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Auch Guardiola in Offshore-Geschäfte verwickelt

Hinter Briefkastenfirmen und Stiftungen haben Hunderte Politiker und Promis ihr Geld versteckt. Ein Überblick zu den bekanntesten Fällen.

In den „Pandora Papers“ taucht auch der Name des weltbekannten Fußballtrainers Pep Guardiola im Zusammenhang mit einem Offshore-Unternehmen auf.
In den „Pandora Papers“ taucht auch der Name des weltbekannten Fußballtrainers Pep Guardiola im Zusammenhang mit einem Offshore-Unternehmen auf. © Rui Vieira/AP/dpa

Von Sinan Recber

Tony Blair, Pep Guardiola, Andrej Babiš: Hunderte Politiker, Prominente und Amtsträger aus aller Welt haben ihr Geld in Steueroasen versteckt, wie ein internationales Journalistenteam durch ein riesiges Datenleck herausgefunden hat.

Die als „Pandora Papers“ bezeichneten Enthüllungen fußen auf 11,9 Millionen vertraulichen Dokumenten und zeigen, wie die Mächtigen und Reichen dieser Welt ihr Vermögen in einem Geflecht von Briefkastenfirmen geparkt haben.

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In Deutschland beteiligten sich die „Süddeutsche Zeitung“, der „NDR“ und der „WDR“ an den Auswertungen. Bei den aufgedeckten „Offshore-Geschäften“ schaffen die Vermögenden ihr Geld mithilfe von spezialisierten Anwaltskanzleien außer Landes in Steueroasen. Dieses Gebaren ist zwar nicht immer illegal.

Doch die Finanzströme dienen nicht selten dem Zweck, das Geld vor den Steuerbehörden im eigenen Land zu verschleiern, Steuern zu sparen oder sogar zu hinterziehen.

Weil die für Offshore-Geschäfte gegründeten Unternehmen häufig gar keine Angestellten haben, sondern nur einen Briefkasten in Bürogebäuden stellen, heißen sie Briefkastenfirmen. Oft handelt es sich bei den Standorten um die Britischen Jungferninseln oder Panama, die mit besonders niedrigen Steuersätzen und Verschwiegenheit Vermögende für Offshore-Geschäfte locken.

Andrej Babiš, Tschechiens Premierminister

Unter Druck: Der tschechische Premierminister Andrej Babiš.
Unter Druck: Der tschechische Premierminister Andrej Babiš. © Laszlo Balogh/AP/dpa

Für den tschechischen Premierminister Andrej Babiš dürften die „Pandora Papers“ zu einem desaströsen Zeitpunkt ans Licht gekommen sein. Denn kurz vor den tschechischen Parlamentswahlen am Freitag und Samstag haben die Enthüllungen nun aufgedeckt: Babiš hat über ein Geflecht von Briefkastenfirmen, Stiftungen und Treuhandkonten im Jahr 2009 ein Landschloss in Südfrankreich für mehr als 15 Millionen Euro gekauft.

So ist der Kaufpreis „über Briefkastenfirmen in Washington, Monaco und den Britischen Jungferninseln nach Frankreich“ geflossen, wie es in der Süddeutschen Zeitung hieß. Am Montag kündigte die tschechische Polizei an, die Fälle auf mögliche Rechtsverstöße zu überprüfen.

Involviert ist auch die Nationale Zentrale für den Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Babiš, Multimilliardär und Gründer der populistischen Partei „ANO“, wies die Anschuldigungen zurück und sagte im tschechischen Fernsehen, seine Gelder seien versteuert gewesen.

Die Opposition forderte Aufklärung: Petr Fiala vom konservatien Bündnis „Spolu“ (Gemeinsam) sagte, wenn Babiš Steuern hinterzogen habe, habe er kein Recht, in der Politik zu sein.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Babiš unter Druck gerät: So laufen bereits Ermittlungen gegen den Premierminister wegen vermeintlichen Subventionsbetrugs. Die neu gegründete europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) untersucht mögliche Interessenkonflikte bei der von Babis lange jahre kontrollierten Firma „Agrofert“.

Tony Blair, Ex-Premier des Vereinigten Königreichs

Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair (rechts) und seine Frau Cherie Blair (links) haben beim Kauf einer Londoner Immobilie Hunderttausende Pfund an Steuern eingespart.
Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair (rechts) und seine Frau Cherie Blair (links) haben beim Kauf einer Londoner Immobilie Hunderttausende Pfund an Steuern eingespart. © Chris Jackson/POOL/AP/dpa (Archiv)

312.000 Pfund: So viel Steuern haben der britische Ex-Premierminister Tony Blair und seine Ehefrau Cherie beim Kauf einer Londoner Immobilie mithilfe von Offshore-Geschäften gespart, wie aus den „Pandora Papers“ hervorgeht. Illegal ist das nicht, aber Blair kritisierte in der Vergangenheit als Sozialdemokrat in der britischen „Labour Party“ immer wieder Steuerschlupflöcher.

Bei dem aufgedeckten Deal haben die Blairs 2017 ein Gebäude in London für einen Kaufpreis von 6,45 Millionen Pfund erworben (heute 7,5 Millionen Euro). Heute sitzt dort Cherie Blairs Rechtberatung und Stiftung. Bei dem Steuertrick gründeten die Blairs ein Unternehmen, das eine auf den britischen Jungferninseln registrierte Offshore-Firma aufkaufte.

Weil die Londoner Immobilie zum Offshore-Unternehmen gehörte, konnten die Blairs die Grunderwerbsteuer in Höhe von 312.000 Pfund umgehen. Nach dem Deal wurde die gekaufte Offshore-Firma aufgelöst. Der britischen Rundfunkanstalt BBC sagte Cherie Blair, ihr Mann sei nicht an dem Geschäft beteiligt.

Nur die Hypothek für das Gebäude sei aufgrund ihres gemeinsamen Einkommens und Kapitals ermittelt worden. Außerdem würden Kapitalertragsteuern fällig, sollte ihr Unternehmen das Gebäude weiterverkaufen.

Wolodimir Selenskij, Präsident der Ukraine

Der 2019 gewählte ukranische Präsident Wolodimir Selenskij machte den Kampf gegen die Korruption in seinem Land zu seinem Wahlkampfthema – und prangerte bereits zu seiner Zeit als Satiriker und Kabarettist die Skrupellosigkeit der Oligarchen an.

Nun zeigen die „Pandora Papers“: Selenskij und sein engstes Umfeld besaßen mehrere Briefkastenfirmen, darunter zwei zypriotische Offshore-Gesellschaften, die drei Londoner Immobilien im Wert von mehreren Millionen Pfund erworben haben.

Der Ursprung des Geldes ist unklar. Ein ukrainischer Parlamentsabgeordneter hatte Wolodmir Selenskij und seinem Umfeld 2019 vor der Veröffentlichung der Pandora Papers vorgeworfen, Betrugsgelder bekommen zu haben.

Demnach sollen 41 Millionen Dollar an 16 Briefkastenfirmen geflossen sein, verstreut über Zypern, Belize, Panama und die Seychellen. Hinter zehn dieser 16 angesprochenen Briefkastenfirmen stecken Selenskij und sein Umfeld, wie die Pandora Papers zeigen. Ob tatsächlich Millionen Betrugsgelder auf diesen Konten gelandet sind, ist jedoch bislang nur eine unbewiesene Behauptung.

Paulo Guedes, Brasiliens Wirtschaftsminister

Ultrareiche zur Kasse bitten, Offshore-Vehikel besteuern: Diesen Vorschlag machte der brasilianische Wirtschaftsminister Paulo Guedes noch im Juli dieses Jahres. Der Millionär und Ex-Banker kassierte nach Protesten aus der Wirtschaft jedoch einen Reformvorschlag, der vorsah, Einkünfte aus Steueroasen zu besteuern.

Das Pikante: Guedes selbst ließ 2014 eine Firma mit dem Namen „Dreadnoughts International Group“ auf den Britischen Jungferninseln gründen, registrierte sie auf den Namen seiner Frau und seiner Tochter und investierte den Enthüllungen zufolge 6,9 Millionen Euro in das Offshore-Unternehmen.

Mit dem Kippen des Reformvorschlags hat der 72-Jährige möglicherweise die Besteuerung eigener Einkünfte aus der Offshore-Firma abgewendet. In einer ersten Reaktion auf die „Pandora Papers“ ließ Guedes mitteilen: Das Offshore-Unternehmen sei den brasilianischen Steuerbehörden gemeldet worden und seine Geschäfte respektierten „immer die jeweiligen Gesetze“ und waren „geleitet von Moral und Verantwortung.“

König Abdullah II., Jordanien

Das Königshaus von Amman sagte, König Abdullah II. habe sich mit den Offshore-Geschäften schützen wollen.
Das Königshaus von Amman sagte, König Abdullah II. habe sich mit den Offshore-Geschäften schützen wollen. © Kay Nietfeld / dpa

Jordaniens König Abdullah II. hat den Enthüllungen zufolge 30 Offshore-Firmen in Steueroasen dafür genutzt, um 14 Luxusimmobilien in den USA und Großbritannien zu kaufen. Über 100 Millionen Dollar soll das so aufgebaute Immobilienimperium wert sein.

Als illegale Aktivitäten gelten die Geschäfte aktuell nicht. Das Königshaus in Amman reagierte auf Nachfragen sichtlich gereizt: „Einige Presseberichte, die über die Immobilien des Königs veröffentlich wurden, sind ungenau, verzerrt und übertrieben“, teilte ein Sprecher am Montag mit.

Zudem sei es ein Sicherheitsrisiko für den König und seine Familie, die Adressen des königlichen Eigentums zu veröffentlichen. Die Offshore-Firmen habe der König aus Gründen der Sicherung und Diskretion genutzt.

„Es ist kein Geheimnis, dass Seine Majestät eine Reihe von Wohnungs und Residenzen in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich besitzt“, ließ das Königshaus mitteilen. Dieser Besitz sei weder ungewöhnlich noch unangemessen.

Pep Guardiola, Fußballtrainer

Pep Guardiola hatte seine Einnahmen aus Fonds nicht den spanischen Steuerbehörden gemeldet.
Pep Guardiola hatte seine Einnahmen aus Fonds nicht den spanischen Steuerbehörden gemeldet. © Adam Davy/PA Wire/dpa

In den „Pandora Papers“ taucht auch der Name des weltbekannten Fußballtrainers Pep Guardiola im Zusammenhang mit einem Offshore-Unternehmen auf. Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte Guardiola auf Anfrage, seine Bank in Andorra habe eine Offshore-Firma ohne sein Wissen gegründet.

Guardiolas Steuerberater Lluís Orobitg erklärte der spanischen Tageszeitung „El País“, sein Klient habe das Bankkonto in Andorra nur dafür benutzt, um sein Gehalt vom katarischen Fußballclub „Al Ahli“ dort zu deponieren. Guardiola spielte zwischen 2003 und 2005 für den Fußballclub.

2012 profitierte Guardiola von einer Steueramnestie und sparte sich dadurch 500.000 Euro an Steuern, wie die Enthüllungen zeigen. Bis die Steueramnestie eingeführt wurde, hatte Guardiola seine Fonds nicht den spanischen Steuerbehörden gemeldet.

Guardiola zahlte 10 Prozent Abgaben auf die Einnahmen, die seine Fonds über die vergangenen vier Jahre generiert hatten. Die Steueramnestie hatte die konservative spanische Regierung unter dem damaligen Premierminister Mariano Rajoy eingeführt.

Putins engste Vertraute

Engste Vertraute im Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin sind als Begünstigte bei Briefkastenfirmen gelistet.
Engste Vertraute im Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin sind als Begünstigte bei Briefkastenfirmen gelistet. © Alexei Druzhinin/POOL SPUTNIK KREMLIN/AP/dpa

Engste Vertraute im Umfeld des russischen Präsidenten sind als Begünstigte von Briefkastenfirmen gelistet, wie die „Pandora Papers“ zeigen. Die Berichte über unerklärlich hohe Vermögen bei Vertrauten des Präsidenten wies der Kreml am Montag als „unbegründete Behauptungen“ zurück.

Putin selbst ist zwar nicht als Kunde der Offshore-Kanzleien aufgeführt, doch Kreml-Kritiker vermuten, die Begünstigten fungieren nur als Strohmänner für Putins Vermögen.

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Banken haben bei der Vermittlung von Briefkastenfirmen im Ausland offensichtlich eine wichtige Rolle gespielt. Die Institute betonen, dass es sich dabei nicht per se um illegale Geschäfte handelt.

Ein weiterer bemerkenswerter Fall: Swetlana Kriwonogich, mit der Putin laut unbestätigten Berichten eine Tochter haben soll, gelangte über Geld aus Briefkastenfirmen zu bedeutendem Reichtum. Kriwonogich selbst stammt offenbar aus einfachen Verhältnissen.

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