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Sachsen

Politik in Sachsen – Die Morgenlage

+++ Kretschmer fordert Nachbesserungen beim Hilfspaket des Bundes +++ Freistaat will Milliarden-Fonds aufsetzen +++ Corona könnte Ladensterben beschleunigen +++

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer
Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer © dpa-Zentralbild

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Guten Morgen,

mir geht dieser eine italienische Corona-Patient einfach nicht aus dem Kopf. Seit ich die Nachricht von seinem Tod gestern Nachmittag gehört habe. Seitdem lässt mich dieses eine Schicksal dieses 57-jährigen Mannes aus Bergamo nicht mehr los. Geht einfach nicht.

Er war der erste Patient, der aus Italien im Rahmen eines Aufnahme-Angebots mehrerer europäischer Nachbarstaaten nach Deutschland ausgeflogen wurde. Mit einer kleinen Propeller-Maschine kam er über die Berge und erreichte das Leipziger Uniklinikum. Der letzte Rettungsversuch, weil in seiner Heimat alle medizinischen Ressourcen längst erschöpft waren. Seine Familie ließ ihn los – konnte sich vermutlich auch beim Abflug in Italien nicht von ihm verabschieden. Aber sie war bestimmt voller Hoffnung. Dass er es schaffen würde. Mit dem "Glückslos Deutschland" in der Hand. 

Inmitten der ganzen Corona-Krise lässt mich diese eine Geschichte nicht los. Weil in dieser Geschichte so viel Hoffnung, Trauer, so viele Tränen und Enttäuschungen liegen. Auch für die Ärzte und Pfleger in Leipzig, die Tag und Nacht alles versucht haben müssen, um ihren Patienten zu retten. Doch am Ende hat er es nicht geschafft. Auch weil eine schwere Vorerkrankung ihn bereits zu stark geschwächt habe. 

Wenn Sie sich jetzt fragen, wie die Autorin am Ende dieses Textes jetzt noch "die Kurve kriegen" will, damit sie nicht zu traurig endet - das habe ich gestern Abend beim Schreiben dieser Zeilen auch lange überlegt. Vielleicht nur dies: Wir sollten in all diesen tage-, wochenlangen Aneinanderreihungen von Zahlen, Verordnungen und Todeslisten das eine, das ganz besondere Schicksal nicht aus dem Blick verlieren. 

Ihre Annette Binninger, Leiterin Politikredaktion sächsische.de


Die wichtigsten News am Morgen:

+++ Kretschmer fordert Hilfe für Mittelstand +++

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die Kritik an den fehlenden Hilfen für mittelständische Unternehmen weitergereicht und von der Bundesregierung Korrekturen am Corona-Hilfspaket gefordert. "Beim Thema Wirtschaftshilfen muss dringend nachgesteuert werden. Die Bazooka, von der die Rede war, hat eine Ladehemmung", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Heute soll es dazu ein Spitzentreffen mit den Wirtschaftskammern geben. Worum es dabei geht, berichtet Sächsische.de-Reporterin Nora Miethke.

Unterdessen ist die Zahl der Corona-Infizierten in Sachsen weiter gestiegen. Bis 1. April haben sich 2.245 Menschen infiziert. Das sind 161 mehr als am Vortag. Der bisher höchste Anstieg in 24 Stunden betrug 230 neue Fälle. Die Lage in den Krankenhäusern ist aber noch entspannt. Zudem ist die Zahl der Todesfälle um fünf auf nun 18 gestiegen. Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) sagte: "Alle Toten waren älter als 74 Jahre. Das zeigt noch einmal, dass die älteren Menschen in unserer Gesellschaft besonders geschützt werden müssen." Sie kündigte an, künftig mehr ältere Menschen auf das Virus testen zu lassen. Den Überblick über alle aktuellen Entwicklungen in Sachsen, Deutschland und der Welt gibt es in unserem Newsblog.

Wie gestern außerdem bekannt wurde, ist einer der acht italienischen Patienten, die der Freistaat Sachsen in der vergangenen Woche aufgenommen hatte, in Leipzig verstorben. Er wurde in der Uniklinik behandelt. Prof. Christoph Josten, Medizinischer Leiter der Uniklinik, sagte bei einer Pressekonferenz der Staatsregierung, der Patient litt an einer massiven Vorerkrankung. Zur Situation der Italiener, die in Sachsen behandelt werden, erfahren Sie hier mehr.

+++ Regierung will Milliarden-Fonds aufsetzen +++

"Stabilisierungsfonds Sachsen" - so soll ein milliardenschweres Paket heißen, mit dem der Freistaat die negativen Folgen der Corona-Pandemie so gering wie möglich halten will. Sachsens Koalitionsregierung aus CDU, Grünen und SPD will dieses bereits heute beschließen und nächste Woche ins Parlament bringen. Über den geplanten Sonderfonds von sechs Milliarden Euro hinaus stehen dem Freistaat künftig noch 650 Millionen Euro an Haushaltsüberschüssen aus 2019 zur Verfügung. Falls nötig, so heißt es aus Koalitionskreisen, könnte zusätzlich auf staatliche Finanzreserven zurückgegriffen werden. Um welche Summe es dabei geht und warum für die Entscheidung nicht die Mehrheit der "Kenia"-Koalition reicht, erklärt Sächsische.de-Reporter Gunnar Saft.

+++ Studie: Jedes vierte Geschäft könnte sterben +++

Im Extremfall könnte jedes vierte Geschäft in den deutschen Innenstädten bis zum Jahr 2030 sterben - eine Entwicklung, die durch die jetzige Corona-Krise noch beschleunigt wird, wie zum Beispiel die aktuellen Probleme von Karstadt Kaufhof zeigen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Instituts für Handelsforschung in Köln. Der Handelsverband Sachsen sieht deshalb nun die Politik in der Pflicht, die Branche zu stärken. Doch gerade in Zeiten der Corona-Krise gibt es auch andere Initiativen für einen Erhalt des Einzelhandels. Sächsische.de-Reporter Michael Rothe mit den genauen Forschungsergebnissen und den Reaktionen in Sachsen.

Als eines der Mittel, um Unternehmen in der jetzigen Krise zu helfen, gilt das Kurzarbeitergeld. Laut einer aktuellen Studie ist Deutschland jedoch bei der Höhe des gesetzlich gezahlten Kurzarbeitergeldes Schlusslicht unter den europäischen Ländern. Manche zahlen aber auch fast das volle Gehalt weiter, wie zum Beispiel VW. Wie gestern bekannt wurde, bereitet sich auch der Schienenfahrzeugbauer Bombardier mit seinen Standorten in Görlitz und Bautzen auf Kurzarbeit vor


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