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Sachsen

Politik in Sachsen – Die Morgenlage

+++ Kretschmer kritisiert Grenzschließungen +++ Neue Corona-Rechtsverordnung kommt +++ Großes Minus für Tourismus +++

Polnische Grenzsoldaten stehen an der geschlossenen Altstadtbrücke in Zgorzelec.
Polnische Grenzsoldaten stehen an der geschlossenen Altstadtbrücke in Zgorzelec. © Nikolai Schmidt

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hätten Sie vor zwei Monaten gewusst, was wohl eine "gesichtsnahe Dienstleistung" sein könnte? Vielleicht einem Baby den Brei in den Mund zu schieben. Oder einem Menschen eine geheime Botschaft ins Ohr zu flüstern. Nein, in Corona-Zeiten wissen wir, dass es sich dabei selbstverständlich um solche Tätigkeiten, wie Gesichts- und Bartpflege handelt. Die ist nämlich seit heute wieder allen Kosmetikern und Friseuren in Sachsen gestattet.

Es war in den vergangenen Woche oft zu lesen: Krisenzeiten sind Zeiten der Exekutive. Leider hat das auch Auswirkungen auf unsere Sprache, indem sich die Begriffe der Behörden in unsere Alltagssprache einschleichen. Es wird kräftig substantiviert, kategorisiert und mit Fachbegriffen hantiert. Welche Berufe sind "systemrelevant"? Was ist die "Reproduktionsrate"? Gilt jetzt eine "Ausgangssperre" oder nur eine "Kontaktbeschränkung"?

Wie für viele Bereiche unseres Lebens gilt auch hier: Hoffentlich hinterlässt die Corona-Krise nicht allzu tiefe Spuren. Wir können ja schon einmal üben und die Dinge konkret beim Namen nennen. Wenn Sie also demnächst einen Friseur oder einen Kosmetiker aufsuchen, dann bitten Sie doch einfach darum, die Augenbrauen zu zupfen, den Bart zu stutzen oder eine Gesichtsmaske aufzutragen statt zu sagen: "Guten Tag, ich hätte gern eine gesichtsnahe Dienstleistung."

Ihr Tobias Winzer, Politikredakteur sächsische.de   

Die wichtigsten News am Morgen:

+++ Kretschmer kritisiert Grenzschließung +++

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat sich enttäuscht gezeigt über Grenzschließungen in der Corona-Krise. "Die EU war in dieser Krise eine große Enttäuschung. In dieser Krise habe die EU nicht zusammengehalten, sondern jedes Land hat für sich gehandelt, sagte er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Ich finde, es wäre besser gewesen, die Grenze nicht zu schließen." In dem Gespräch verteidigt er auch die geplanten Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen in Sachsen. "Für mich ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, ab dem Vorsicht nicht mehr heißt: Wir schließen alles aus, sondern die Leute selbst übernehmen Verantwortung." Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) findet diese Strategie hingegen gefährlich. "Viele sind bereits zu sorglos, so generieren wir möglicherweise Corona-Hotspots", sagt er im Sächsische.de-Gespräch und warnt vor Konsequenzen.

Unterdessen ist die Zahl der Corona-Infektionen in Sachsen erneut nur leicht gestiegen. Am Sonntag gab es im Freistaat 4.947 laborbestätigte Fälle und damit 29 mehr als am Vortag, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Die meisten Neuinfektionen gab es mit 23 im Landkreis Bautzen. Die Zahl der Toten blieb nach Ministeriumsangeben mit 187 so hoch wie am Vortag. Den Überblick über alle aktuellen Entwicklungen in Sachsen, Deutschland und der Welt gibt es in unserem Newsblog. Außerdem: Die wichtigsten Grafiken zum Coronavirus, laufend aktualisiert.

Ab heute dürfen Frisöre und Kosmetikstudios in Sachsen wieder Bartpflege und Gesichtsbehandlungen anbieten, wenn die Mitarbeiter dabei Schutzausrüstung tragen. Bereits vergangene Woche konnten die Salons ihren Betrieb wieder aufnehmen, sogenannte "gesichtsnahe Dienstleistungen" waren aber zunächst verboten. Für diese Tätigkeiten gelten gesonderte Hygieneregeln.

+++ Regierung beschließt neue Rechtsverordnung +++

In der vergangenen Woche hat die sächsische Landesregierung eine Vielzahl von Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen angekündigt, doch erst in dieser Woche werden diese auch in eine neue Rechtsverordnung gegossen. Morgen will das Kabinett dafür zusammenkommen. Dann wird auch klarer sein, welche Regeln künftig genau für Geschäfte, Gastronomie, Hotels, Schulen und Kitas gelten. Was bislang bekannt ist: Schulen und Kitas öffnen ab dem 18. Mai unter strengen Auflagen wieder. Gaststätten, Kneipen und Hotels dürfen bereits ab 15. Mai wieder öffnen sowie alle Geschäfte ab 18. Mai.

Manche hat die Ankündigung über die weitreichenden Lockerungen aber auch überrascht. Der Chef der Dresdner Freibäder stellt klar, dass für ihn eine Öffnung am 18. Mai zu früh kommt.

Fest steht: Auch wenn die Schulen ab 18. Mai wieder öffnen, wird es noch für lange Zeit keinen regulären Unterricht geben. Die Vorsitzende des Landesschülerrates, Johanna Kesicka, spricht sich im Interview mit sächsische.de gegen eine Verkürzung der Sommerferien aus. "Die Corona-Zeit war kein Urlaub. Die Schüler mussten Leistungen erbringen und bekamen Noten, nur erfolgte das eben zu Hause", sagt sie. Sie schlägt eine alternative Lösung vor, um verpassten Lernstoff nachzuholen. 

+++ Tourismus: 70 Millionen Euro Verlust in Oberlausitz +++

140 Millionen Euro pro Woche - so groß ist der durch die Corona-Krise verursachte Verlust für Sachsens Touristiker, pro Woche. Das hat Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) vor kurzem am Rand einer Protestaktion der Branche gesagt. Nun gibt es weitere konkrete Zahlen, die das Minus konkretisieren. So hat die Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien errechnet, dass die Corona-Krise ihnen bisher Verluste von rund 70 Millionen Euro beschert hat. Es gibt allerdings auch Grund zu Optimismus.

Wie der Tourismus nach der Krise wieder angekurbelt werden kann. Darüber machen sich derzeit viele Gedanken. Dabei schmerzt, dass Großveranstaltungen noch bis 31. August nicht erlaubt sind. Der Präsident des Sächsischen Städte- und Gemeindetages, Bert Wensche, schlägt deshalb vor: "Besser viele kleine Feste als ein großes." Vorsichtigen Optimismus verbreiten auch die Reisebüros, die nun angesichts der deutschlandweiten Lockerungen mehr zu tun haben. Vor allem ein Reiseziel scheint dabei besonders gefragt zu sein.


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