merken
PLUS Döbeln

AfD siegt in Mittelsachsen deutlich vor der CDU

Carolin Bachmann wird für die AfD in den Bundestag einziehen. Veronika Bellmann von der CDU hat es nicht geschafft. Ein Überblick über die Ergebnisse.

Carolin Bachmann (rechts) hat das Direktmandat für die AfD in Mittelsachsen geholt. Die langjährige direkte Vertreterin Veronika Bellmann (CDU) verlor mit deutlichen Verlusten.
Carolin Bachmann (rechts) hat das Direktmandat für die AfD in Mittelsachsen geholt. Die langjährige direkte Vertreterin Veronika Bellmann (CDU) verlor mit deutlichen Verlusten. © SZ-Montage: Archiv/Essler, Archiv/Kube

Mittelsachsen. Am Abend vor dem Wahltag hat Veronika Bellmann im Döbelner Bürgergarten Freunden, Sponsoren und Helfern schon mal Danke gesagt. Im internen Kreis wird wohl klar gewesen sein, dass es nicht einfach werden wird, abermals das Direktmandat zu holen. Mit einem Listenplatz 10, so war ihr schon nach dem Landesparteitag klar, würde sie es nicht in den Bundestag schaffen.

Dass sie weder direkt noch über die Liste in den Bundestag kommt, steht am Wahlabend schon vor 22 Uhr fest. Da sind 33 der 37 Gemeinden ausgezählt und AfD-Kandidatin Carolin Bachmann führt mit deutlichem Vorsprung bei den Erststimmen.

Berufsakademie Bautzen
Mit hoher Erfolgsquote studieren
Mit hoher Erfolgsquote studieren

Dual. Selbstbestimmt. Chancengerecht. Nachhaltig. Zukunftssicher. Die BA Bautzen bietet optimale Studienbedingungen mit starker Praxisorientierung. Informieren Sie sich hier über das vielfältige Studienangebot.

"Ich bin jung und meine es ehrlich"

Das bleibt auch so, als kurz vor 23 Uhr das vorläufige Endergebnis einläuft. Carolin Bachmann (AfD) erhält 33,4 Prozent der Stimmen vor der weit abgeschlagenen CDU-Kandidatin Veronika Bellmann mit 23,8 Prozent.

Alexander Geißler (SPD) kommt auf 17,7 Prozent und Philipp Hartewig (FDP) auf 9,9 Prozent. Bei den Zweitstimmen kommt die AfD auf 30 Prozent vor der SPD (18,5 Prozent), CDU (17,5 Prozent) und FDP (11,6 Prozent).

Bachmann hat den Abend mit Parteifreunden in Niederbobritzsch bei Freiberg verbracht und die einlaufenden Wahlergebnisse gefeiert. „Ich freue mich sehr“, sagte sie.

"Sie wollten nicht mehr den alten Muff haben, sondern in eine neue Zukunft starten.“ - Das sagt die neue mittelsächsische Vertreterin im Bundestag Carolin Bachmann (AfD) über ihre Wähler.
"Sie wollten nicht mehr den alten Muff haben, sondern in eine neue Zukunft starten.“ - Das sagt die neue mittelsächsische Vertreterin im Bundestag Carolin Bachmann (AfD) über ihre Wähler. © Archiv/Thomas Kube

Über den Grund für ihren Wahlsieg hat Carolin Bachmann keinen Zweifel. „Die Leute haben erkannt, dass ich jung und frisch bin, dass ich es ehrlich meine und dass ich genügend Erfahrungen aus meinem beruflichen Leben mitbringe. Sie wollten nicht mehr den alten Muff haben, sondern in eine neue Zukunft starten.“

Die Bürger Mittelsachsens hätten sich für eine konservative Kraft entschieden, für die Rückgewinnung der Freiheiten und Grundrechte, für die Rückkehr in die Normalität, so Bachmann.

"Es lag ganz deutlich auch am Spitzenkandidaten"

Auch Sven Liebhauser, Bürgermeister von Döbeln und mittelsächsischer Kreisvorsitzender der CDU, hatte die Wahl aufmerksam verfolgt. „Das Ergebnis hatte sich schon abgezeichnet. Dass es jetzt aber so deutlich ausfällt, war nicht so zu erwarten. 2017 lagen wir noch knapp mit der Erststimmen vorn. Jetzt ist das Ergebnis deutlich“, sagte Liebhauser.

Die Stärke der AfD nennt er eine „sächsische Besonderheit“. Die Kritik vieler CDU-Verbände an der Wahl des CDU-Bundesvorsitzenden und späteren Kanzlerkandidaten Armin Laschet sei in dem Wahlergebnis deutlich geworden. „Die Ursachen müssen wir noch analysieren, aber es liegt ganz deutlich auch am Spitzenkandidaten. Wir haben uns da jemanden anderes gewünscht“, so Liebhauser.

Döbelns Oberbürgermeister Sven Liebhauser (rechts) sagt deutlich: Armin Laschet trägt eine Mitschuld am schwachen Ergebnis der CDU in Mittelsachsen.
Döbelns Oberbürgermeister Sven Liebhauser (rechts) sagt deutlich: Armin Laschet trägt eine Mitschuld am schwachen Ergebnis der CDU in Mittelsachsen. © SZ-Montage: dpa, privat

Die Wähler hätten oft Erst- und Zweitstimme an die gleiche Partei vergeben. „Deshalb gab es für den SPD-Direktkandidaten auch mehr Prozente als in der Vergangenheit“, sagte Liebhauser. „Die Wähler haben hier ein deutliches Votum abgegeben. Das nehmen wir mit Demut auf. Jetzt gilt es aber auch, die richtigen Schlüsse ziehen. Wir sollen das als Chance für einen programmatischen Neuanfang sehen. Man muss aber auch über Personen sprechen.“

Trotz mehrfacher Versuche von Sächsische.de war die bisherige Bundestagspolitikerin Veronika Bellmann für ein Statement am Sonntagabend nicht zu erreichen.

SPD- und FDP-Kandidat im Bundestag

Der SPD-Kandidat Alexander Geißler zitterte am Abend noch, ob er es mit Listenplatz 9 für die mittelsächsische SPD in den Bundestag schafft. Die sächsischen Zweitstimmenergebnisse stimmen ihn glücklich und optimistisch. In Freiberg hat er sogar beinahe so viele Erststimmen wie Veronika Bellmann, die seit 2002 für die CDU das Direktmandat holte.

Weiterführende Artikel

„Es gibt nicht für jeden eine Vollkasko“

„Es gibt nicht für jeden eine Vollkasko“

Seit 31 Jahren ist Dirk Schilling in der CDU. Der Ostrauer Bürgermeister sagt Sächsische.de, weshalb er enttäuscht von der Parteispitze und der Corona-Politik ist.

Mittelsachsen: Tritt Rolf Weigand für die AfD an?

Mittelsachsen: Tritt Rolf Weigand für die AfD an?

Die Partei benennt ihren ersten Kandidaten für die Landratswahl im Juni 2022. Der weiß davon aber noch gar nichts.

CDU Mittelsachsen fordert Laschet-Rücktritt

CDU Mittelsachsen fordert Laschet-Rücktritt

Der Kreisverband verlangt eine Erneuerung auf Bundesebene und personelle Konsequenzen aus der Wahl. Aktuelle Informationen im Wahl-Blog.

Bundestagswahl 2021: So hat Mittelsachsen gewählt

Bundestagswahl 2021: So hat Mittelsachsen gewählt

Wie haben die Menschen in Mittelsachsen bei der Bundestagswahl 2021 gewählt? Hier sind die Ergebnisse für Döbeln, Freiberg, Mittweida und Umgebung.

Auch im Raum Döbeln schneidet Alexander Geißler auf Anhieb gut ab. „Das ist der Wahnsinn“, sagte er am Wahlabend. Und er schmiedet schon Pläne, wie er sich mit FDP-Mann Philipp Hartewig für Mittelsachsen in Berlin engagieren kann. „Es gibt zwar Unterschiede, aber auch viele Ansichten, die wir teilen“, so Geißler. Erschreckend sei für ihn das AfD-Ergebnis.

Mehr zum Thema Döbeln