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Deutschland & Welt

Zehntausende Pakistani demonstrieren

Ein ungewöhnliches Bündnis politischer Parteien fordert den Rücktritt der Regierung. Lebensmittelpreise geben der Bewegung Rückenwind.

Maryam Nawaz , Vizepräsidentin der Pakistanischen Muslimliga, spricht zu Parteianhängern vor ihrer Abreise zu der Kundgebung einer neuen Oppositionsbewegung in Gujranwala.
Maryam Nawaz , Vizepräsidentin der Pakistanischen Muslimliga, spricht zu Parteianhängern vor ihrer Abreise zu der Kundgebung einer neuen Oppositionsbewegung in Gujranwala. © PPI via ZUMA Wire/dpa

Quetta. Eine Woche nach einer Großkundgebung haben sich in Pakistan erneut Zehntausende Menschen versammelt. Anhänger verschiedener politischer Parteien kamen am Sonntag in Quetta zusammen, wie lokale Fernsehsender berichteten. Zu den Protesten hatte die neu gegründete Demokratischen Bewegung Pakistan (PDM) aufgerufen. Sie fordert ein Ende der Regierung unter Imran Khan. Mit ungewöhnlich scharfen Worten attackierten die Oppositionsführer Pakistans Milität, dem sie eine Einmichung in die Politik vorwerfen.

Tausende Polizisten begleiteten die Versammlungen in der Hauptstadt der Provinz Balochistan, Handynetze wurden für den Zeitraum der Proteste abgeschaltet. In der Stadt kam es am Rande der Kundgebung zu einer Bombenexplosion, bei der drei Menschen getötet wurden.

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Welche Ziele verfolgt die Bewegung?

Ex-Premierminister Nawaz Sharif kritisierte erneut Pakistans Generäle. "Ich habe eine Botschaft für die Angehörigen des Militärs: Befolgen Sie nicht die verfassungswidrigen Befehle derer, die ein persönliches Interesse haben»" sagte Sharif per Videomitteilung. Sharif, dem ein Korruptionsverfahren in Pakistan droht, war Ende 2019 für eine medizinische Behandlung nach Großbritannien geflogen. Seitdem war es um den Ex-Premier still geworden. Pakistans Regierung unter Imran Khan fordert seine Auslieferung.

Prominente Oppositionspolitiker führen die Proteste der neu gegründeten Bewegung an. Elf Parteien hatten sich zusammengetan. In einer ungewöhnlich scharfen Attacke hatte Sharif bereits im September den Militärs vorgeworfen, sich zu stark in die Politik einzumischen. «Unser Kampf richtet sich gegen diejenigen, die Imran Khan installiert und Wahlen manipuliert haben, um einen unfähigen Mann wie ihn an die Macht zu bringen und damit das Land zu zerstören», sagte Sharif bei einer früheren Veranstaltung.

Experten zufolge verfolgen die Parteien auch ihre eigenen Interessen. "Das Endergebnis ist aber unmissverständlich ein Zurückdrängen gegen undemokratische Tendenzen des Staates", sagt Ahmed Bilal Mehboob, Präsident der pakistanischen Denkfabrik Pildat. Steigende Inflation und Lebensmittelpreise könnten der Oppositionsbewegung helfen, die Massen zu mobilisieren. Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Gallup hatten im August etwa 80 Prozent der Befragten in Pakistan eine Zunahme der Arbeitslosigkeit im Land festgestellt.

Gemeinsame Forderung nach Rücktritt

Sharifs Tochter Maryam Nawaz Sharif gehört inzwischen zu den prominenten Gesichtern der Oppositionsbewegung. Als Vizepräsidentin der Muslimliga PML-N trat sie bereits bei den bisherigen Kundgebungen mit Zehntausenden Anhängern auf. Am Sonntag sagte sie: "Unser Kampf richtet sich nicht nur gegen die Regierung, sondern auch gegen ihre Handlanger". Beobachter sehen in der neuen Oppositionsbewegung auch einen neuen Machtkampf. Nawaz Sharif, der bisher dreimal Premier war, habe sich persönlich bereichert, hieß es in Islamabad.

Angeführt wird die PDM von Maulana Fazalur Rehman, dem Präsidenten der konservativ-islamischen Partei Jamiat Ulema-e Islam. Experten zufolge könnte Rehman mit seinen religiösen Anhängern besonders viele Menschen für Proteste gewinnen. Für den Herbst sind weitere Kundgebungen der PDM geplant. Die Parteien haben unterschiedliche politische Programme, gemeinsam fordern sie den Rücktritt der Regierung Khan und eine Neuwahl. Im Januar 2021 ist ein Marsch auf die Hauptstadt Islamabad geplant. (dpa)

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