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"Die ausufernde Bürokratie hemmt"

Die SZ befragt Einwohner aus dem Landkreis SOE vor der Bundestagswahl zu ihren Erwartungen. Heute: Dr. Detlef Pötzsch aus Freital.

Engagiert sich ehrenamtlich im Freitaler Sport und macht sich eigene Gedanken zur Bundestagswahl: Dr. Detlef Pötzsch.
Engagiert sich ehrenamtlich im Freitaler Sport und macht sich eigene Gedanken zur Bundestagswahl: Dr. Detlef Pötzsch. © Egbert Kamprath

Der 66-jährige Rentner engagiert sich ehrenamtlich in der Sportgemeinschaft Weißig. Dort ist er nicht nur als Sportler aktiv, sondern leitet auch die Abteilung Leichtathletik.

Herr Pötzsch, wo sehen Sie aktuell die größten Probleme in Deutschland?

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Das ist für mich die ausufernde Bürokratie. Die Verwaltung wird immer träger, je höher es geht. Es wird viel zu langsam reagiert. Bauvorhaben wie die Südumfahrung Pirna, der Bahntunnel durchs Erzgebirge oder die Genehmigung von Windparks - das dauert alles von der Planung bis zur Umsetzung ewig. Mich beschäftigt aber auch zunehmend, wie sich Deutschland außenpolitisch Russland gegenüber verhält. Da muss es mehr Verständnis für dieses Land und ein Verhältnis auf Augenhöhe geben. Dass die Gasleitung Nordstream kommt, ist eher die positive Ausnahme. Die Diskussion darüber ist schon wieder unrühmlich.

Worin sehen Sie die größten Probleme im Landkreis SOE?

Das ist schon schwerer zu beantworten. Vielleicht wäre ein Punkt, dass hier vieles nur über persönliche Netzwerke in Gang kommt. Das muss auch anders gehen. Und wenn ich meinen Bereich, den Sport, betrachte, dann ist mir zu viel auf den Fußball ausgerichtet. Ein positives Beispiel ist hier die Stadt Freital, die mit Lukas Schober jetzt ein junges Leichtathletik-Talent unterstützt, das in der internationalen Spitze mitmischt. Kritisch sehe ich auch die starke Zentralisierung der Verwaltungen in Pirna zum Nachteil von Freital als immerhin größter Stadt des Landkreises.

Was sind die Probleme in Ihrem Ort?

Das ist in Freital ein ganz altes, aber hausgemachtes Problem. Mit dem Weißeritzpark hat die Stadt ein Handelszentrum an der Peripherie. Dass es ökologischer Frevel ist, dass mit dem Auto dort rausgefahren werden muss und das noch an einem Naturschutzgebiet liegt, ist nur ein Aspekt. Viel schwerwiegender ist, dass die Entwicklung einer lebendigen Innenstadt gehemmt wird, wenn die Politik schützend die Hände über das Bestehende hält. So kann sich nichts Richtiges entwickeln. Handel ist aber nun mal wichtig für ein Zentrum.

Was sollten Politiker dafür tun?

Ich würde mir mehr Mut der Politiker wünschen und auf Landes- wie Bundesebene mehr Pragmatismus. Dazu sollten sie vielleicht mal öfter mit den einfachen Menschen von nebenan sprechen. Was Freital angeht, ist die Stadt doch immer mehr gewachsen. Die Zahl der Einwohner sollte langsam ausreichen, auch eine Konkurrenz zum Weißeritzpark zu wagen.

Wenn Sie 100.000 Euro im Landkreis verteilen dürften, wofür würden Sie das Geld einsetzen?

Also wenn ich höre, dass manche Kinder nicht regelmäßig eine warme Mahlzeit am Tag haben oder für Kinderheime Spenden gesammelt werden, dann würde ich das Geld dort einsetzen. Soziale Not von Kindern sollte es in diesem reichen Land nicht geben.

Corona hat viel verändert. Welches Problem ist Ihnen bewusst geworden und was wünschen Sie sich von den Bundestagsabgeordneten, um es zu lösen?

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Da sind wir wieder bei bürokratischen Regeln. Da gibt es einfach viel zu viele Vorschriften. Zudem dauert es viel zu lange, bis Masken beschafft oder Impfungen organisiert werden. In Schulen ist kaum was passiert oder viel zu spät. An der technischen Ausstattung hapert es. Da hilft auch nicht, wenn zig Laptops gekauft werden, es aber kein schnelles Internet gibt. Wenn dann ein Netzwerk eingerichtet ist, braucht man auch einen Administrator. Das kann doch kein Lehrer nebenbei machen. Alle reden von Digitalisierung, aber die nötigen Entscheidungen werden nicht getroffen. Auch hier ist wieder das Problem mit der Bürokratie und noch viel Arbeit für die Abgeordneten.

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