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Ein Leipziger rettet die Linke im Bundestag

Wie der Abgeordnete Sören Pellmann dazu beitrug, dass die Sozialisten weiter im Berliner Parlament vertreten sind

Sören Pellmann bleibt dank seines Wahlerfolges in Leipzig auch weiterhin im Bundestag.
Sören Pellmann bleibt dank seines Wahlerfolges in Leipzig auch weiterhin im Bundestag. © dpa/Soeren Stache

Lauter Jubel ist Sonntagabend im Leipziger Rathaus nur aus einer Ecke zu hören: bei den Linken. Die Genossen feiern ihren Lokalhelden Sören Pellmann, 44, Grundschullehrer, seit vier Jahren im Bundestag. Als einer von nur drei Linken-Politikern bundesweit hat er es geschafft, erneut als Direktkandidat ins Parlament einzuziehen. Mehr noch: Zusammen mit Gesine Lötzsch und Gregor Gysi in Berlin hat der gebürtige Leipziger dafür gesorgt, dass die Linken überhaupt wieder in Fraktionsstärke im Bundestag sitzen.

Ohne die drei lokalen Erfolge wären die Genossen infolge ihres 4,9 Prozent-Debakels komplett aus dem Bundestag geflogen. Mit drei Direktmandaten aber dürfen sie bleiben, wenn auch deutlich reduziert. Pellmann bekam im südlichen Leipziger Wahlkreis 40.927 Stimmen – 22,8 Prozent.

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Damit lag er deutlich vor der Grünen-Spitzenkandidatin Paula Piechotta (18,5 Prozent) und der jungen SPD-Frau Nadja Sthamer (16,6 Prozent). Und dass, obwohl der Wahlkreis nach den Zweitstimmen sogar grüne Hochburg ist. Aber wer ist dieser Sören Pellmann? Und wie hat er den Sieg errungen?

An einem Mittwochabend kurz vor der Wahl sitzt der Mann mit der markanten dunklen Brille auf einem Podium der Leipziger Volkszeitung. Der Frage des LVZ-Moderators, wo er mit seinen persönlichen Positionen von der Parteilinie abweichen würde, geht der Sozialist lieber aus dem Weg und wiederholt seine Slogans. Gute Löhne, gute Bildung, Gerechtigkeit für den Osten. Selbst politische Gegner bis in die CDU hinein attestieren Pellmann, er habe in den Jahren im Bundestag „viel dazugelernt“.

Die Grünen werfen Pellmanns Linken indessen vor, mit einem Aufruf zur taktischen Wahl mit falschen Behauptungen getrickst zu haben. So wurden im Wahlkampf anonyme Flyer verschickt, die Pellmann empfahlen: „Verschenken Sie Ihre Stimme nicht, in dem Sie chancenlose Kandidierende wählen.“ Doch die Erzählung, dass das so genannte „progressive Lager“ unbedingt ihn wählen müsse, wenn es CDU und AfD verhindern wolle, sei ein Märchen, konterte Grünen-Spitzenfrau Piechotta. Dies hätten die Wahlergebnisse bewiesen: Tatsächlich kamen die CDU- und AfD-Direktkandidaten nur auf 16,5 und 11,5 Prozent – kaum mehr als in Viertel.

In den vergangenen Wochen hatte die Linke im Leipziger Wahlkreis 153 kaum einen Laternenpfahl ausgelassen, um Pellmanns Gesicht und seine Slogans zu plakatieren. „Bärenstark sozial. Nah dran!“ Auch Flyer und Wurfsendungen wurden reichlich verteilt. Die Bemerkung, dass man ihn langsam nicht mehr sehen könne, habe er in den letzten Tagen öfter gehört, räumt Pellmann Sonntagabend grinsend ein. Seine Herausforderer wie die SPD rechnen indessen hoch, dass die Linke in Pellmanns Wahlschlacht mehr als 100.000 Euro investiert haben müsse. Ein Kraftakt, der wohl kaum ohne Unterstützung aus Berlin gelungen wäre. Die Spitzengenossen ahnten vermutlich, wie existenziell Pellmann für sie werden kann, und rückten zum Wahlkampfendspurt auch persönlich in Leipzig an.

Den größten Erfolg holte Pellmann dann in Connewitz, wo er 42,1 Prozent der Erststimmen bekam. Das Plattenbauviertel Grünau, sein angestammtes Revier, in dem er aufwuchs und in dem sein Wahlkreisbüro liegt, verlor der Abgeordnete indes komplett an die SPD und an die AfD.

Dabei war Pellmanns Vater, der Sozialpolitiker Dietmar, viele Jahre eine wichtige Stimme für das Quartier im Stadtrat und im Landtag. Sohn Sören war 1993 – mit 16 Jahren – in die PDS eingetreten, arbeitete sich bis in den Stadtvorstand hoch, wurde 2009 Stadtrat und 2012 deren Fraktionsvorsitzender, zwischendurch Sprecher und Wahlkampfleiter. 2017 löste er als Direktkandidat knapp den CDU-Abgeordneten Thomas Feist ab. Als Obmann im Ausschuss für Bildung und Forschung sowie als Mitglied im Petitions- und im Sportausschuss nahm man ihn in Leipzig jedoch weniger wahr.

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Allerdings gehört Pellmann nicht zur Kategorie Berufspolitiker mit der Karriere: Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal. Nach seinem Zivildienst in einem Heim für behinderte Kinder begann er zunächst ein Jura-Studium, überlegte es sich aber anders, schloss sein Lehramtsstudium für Förderschulen ab und wurde 2012 Grundschullehrer im Dienste des Freistaates Sachsen. Für den Bundestag war Pellmann als Nummer 2 der Landesliste allerdings doppelt abgesichert. Dort trifft er nun seine Herausforderinnen wieder: Grünen-Spitzenkandidatin Paula Piechotta und SPD-Frau Nadja Sthamer kamen über die Landeslisten ins Berliner Parlament.

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