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Bei Anne Will: Wagenknecht rechnet mit AfD ab

„Das ist ekelhaft!“ Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht nahm bei „Anne Will“ die AfD auseinander. Grünen Co-Chef Habeck zeigte sich weniger schlagfertig.

Sahra Wagenknecht ging mit AfD bei "Anne Will" hart ins Gericht.
Sahra Wagenknecht ging mit AfD bei "Anne Will" hart ins Gericht. © dpa

Von Gerd Appenzeller

Sachsen-Anhalt hat gewählt – und Anne Will diskutiert darüber mit Volker Bouffier (CDU), dem Ministerpräsident von Hessen, Robert Habeck, dem Co-Vorsitzenden der Grünen, Sahra Wagenknecht, Bundestagsabgeordneter der Linken und Tino Chrupalla, dem Parteivorsitzenden der AfD. Als parteiungebundener, aber angenehm sachkundiger Gast war zudem dabei Nadine Lindner vom Deutschland-Radio.

Warum Anne Will niemanden von der SPD eingeladen hat für diese Nachwahlrunde, fragte man sich bei Durchsicht der Gästeliste. Die Antwort gab das Wahlergebnis: Die SPD hat keine Funktion mehr im Machtspiel. Im Osten wurde sie Beiwerk, wie die FDP, die mit einem Ergebnis hoch zufrieden sein kann, das die Sozialdemokraten um den Verstand bringen muss – denn die kamen 1998 noch auf 40 Prozent der Stimmen.

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Sahra Wagenknecht war dabei als Vertreterin eines anderen Verlierers, jener Partei Die Linke, die sich eigentlich immer als Interessenverwalter der Ostdeutschen verstanden hat. Aber auch sie landete unter „ferner liefen“.

Vielleicht sollte die Partei öfter eine Frau wie die Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht in den Vordergrund schieben, denn sie redet konzentriert, präzise zur Sache, scharf, aber nie unfair. Dem AfD-Spitzenkandidaten wirft sie vor, in Sachsen-Anhalt seien die Neonazis nicht nur virulent, nein, die AfD wolle dieses Milieu ausdrücklich haben.

Und wie reagiert der angesprochene Tino Chrupalla vor 3,1 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern? Man verfolgt sein aggressives Auftreten mit fassungslosem Entsetzen. Er steht auf Rückfrage von Anne Will dazu, dass vor den Corona-Schutzimpfungen gewarnt werden müsse. Und, klar, Flüchtlingskinder müssten in Sonderklassen unterrichtet werden, damit sie und ihre Eltern begreifen, dass sie hier nicht willkommen sind. Die Vorstellung, eine Partei mit dieser populistischen Auffassung könne im Wortsinne „an die Macht“ kommen, muss jeden Demokraten aufschrecken.

Ein anderes Thema, das die Gemüter erregt, weil es offenbar für das Abstimmverhalten vieler Menschen entscheidend war, ist der Klimaschutz. Anne Will zitiert Umfragen, wonach 71 Prozent der Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt der Meinung sind, die Grünen würden es dabei übertreiben.

Robert Habeck wirkt bei seiner Antwort erst einmal hilflos, bis ihm einfällt, dass Klimapolitik von einer aktiven Sozialpolitik begleitet werden müsse, die materielle Härten abfedert. Das bringt Volker Bouffier, Hessens Ministerpräsident, der immerhin mit den Grünen regiert, schneller auf den Punkt: Klimaschutz dürfe nicht zum Verlust von Arbeitsplätzen führen.

Ausstrahlung des Spitzenpersonals entscheidend

Klar wird: Die sachsen-anhaltinischen Wählerinnen und Wähler haben die Grünen offenbar als eine Großstadtpartei wahrgenommen, die für die Sorgen der einfachen Leute kein Gespür hat. Dieses Dilemma ist für die Grünen ja nicht neu, wie virulent es ist, konnte man an diesem Abend mit Händen greifen.

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Ein Gewinn war die die Deutschlandradio-Journalistin Nadine Lindner, die im Osten Deutschlands ein neues Parteiensystem diagnostiziert – Konzentration auf zwei große Parteien, von denen in Sachsen-Anhalt eine die CDU mit einem starken Ministerpräsidenten war – das funktionierte aber auch in Rheinland-Pfalz mit einer Sozialdemokratin und in Baden-Württemberg mit einem Grünen. Allen gemeinsam ist, dass diese Regierungsparteien relativ breite, konservative Grundströmungen haben und die Frau oder der Mann an der Spitze starke Ausstrahlung und integrative Kraft.

Da hörte Volker Bouffier interessiert zu – erschloss sich hier ein Handlungskonzept für seine Partei bei der Bundestagswahl?

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