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Sachsen

Politik in Sachsen – Die Morgenlage

Biedenkopf spricht bei seiner Geburtstagsfeier Klartext +++ Opernballchef entschuldigt sich +++ Umfrage: Sachsen gegen Juwelenrückkauf

© Foto: kairospress/Gestaltung: Oberüber Karger

Guten Morgen,

ein Gedanke, eine Frage, bleibt mir von der gestrigen Feier zu Kurt Biedenkopfs 90. Geburtstag in Erinnerung: Wie kann es sein, dass ein Mensch – gerade 90 Jahre alt geworden – sich offenbar sein ganzes Leben lang an einer Art Antipode vergleichen und messen kann? Und das sogar über dessen Tod hinaus.

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Es geht um die alte Rivalität zwischen Kurt Biedenkopf und Helmut Kohl. Wer weiß, was aus Biedenkopf geworden wäre (außer sächsischer Ministerpräsident), wenn der Alt-Kanzler nicht als steter Rivale in der Bundes-CDU so präsent und aktiv gewesen wäre. Und Kohl gewann den jahrelangen Machtkampf.

Für ein paar Sekunden ließ Kurt Biedenkopf gestern bei seiner Ehrung durch die Bundeskanzlerin durchblicken, wie sehr ihn sein Antipode Kohl bis heute noch innerlich beschäftigt. Und für ein paar Sekunden blieb bei einigen Gästen in der Frauenkirche nahezu hörbar der Atem stehen: Biedenkopf sprach über Kohl und verglich sich mit ihm. "Kohl ist ein Machtmensch, ich bin Wissenschaftler", plauderte Biedenkopf los. Und es schien, als hätte er gerade für einen kurzen Moment vergessen, dass sein ewiger Widersacher vor fast drei Jahren gestorben ist. Im Alter von 87 Jahren. Es gibt ihn längst nicht mehr, den scheinbar ewigen Rivalen.

Ihre Annette Binninger, Leiterin Politikredaktion sächsische.de


Die wichtigsten News am Morgen im Überblick:

+++ König Kurt hält Hof +++

So viel Politprominenz ist in Sachsen wahrscheinlich noch nie an einem Ort zusammengekommen. Der 90. Geburtstag des ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf macht es möglich, dass sich unter anderem die Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff und Horst Köhler, Thüringens Ex- und der amtierende Ministerpräsident Bernhard Vogel und Bodo Ramelow sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen. So geschehen gestern in der Frauenkirche.

"Du hast dich seit jeher offen für Neues gezeigt und Veränderungen eher gesucht als gescheut – auch auf die Gefahr hin, dabei immer wieder anzuecken", richtete Merkel persönliche Worte an den Jubilaren. Die Regierungschefin nutzte ihre Rede aber auch für einen politischen Appell. Angesichts der unterschiedlichen Erfahrungen in Ost und West sei es wichtig, "dass wir einander gut zuhören und bereit sind, zu akzeptieren, dass es ganz verschiedene Lebenserfahrungen gibt." Deutschland sei ein vielfältiges Land. Im Zweigespräch mit seinem Amtsnachnachnachfolger, Michael Kretschmer, redete Biedenkopf öffentlich Klartext. Kohl und er, so wiederholte er gleich mehrfach, seien völlig unterschiedlich gewesen. Zwischen ihnen hätte es "keine Übereinstimmung gegeben". Hier geht es zum ausführlichen Sächsische.de-Report der Feier mit allen Bildern. 

+++ Opernball-Chef entschuldigt sich für Preisvergabe +++

Der Semperopernballchef Hans-Joachim Frey hat sich für die Preisvergabe an Ägyptens Staatschef Al-Sisi entschuldigt: "Wir möchten uns für diese Preisverleihung entschuldigen", teilte er in einem Schreiben mit. "Wir nehmen die Debatte zum Anlass, über unser Selbstverständnis als Kulturbotschafter und wie man dieses ausgestaltet und lebt, nachzudenken." Frey versicherte, dass der Semperopernball, der am 7. Februar steigt, mit der Preisverleihung nicht in Berührung kommen werde. Frey reagierte damit auf heftige Kritik, unter anderem vom übertragenden Sender MDR und den beiden Moderatoren, Judith Rakers und Roland Kaiser. Diese hatten wegen der Preisvergabe Konsequenzen angekündigt.

Auch etwas weiter östlich im Freistaat gibt es derzeit Diskussionen um eine Preisverleihung. Heute Abend soll der von einem Verein gestiftete "Bautzner Friedenspreis" an den Schweizer Historiker Daniel Ganser überreicht werden. Ganser verbreitet Verschwörungstheorien. Vor dem Theater, in dem der Preis übergeben wird, wird es heute eine Gegenveranstaltung geben. Auch im Stadtrat wird der Preis Thema, wie Sächsische.de-Reporterin Theresa Hellwig berichtet. 

+++ Grünes Gewölbe: Mehrheit gegen Rückkauf der Juwelen +++

Eine knappe Mehrheit der Sachsen spricht sich gegen einen Rückkauf der gestohlenen Juwelen aus dem Dresdner Grünen Gewölbe aus, falls dies angeboten werden sollte. Das ist das Ergebnis einer aktuellen, repräsentativen Umfrage von saechsische.de gemeinsam mit den Meinungsforschern von Civey. Aktuell prüfen Ermittler ein dubioses Angebot, das durch eine israelische Sicherheitsfirma bekannt gemacht worden war, für das es offiziell jedoch noch keine Bestätigung gibt. Der Preis für einen Rückkauf der Juwelen dürfte in die Millionen gehen. Hier geht es zum kompletten Umfrageergebnis.


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