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Bundestagswahl: Erfolge und Niederlagen in Dresden

Während die CDU schmerzhafte Verluste einfährt, ist man bei der SPD im Glück. Auch die AfD dürfte zufrieden sein.

Freudentag bei den Genossen: Die SPD-Kandidaten Rasha Nasr und Stephan Schumann am Wahlabend.
Freudentag bei den Genossen: Die SPD-Kandidaten Rasha Nasr und Stephan Schumann am Wahlabend. © Thomas Türpe

Dresden. Es geht auf 20 Uhr zu, als Kreiswahlleiter Markus Blocher in einer Pressekonferenz über den Ablauf des Wahltages in Dresden und im Dresden-Rödertal-Wahlkreis informiert. Blocher spricht von einem unaufgeregten Tag mit guter Stimmung. 4.700 Wahlhelfer, davon 3.000 an den Wahlurnen hätten am weitgehend reibungslosen Ablauf des Tages mitgearbeitet.

Auch bei der Durchsetzung der Maskenpflicht habe es keine großen Probleme gegeben, selbst wenn manche die Maske "auf Halbmast" getragen hätten. Einige wenige Beschwerden seien eingegangen, weil Wahlbenachrichtigungen und Wahlscheine nicht rechtzeitig angekommen seien. Im Erlwein-Gymnasium habe es zudem Bedenken wegen der Barrierefreiheit gegeben, da ein Aufzug ausgefallen sei. Den aber hätten Techniker reparieren können. Blocher sagt, auch längere Schlangen vor den Wahllokalen seien bisher nicht bekannt. Und: Beschwerden über selbst ernannte "Wahlbeobachter" und deren Verhalten habe es bisher nicht gegeben.

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Bemerkenswert: Der Anteil der Briefwähler sei auf 39 Prozent gestiegen, da viele den Antrag noch spät gestellt hätten. Doch wie haben die Wähler entschieden? Das sind die Zwischenergebnisse des Abends in Dresden und Radeberg, das mit zum zweiten Dresdner Wahlkreis gehört.

So hat Dresden gewählt

Während sich der Kampf um die Direktmandate in den beiden Wahlkreisen bis weit in den späten Abend hineinzieht, ist schon früher klar, dass man sich in Dresden vor allem bei der SPD freuen dürfte. Schon nach Auszählung von 548 von 563 Gebieten zeichnet sich ab: Die bei Wahlen in Sachsen in der jüngeren Vergangenheit eher schwach abschneidende älteste Partei Deutschlands, scheint in der Landeshauptstadt zu erblühen. Der Gradmesser dafür: Sie steigert sich im vorläufigen Endergebnis bei den Zweitstimmen von 10,2 auf stolze 17,6 Prozent. "Was für ein geiler Wahlkampf", wird Kandidatin Rasha Nasr später den Genossen zurufen.

Die AfD kommt auf 18,5 Prozent, ein leichter Verlust gegenüber 2017, als es 23,2 Prozent waren. Deutlich schmerzhafter dürfte man den Einschnitt bei der CDU empfinden. Sie fährt lediglich 14,6 Prozent ein – und erreicht damit weitaus weniger Wähler als vor vier Jahren, als es 23,7 Prozent waren. Enttäuschung auch bei der Linken: Sie geht mit Verlusten aus dieser Wahl. In Dresden holt man 10,8 Prozent der Zweitstimmen, reichlich sechs Prozent weniger als 2017. Zwar kann auch Katja Kipping kein Direktmandat erringen, doch gelingt ihr im ersten Dresdner Wahlkreis trotzdem ein Erfolg. Sie wird Zweitplatzierte und lässt damit AfD-Mann Jens Maier hinter sich, der noch während der Auszählung immer wieder mal auf den ersten Platz rutschte. „Der Kampf um ein Direktmandat als Linke in Dresden ist immer wie Arbeiten am Wunder“, wird Kipping am späten Abend sagen.

Ein kleines Wunder gelingt auch der FDP: Sie erreicht 12,2 der Zweitstimmen in Dresden und damit gut drei Prozent mehr als 2017. Zwar holen weder Silke Müller noch Torsten Herbst ein Direktmandat für die Liberalen. Dass die Erststimmen-Sitze aber auch die AfD nicht bekommt, stimmt beide zufrieden. "Für die Interessenvertretung in Berlin ist es wichtig, das es nicht die AfD geworden ist, weil sie es erfahrungsgemäß nicht hinbekommen hätte, Dinge für Dresden herauszuholen", sagt Herbst. "So etwas bekommt man nur über die Zusammenarbeit zwischen demokratischen Fraktionen hin." So ein Ergebnis der FDP in Dresden habe man sehr lange Zeit nicht mehr gesehen.

Das gilt allerdings genauso für die Grünen. Sie verdoppeln ihr Ergebnis nahezu und kommen auf 15,9 Prozent der Zweitstimmen. Ganz und gar zufrieden ist man damit trotzdem nicht. "Wir haben als Grüne beim Ergebnis zugelegt, sind aber unter unseren Erwartungen geblieben", stellt der gescheiterte Direktkandidat für den ersten Wahlkreis, Kassem Taher Saleh fest.

So hat Radeberg gewählt

Bundesweit nur auf Platz fünf, in Radeberg aber vorn: In der Bierstadt erhält die AfD die meisten Stimmen. Nach dem vorläufigen Auszählergebnis entfallen auf die Blauen 26,44 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit muss die Partei gegenüber ihrem Ergebnis von vor vier Jahren leichte Einbußen hinnehmen. Damals kam sie in Radeberg auf 28,52 Prozent. Schmerzliche Verluste hat dagegen die CDU zu verkraften. Von 25,96 Prozent im Jahr 2017 stürzt sie auf jetzt 16,12 Prozent ab, ein Minus von fast zehn Prozent. Damit verliert sie in Radeberg auch den zweiten Platz im Parteienranking. Sie landet auf dem dritten Platz und muss sich der SPD geschlagen geben.

Die Sozialdemokraten können in Radeberg grandios zulegen. 11,03 Prozent der Stimmen bekam sie 2017, jetzt sind es 18,13 Prozent, ein sattes Plus von mehr als sieben Prozent. Die FDP gewinnt ebenfalls enorm hinzu. Von rund neun Prozent steigern sich die Liberalen auf 14,24 Prozent.

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Die Grünen spielen in Radeberg nur eine untergeordnete Rolle. Sie kommen auf 6,79 Prozent. Das bedeutet immerhin ein Plus von 2,61 Prozent. Die große Verliererin neben der CDU ist an diesem Abend jedoch die Linke. Sie stürzt von 13,98 Prozent auf 8,09 Prozent ab.

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