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Diese drei vertreten den Landkreis SOE im Bundestag

Steffen Janich holt das Direktmandat. Für Fabian Funke (SPD) und André Hahn (Linke) klappte das über die Landesliste. Als Sieger fühlen sich nur zwei.

Drei Männer aus dem Landkreis SOE ziehen in den Bundestag ein, die unterschiedlicher kaum sein können. Fabian Funke (l.) und Steffen Janich (r.) sind Neulinge, André Hahn langjähriger Abgeordneter.
Drei Männer aus dem Landkreis SOE ziehen in den Bundestag ein, die unterschiedlicher kaum sein können. Fabian Funke (l.) und Steffen Janich (r.) sind Neulinge, André Hahn langjähriger Abgeordneter. © Montage: Bildstelle; Fotos: D. Förster

Die Wählerinnen und Wähler haben entschieden. Ein Student, ein studierter Lehrer und ein suspendierter Polizist werden den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge die nächsten vier Jahre im Bundestag vertreten. Steffen Janich von der Alternative für Deutschland (AfD) holte mit 33,0 Prozent und großem Vorsprung das Direktmandat für SOE. Zudem ist dem SPD-Genossen Fabian Funke und André Hahn von der Linkspartei der Sprung in den Bundestag über die Landeslisten ihrer Parteien gelungen. Alle drei wohnen im Landkreis und konnten hier mit der Erststimme direkt gewählt werden.

AfD liegt in allen Kommunen vorn

Für die AfD hätte es ein Sieg auf ganzer Linie werden können. In sämtlichen 36 Städten und Gemeinden im Landkreis hat sie die meisten Stimmen aller Parteien geholt. Allerdings hat sie dennoch gegenüber der Bundestagswahl 2017 verloren, 4,4 Prozent bei den Erststimmen und 3,5 Prozent bei den Zweitstimmen.

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Bei früheren Wahlen hatte die AfD noch andere Parteien kritisiert, die sich als Wahlsieger bezeichnet hatten, obwohl sie an Zustimmung verloren hatten. Nun ist die Partei selbst in dieser Situation. Der suspendierte Polizist Steffen Janich war erfolgreich im Kampf um das Direktmandat. Das Disziplinarverfahren gegen ihn wegen einer unangemeldeten Demonstration läuft noch. Bei den Zweitstimmen gab es landkreisweit 31,9 Prozent für die AfD.

In Rathmannsdorf waren es mit 44,1 Prozent am meisten. Die kleine Gemeinde liegt fernab des Dresdner Speckgürtels, hat kaum Zuzug und keinerlei Industrie. Am schwächsten war die AfD mit 25,7 Prozent in Bannewitz. Die wachsende Gemeinde gehört zu den größten im Landkreis, liegt am Rand der Landeshauptstadt und verzeichnet Ansiedlungen von Betrieben.

AfD-Kreischef Lothar Hoffmann führt den Erfolg seiner Partei auf das sehr konservative Profil zurück. Zudem verwies er auf die Schwäche der CDU. "Der ländliche Raum ist vernachlässigt worden", sagt er. Rechtselbisch gäbe es keine Identifikationsfigur mehr in der CDU. Das sei natürlich nicht sein Problem, erkläre aber auch die Wahlergebnisse.

CDU bricht stark ein

Daran hat auch CDU-Kandidatin Corinna Franke-Wöller nicht viel ändern können. Sie hat im Vergleich zur Wahl 2017 sogar noch mal 9,6 Prozent weniger Stimmen für die CDU geholt als damals Klaus Brähmig. Bei den Zweitstimmen ist das Minus von 8,5 Prozent ebenso dramatisch. Sie bricht auf 17,1 Prozent ein und wird fast von der SPD eingeholt.

Das beste Ergebnis schaffte die CDU mit 21,9 Prozent noch in Hartmannsdorf-Reichenau im Osterzgebirge. Am schlechtesten fiel es in Gohrisch mit 14,6 Prozent aus. Dort landete Franke-Wöller sogar nur auf Platz 3 unter den Direktkandidaten, noch hinter André Hahn, der ebenso in dieser Gemeinde wohnt wie Klaus Brähmig. Er kam in seiner Heimatgemeinde mit 9,6 Prozent auf Platz 4.

Franke-Wöller konnte in ihrem Wohnort Freital den Schnitt etwas nach oben ziehen und erreichte dort drei Prozent mehr Erststimmen für sich als Zweitstimmen für die CDU. Doch selbst mit diesem guten Ergebnis blieb sie satte zehn Prozent hinter Janich.

Auch die vermeintliche Absicherung mit Platz 8 auf der Landesliste nützte nichts. Das Wahlergebnis reicht in Sachsen für die CDU nur für sieben Mandate. "Ich mache einfach meinen Job weiter und gehe am Dienstag wieder zur Arbeit", sagte sie noch am Wahlabend.

SPD vom eigenen Wahlerfolg überrascht

Auf dem siebten Platz der SPD-Landesliste stand der Heidenauer Fabian Funke. Tatsächlich hat es der 23-Jährige damit geschafft, ein Bundestagsmandat zu erobern. Die Freude darüber war in Pirna riesig. Bis das feststand, dauerte es aber bis tief in die Nacht zum Montag. "Das kam schon überraschend", sagt Funke. Für ihn ist das bundesweite Ergebnis ein klarer Regierungsauftrag für die SPD. "Wir können auch ohne CDU gute Politik für Deutschland machen", sagte er.

Sein eigenes Abschneiden als Direktkandidat war immerhin beachtlich. Mit 11,5 Prozent landete er auf Platz drei der elf Bewerberinnen und Bewerber im Landkreis. Für seine Partei stimmten hier noch vier Prozent mehr. Das ist quasi eine Verdopplung des Ergebnisses von 2017. Das dürfte die größte Überraschung des Wahlabends im Landkreis sein. Auffällig ist, dass es in den drei größten Städten auch die drei besten Ergebnisse für die SPD gab - in Heidenau mit 16,9 Prozent, in Freital und in Pirna mit je 16,7.

Linke von Verlusten geschockt

Geschockt hatten die Wähler am Sonntag André Hahn. Seine Partei scheiterte knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Für Parteien, die mindestens drei Direktmandate holen, wird das laut Wahlgesetz jedoch außer Kraft gesetzt. Verlierer ist man dennoch. Eigentlich waren in Berlin drei Direktmandate fest bei den Linken eingeplant. Es wurden aber nur zwei. Entsprechend war man froh, dass es in Leipzig ein drittes Mandat gab.

"Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Im Wahlkampf deutete nichts darauf hin", sagt Hahn. Möglicherweise wollten die links-liberalen Wählerinnen und Wähler Rot-Grün-Rot verhindern oder sie wollten aber auch Olaf Scholz in Kanzler-Position bringen. "Heute habe ich noch keine fertigen Antworten, aber es wird eine Aufarbeitung der Ursachen geben", sagte Hahn am Montag.

Viel Zeit zum Grübeln hat er nicht. Er muss in den Geheimdienstausschuss des Bundestags. Der tagt als einziger Ausschuss weiter. Es gibt Wichtiges zu besprechen. Was? Das ist geheim.

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Hahn hat im Landkreis fast ein Drittel seiner Stimmanteile von 2017 verloren und landete bei zehn Prozent der Erststimmen. Bei den Zweitstimmen war der Einbruch noch größer und endete bei 7,7 Prozent. Seine Heimatgemeinde Gohrisch war die einzige, in der die Linke im Landkreis noch auf einen zweistelligen Wert kam (10,6 Prozent).

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