merken
Sachsen

Politik in Sachsen – Die Morgenlage

+++ Sachsen verdoppelt Programm für mehr Landärzte +++ Skepsis wegen geplanter Großveranstaltungen +++ 72 Infizierte durch Corona-Tests entdeckt +++

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping lässt mehr Studienplätze in Ungarn einrichten, um etwas gegen den Landarztmangel hierzulande zu tun.
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping lässt mehr Studienplätze in Ungarn einrichten, um etwas gegen den Landarztmangel hierzulande zu tun. © Matthias Rietschel

"Politik in Sachsen - Die Morgenlage" als Email-Newsletter - hier kostenlos anmelden

Guten Morgen,

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

fünf Jahre ist es her, dass drei Worte fast die deutsche Gesellschaft gespalten haben. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel den umstrittenen Satz "Wir schaffen das". Der Riss, der dem folgte, ist noch heute zu spüren: in sozialen Medien, auf Demonstrationen, in der Stadt, auf dem Dorf, zwischen Familienmitgliedern. Auch unsere Arbeit hat sich verändert, seit Journalisten fast täglich dem Vorwurf der "Lügenpresse" ausgesetzt waren.

Was geschah damals? Was haben wir daraus gemacht? Wie ging es weiter? In einer Artikelserie wird sächsische.de in den kommenden Tagen beleuchten, wie sich die Flüchtlingssituation in Sachsen und Deutschland seither entwickelt. 

Zuerst schauen wir auf die aktuellen Zahlen: Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Sachsen kommen, geht weiter zurück. Der Freistaat hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres etwa 1.590 Asylsuchende aufgenommen. Derzeit kommen die meisten Flüchtlinge aus Venezuela. Kontinuierlich zurückgegangen ist in den vergangenen Jahren auch die Zahl der Asylbewerber aus dem Bürgerkriegsland Syrien. 2019 kamen 523 Syrer nach Sachsen, im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es 199. Vor fünf Jahren stammten etwa 42 Prozent der in Sachsen angekommenen Asylbewerber aus Syrien.

Meine Kollegin Karin Großmann besuchte außerdem Heidenau im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Vor fünf Jahren wurde die Stadt deutschlandweit zum Synonym für Ausländerhass. Der Protest richtete sich gegen die Nutzung eines leer stehenden Baumarkts als Flüchtlingsunterkunft. Innerhalb eines Wochenendes Ende August arteten die Demonstrationen aus: 150 Randalierer versuchten, die Bundesstraße 172 zu blockieren, warfen Steine, Bierflaschen, Böller auf Polizisten, Flüchtlinge, Journalisten, die Gewalt nahm zu. Es fühlte sich an wie Bürgerkrieg und ließ mich und meine Kollegen fassungslos zurück. In den Tagen danach kam die Kanzlerin und wurde als "elendes Mistvieh" (und Schlimmeres) beschimpft. Für Vizekanzler Sigmar Gabriel stand fest: das ist "Pack". Das bleibt hängen. 

Heute ist von der gewalttätigen Stimmung nichts mehr zu spüren. Die Stadt macht am liebsten nur noch positive Schlagzeilen. Ein Phänomen, das sich in vielen Städten in Sachsen beobachten lässt: Solange keiner darüber berichtet, gibt es kein Problem. Aber der Hass auf Ausländer, auf alles Fremde, er ist nicht weg. Nicht in Heidenau, nicht in Freital, in Clausnitz oder in Dresden. 

Ihre Andrea Schawe, Politikredakteurin sächsische.de


Die wichtigsten News am Morgen:

+++ Sachsen verdoppelt Programm für mehr Landärzte +++

Schon seit 2013 können sich angehende Mediziner mit einer Förderung aus Sachsen in Ungarn ausbilden lassen - jetzt werden die Plätze in dem Modellprojekt verdoppelt. In den nächsten beiden Jahrgängen solle es an der Universität in Pécs jeweils 40 Studienplätze geben, teilte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Donnerstag mit. Wer das deutschsprachige Medizinstudium absolviert, bekommt die Studiengebühren finanziert.Voraussetzung dafür ist, dass sich die angehenden Mediziner verpflichten, im Anschluss mindestens fünf Jahre als Hausarzt in Sachsen außerhalb der Städte Leipzig und Dresden zu arbeiten. "Sachsen braucht sie", sagte Köpping bei der Auftaktveranstaltung, "sie werden hier überall erwartet."

+++ "Letztes Wort bei Großveranstaltungen noch nicht gesprochen" +++

Der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck, hat sich angesichts der Pläne der Landesregierung, Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Zuschauern zuzulassen, skeptisch geäußert. "Nach meinem Eindruck handelt die Landesregierung sehr verantwortungsvoll. Man schaut genau auf die Entwicklung der Infektionszahlen. Deshalb ist bei den Großveranstaltungen das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagt er im Interview mit saechsische.de. Zugleich verteidigt er die Öffnung der Schulen für den Regelbetrieb. "Studien haben gezeigt, dass Kinder weniger erkranken, aber die gleiche Infektionslast mit sich tragen und andere Menschen genauso anstecken können wie Erwachsene." Man müsse jedoch sehr vorsichtig sein.

+++ 72 Infizierte durch Corona-Tests entdeckt +++

13.127 Corona-Tests an den beiden internationalen Flughäfen in Sachsen sowie 2.418 Tests an den Autobahn-Grenzübergängen zu Polen und Tschechien hat die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) bislang durchgeführt. Wie aus der ersten Bilanz hervorgeht, wurden dadurch 72 Infizierte erkannt. In Bayern hatten 44.000 Menschen, darunter 900 Infizierte, ihr Test-Ergebnis viel zu spät erhalten und so teilweise unbemerkt neue Infektionen ausgelöst. Solch eine Panne schließt die KVS in Sachsen aus. Man arbeite in den Zentren von Beginn an mit der gängigen Praxisverwaltungssoftware, die auch Ärzte üblicherweise zur Abrechnung von Kassenleistungen nutzen, heißt es.


Der Newsletter "Politik in Sachsen"

© sächsische.de

>> Noch mehr News, die Titelseiten-Übersicht aller sächsischen Zeitungen und die Terminvorschau gibt es in der Komplettversion der "Morgenlage" jeden Morgen 5 Uhr bequem als Email-Newsletter. Interesse? Dann hier kostenlos den Newsletter bestellen. <<

Mehr zum Thema Sachsen