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Politik

Angela Merkel nimmt Abschied in Stralsund

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich überraschend in ihrem Wahlkreis Stralsund verabschiedet. Dabei erinnerte sie sich auch an Startschwierigkeiten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (M, CDU) bedankt sich bei Weggefährten ihrer ersten Zeit in Stralsund, etwa dem Ehepaar Zimmer in der Stralsunder Kulturkirche St. Jacobi.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (M, CDU) bedankt sich bei Weggefährten ihrer ersten Zeit in Stralsund, etwa dem Ehepaar Zimmer in der Stralsunder Kulturkirche St. Jacobi. © Stefan Sauer/dpa

Stralsund. Eine Portion Eis, Ständchen vom Shanty-Chor und ein Fass Bismarck-Heringe - so hat sich Stralsund am Donnerstag von seiner Bundestagsabgeordneten Angela Merkel (CDU) verabschiedet. Umringt von Schaulustigen spazierte die Bundeskanzlerin bei Sonnenschein durch die Innenstadt.

Den Besuch hatte die Stadt bis zuletzt nicht öffentlich gemacht. Schon am Montag war Merkel anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Umweltorganisation Greenpeace in der Hansestadt gewesen. Vereinzelt hatten Gegner ihrer Corona-Politik lautstark protestiert.

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Harmonisch bis emotional ging es hingegen bei der Abschiedsfeier am Donnerstag in der Kulturkirche St. Jacobi zu. Sie habe nie einen Gast gehört, der nicht absolut überrascht gewesen sei von der Schönheit der Stadt, sagte Merkel vor etwa 150 Gästen. Sie habe aber auch gewusst, dass hier alles hart erarbeitet worden sei.

Angela Merkel (CDU) spricht mit Kay Deichfischer vom Zoo Stralsund .
Angela Merkel (CDU) spricht mit Kay Deichfischer vom Zoo Stralsund . © Stefan Sauer/dpa
Angela Merkel spricht vor etwa 150 Gästen in der Stralsunder Kulturkirche St. Jacobi.
Angela Merkel spricht vor etwa 150 Gästen in der Stralsunder Kulturkirche St. Jacobi. © Stefan Sauer/dpa
Ein Bier gab's bei der Stralsunder Stadtwache.
Ein Bier gab's bei der Stralsunder Stadtwache. © Stefan Sauer/dpa
Die Bundeskanzlerin umringt vom Shanty Chor " De Prohner Hafengäng".
Die Bundeskanzlerin umringt vom Shanty Chor " De Prohner Hafengäng". © Stefan Sauer/dpa
Fischerhändler Henry Rasmus (r) überreicht ein Holzfass voller Bismarck-Heringe.
Fischerhändler Henry Rasmus (r) überreicht ein Holzfass voller Bismarck-Heringe. © Stefan Sauer/dpa

"Leider war ich nie eine ganz normale Bundestagsabgeordnete", sagte Merkel. Ihre zahlreichen Regierungs- und Parteiämter hätten ihre Zeit für den Wahlkreis beschnitten. Dennoch hat Merkel bei allen acht Wahlen seit 1990 das Direktmandat gewonnen.

Dem gingen aber Startschwierigkeiten voraus, wie Merkel sich erinnerte. Ihre Aufstellung als Bundestagskandidatin sei mindestens so schwer wie die Wahl gewesen. Damals wurden drei Kreise zusammengelegt. Ein bisschen sei sie nur gewählt worden, weil den Vertretern eines Kreises nicht ganz klar gewesen sei, was eine Stichwahl bedeutet. "Die fuhren dann nach dem ersten Wahlgang, den ihr Kandidat gewonnen hatte, alle nach Hause." Mit den Stimmen der anderen Kreise habe sie dann die Stichwahl gewonnen. Der Rest ist Geschichte.

OB: "Eine Ära geht zu Ende"

Merkel bedankte sich bei Weggefährten ihrer ersten Zeit in Stralsund, etwa dem Ehepaar Zimmer. "Sie kannte ja auch keinen hier", erinnerte sich der inzwischen 81-jährige Rolf-Peter Zimmer. Er war damals CDU-Fraktionsvorsitzender der Bürgerschaft. Man habe Merkel anfangs bei einer befreundeten Familie untergebracht. "Da hat sie eben fast ein halbes Jahr gewohnt", erinnerte sich seine Frau Inge, die damals Geschäftsführerin der CDU in Stralsund war. "Wenn wir sie nicht gehabt hätten, ich glaube Stralsund wäre nicht so schön geworden."

Die Bundeskanzlerin erinnerte sich an viele Herausforderungen vor Ort wie den Bau der Rügenbrücke, des Ozeaneums oder den Erhalt der Werft, die derzeit wieder in Schwierigkeiten ist.

"Eine Ära geht zu Ende", sagte Oberbürgermeister Alexander Badrow (ebenfalls CDU). Stralsund habe Merkel viel zu verdanken. Sie habe immer wieder das Auge der Welt auf Stralsund gelenkt, etwa beim Besuch des US-Präsidenten George W. Bush oder des französischen Präsidenten François Hollande.

Merkel hatte vor längerer Zeit angekündigt, nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren. Den Wahlkreis hat der 33 Jahre alte Georg Günther als CDU-Direktkandidat übernommen. Der gab sich trotz schwacher Umfragewerte für seine Partei am Donnerstag optimistisch. Die Stimmung etwa im Haustür-Wahlkampf sei besser, als es die Umfragen glauben ließen. (dpa)

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