Arbeitsplätze und die Zukunft unserer Region." Damit der europäische "Green Deal" eine echte neue Entwicklungsstrategie sei, sollte die Transformation auf Grundlage einer Evolution und nicht Revolution erfolgen - und zu keinen Einkommensverlusten und Armut für Tausende von Menschen in der Region führen. "Wir glauben, dass die Europäische Gemeinschaft auf Gleichheit, Solidarität und Partnerschaft beruht - und dies nicht nur Parolen sind, sondern echte Werte, die die Mitgliedstaaten zusammenhalten", so Wojciech Dobrołowicz.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]ächsische.de oder [email protected]ächsische.de

Mehr zum Thema Zittau